Auswirkungen des Klimawandels

„Klein-Bordeaux“ im Unterland

Freitag, 28. Juli 2017 | 12:31 Uhr

Kurtatsch – Der Klimawandel beschäftigt nicht nur die Wissenschaft. Auch die Weinwirtschaft strickt seit einiger Zeit an Konzepten, um sich den neuen Herausforderungen anzupassen. Allen voran die Kellerei Kurtatsch, die in ihren tieferen Lagen vermehrt auf wärmeliebende Bordeaux-Sorten wie Merlot und Cabernet setzt. In den nächsten 10 Jahren will sie deren Anbaufläche um rund ein Drittel erhöhen. Eine Strategie, mit der sich die Kellerei Kurtatsch international als Spitzenproduzent im Rotweinbereich positionieren will.

Seit 1980 ist die Jahresdurchschnittstemperatur im Alpenraum um über ein Grad angestiegen. Bis 2050 gehen Experten je nach verwendetem Modell von einem weiteren Anstieg um 1,5 bis 2 Grad aus. Im Frühjahr und Sommer ist die Erwärmung signifikanter, zugleich nehmen Hitzetage und Tropennächte zu. Einzig und allein der Faktor Temperatur zeigt also, dass sich die klimatische Ausgangslage verändert hat und weiter verändern wird. „Wir sind uns dessen bewusst und haben schon vor einigen Jahren begonnen, uns im Rahmen einer Sorten-Lagen-Analyse intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen“, betont Andreas Kofler, Obmann der Kellerei Kurtatsch.

„Unsere Weinberge befinden sich auf einer Höhe von 220 bis 900 Höhenmeter. Die tieferen Lagen gehören zu den wärmsten in Südtirol. Für Weißwein-Sorten wird es vermehrt zu warm, um deren volles Potential ausschöpfen zu können, da vor allem zu viel Säure abgebaut wird. Auch die Vernatsch-Traube verliert an Frische in den sehr warmen Lagen“, so Kofler. Im Gegensatz dazu laufen Bordeauxsorten bei Wärme zu Höchstform auf: „Ganz generell kann man sagen, dass diese Sorten höhere Tanningehalte aufweisen als die meisten anderen Sorten, sie profitieren also vom wärmer werdenden Klima. Die Qualität steigt, vor allem beim Cabernet Sauvignon“, erklärt Kofler. „Die nach Süd-Ost ausgerichteten, steilen und wärmsten Lagen in Kurtatsch eignen sich ideal für die internationalen Edelsorten. Sie bieten eine perfekte Sonneneinstrahlung und eine sehr gute Drainage.“ Zudem weisen die Böden laut Kofler eine sehr ähnliche Beschaffenheit wie jene in den beiden berühmten Anbaugebieten von Pomerol (Lehm) und Medoc (karger Moränenboden) in Bordeaux auf.

Schon jetzt ist die Kellerei Kurtatsch südtirolweit führend bei den Bordeauxsorten Merlot und Cabernet. Bis 2027 soll der Anteil weiter wachsen: „Wir planen unsere Anbauflächen um ein Drittel zu erhöhen – von derzeit 14,5 Hektar auf rund 20 Hektar. Die Produktion werden wir im selben Zeitraum von 110.000 auf insgesamt 145.000 Flaschen jährlich steigern.“ Gleichzeitig soll auch der Export ausgebaut werden: „Derzeit verkaufen wir zwölf Prozent unserer Merlot- und Cabernetweine außerhalb der Landesgrenzen. In den nächsten Jahren wollen wir auch da wesentliche Zugewinne erzielen“, erläutert Kofler. Die Vorzeichen sind günstig: „Bei Vergleichsverkostungen zeigt sich immer wieder, dass unsere besten Jahrgänge jenen aus der Bordeaux-Region um nichts nachstehen.“

Von: ao

Bezirk: Überetsch/Unterland

Kommentare

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2 Kommentare auf "„Klein-Bordeaux“ im Unterland"


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Dublin
Dublin
Universalgelehrter
25 Tage 14 h

…am Rittner Horn wachsen ah schun bald Reben… 😊

Burgltreiber
Burgltreiber
Grünschnabel
16 Tage 17 h

Am Fennberg sind sie schon lange ( Reben).

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