Robotik-Fachkonferenz findet diese Woche in Wien statt

Internationale Robotik-Szene trifft sich diese Woche in Wien

Mittwoch, 03. Juni 2026 | 16:42 Uhr

Von: apa

Industrie- und Lagerarbeiter müssen sich aufgrund von humanoiden Robotern in den nächsten Jahren noch keine Angst um ihren Arbeitsplatz machen. Für einen regulären Einsatz, etwa in der Fabrik, muss die Künstliche Intelligenz (KI) der humanoiden Roboter mit vielen Daten noch länger trainiert werden, hieß es von Experten bei der aktuellen Robotik-Konferenz in Wien. Menschen nachempfundene Roboter würden aber mittelfristig Teil der Arbeitswelt.

Die weltweit größte Fachkonferenz für Robotik und Automatisierung (ICRA) bringt von Montag bis Freitag mehr als 8.000 Expertinnen und Experten aus Forschung und Industrie nach Wien. Neben wissenschaftlichen Vorträgen präsentieren über 140 Unternehmen und Forschungsinstitute ihre neuesten Entwicklungen. Hersteller von humanoiden Robotern zeigen ihre neuesten Modelle.

Rasante Marktentwicklung bis 2035 erwartet

Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert “eine industrielle Skalierung” in den kommenden Jahren.”2035 könnten die im Einsatz befindlichen humanoiden Roboter in einem optimistischen Szenario auf bis zu 50 Millionen steigen”, sagte der Unternehmensberater Thomas Kirschstein von Roland Berger kürzlich zur APA.

Bei einem APA-Konferenzrundgang in der Wiener Messe zeigte sich am Mittwoch, dass zahlreiche humanoide Roboter noch händisch von Menschen per Joystick gesteuert werden. Die großen chinesischen Hersteller Agibot und Unitree präsentierten bei der Konferenz ihre Roboter, die autonom agieren können und mit Künstlicher Intelligenz (KI) im Einsatz sind. In den USA und Europa wird derzeit noch an vielen Prototypen gearbeitet, in China wird die Massenproduktion bereits hochgefahren. Agibot produzierte bis Ende 2025 rund 5.000 humanoide Roboter, Ende März 2026 waren es bereits 10.000. Die Käufer der Roboter, etwa Industriekonzerne oder Forschungseinrichtungen, müssen die Künstliche Intelligenz der Maschinen aber noch selbst für den geplanten Einsatz aufwendig selbst trainieren.

Agibot konzentriert sich mit den ersten größeren Lieferungen und Einsätzen vor allem auf den chinesischen Markt. Die meisten der bisher ausgelieferten Roboter werden zu Testzwecken in Bereichen wie industrieller Fertigung, Logistik und interaktiven Dienstleistungen eingesetzt, hieß es von Agibot zur APA. Die Expansion in Europa sei “noch in einem frühen Stadium”. “Für Österreich und den breiteren europäischen Markt suchen wir aktiv den Dialog mit potenziellen Industriepartnern und prüfen gemeinsam mit ihnen Möglichkeiten”, sagte ein Agibot-Sprecher.

Roboter-Revolution oder teurer Hype?

Durch Fortschritte bei Künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik-Hardware könnten humanoide Systeme perspektivisch zu Betriebskosten von rund zwei US-Dollar pro Stunde arbeiten, erwartet die Unternehmensberatung Roland Berger. “Derzeit sind noch keine produktiven humanoiden Roboter im Einsatz. Industrieunternehmen experimentieren mit isolierten Aufgaben, etwa in der Montage oder in der Logistik”, sagte Robotik-Experte Kirschstein. Es gibt aber auch kritische Stimmen, die von einem teuren Hype rund um humanoide Roboter warnen.

Ein “State of the Art” humanoider Roboter aus China kostet derzeit circa 100.000 Euro. In den nächsten Jahren könnte der Preis für diese fortschrittlichen Modelle auf 20.000 bis 30.000 Euro sinken. “Einen “Business Case” für humanoide Roboter in Fabriken wird es unserer Einschätzung nach ab 2028 geben”, erwartet Kirschstein.

“Workmate”-Roboter aus Linz

In Europa gibt es rund 20 Start-ups im Bereich humanoider Roboter, etwa das Linzer Start-up Iono Robotics mit seinem “Workmate”. Das heimische Unternehmen bezieht einen Teil der Komponenten aus China, der Roboter-Kopf und Sensorikanzug sind aber Eigenentwicklungen. Derzeit testet man den Einsatz, etwa mit heimischen Industrieunternehmen, hieß es zur APA.

Die Robotik-Konferenz in Wien beschäftigt sich neben technologischen Entwicklungen auch mit der Frage, welche Rolle Robotik und Automatisierung künftig für Wirtschaft und Gesellschaft spielen werden. “Die Firmen, die gut automatisieren und innovativ sind, werden langfristig bestehen”, so der TU-Wien-Professor und ICRA-Kongressvorsitzende Markus Vincze in einer Aussendung. Für Europa werde “es immer wichtiger, Produktion, Know-how und technologische Entwicklung im eigenen Wirtschaftsraum zu halten”. Fix installierte klassische Industrieroboter – etwa von ABB, Fanuc oder Kuka – übernehmen klar definierte Aufgaben. In modernen Robotiksystemen wird aber Künstliche Intelligenz eingesetzt und die Roboter können flexibel Aufgaben erledigen.

Humanoide Roboter und das Sicherheitsthema

“Gerade wenn Roboter mit Menschen zusammenarbeiten, braucht es zusätzliche Sicherheitsmechanismen”, so TU-Professor Vincze. Mit KI allein könne man “heute noch nicht garantieren, dass ein System immer innerhalb sicherer Grenzen agiert”.

Außerhalb von Industrieunternehmen soll Robotik später einmal auch Menschen im Alltag unterstützen. “Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden zehn bis fünfzehn Jahren deutlich mehr Robotik im Alltag sehen werden”, erwartet Vincze. “Nicht als Science-Fiction, sondern als praktische Unterstützung im täglichen Leben.”

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