Wirtschaftsbarometer Frühjahr 2021

Landwirtschaftliche Genossenschaften zwischen Zuversicht und Sorgen

Donnerstag, 18. März 2021 | 10:06 Uhr

Bozen – Die Kellereien und Sennereien sind besorgt über die aktuelle Entwicklung der Pandemie, die in der ersten Jahreshälfte keine Erholung der Umsätze im Absatzkanal der Hotellerie und Gastronomie ermöglichen wird. Das Geschäftsklima im Obstsektor bleibt hingegen zuversichtlich: Die Ernte 2020 fiel zwar weniger ertragreich als im Vorjahr aus, der Start in die Vermarktungssaison war aber positiv. Dies ergibt sich aus der Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO − Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen.

Die zweite Corona-Welle brachte neue Schwierigkeiten für den Südtiroler Weinsektor. In den letzten beiden Monaten 2020 verzeichneten die Kellereien einen durchschnittlichen Umsatzrückgang von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2019. Betrachtet man das gesamte Jahr 2020, so berichten alle Kellereigenossenschaften von einem Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorjahr, insbesondere auf dem Südtiroler und dem italienischen Markt. Die Ertragslage wird in 28 Prozent der Fälle als „schlecht“ bezeichnet. Um der Krise entgegenzuwirken und den Winzern bessere Auszahlungspreise zu gewährleisten, haben die Südtiroler Kellereigenossenschaften den Vermarktungsbeginn für den Jahrgang 2020 auf März bis April 2021 verschoben. Die Ernte vom vergangenen Herbst erbrachte mehr als 313.000 Hektoliter Wein und die Kellereimeister sind mit der Qualität sehr zufrieden. Die Erwartungen für 2021 sind jedoch verhalten, aufgrund der Sorge um die Entwicklung des HoReCa-Vertriebskanals (Hotels, Restaurants und Cafés), ohne den keine echte Umsatzbelebung möglich ist. Darüber hinaus wird eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen erwartet, insbesondere der Verkaufspreise und der Zahlungsmoral der Kunden. Dementsprechend gehen 38 Prozent der Kellereien heuer von einer schlechten Ertragslage und unbefriedigenden Auszahlungspreisen aus.

Auch für den Milchsektor war 2020 ein sehr schwieriges Jahr, aufgrund der starken Verflechtung mit dem Tourismus- und dem Gastronomiesektor und der niederen Milchpreise auf dem italienischen Markt. Die jüngsten Entwicklungen bezüglich der Pandemie lassen auch für die kommenden Monate keine Erholung erwarten. Viele Sennereien rechnen heuer mit sinkenden Verkaufspreisen und einer weiteren Verschlechterung der Wettbewerbssituation. Dennoch sollten die Ertragslage und die Auszahlungspreise in den meisten Fällen noch zufriedenstellend ausfallen.

Die Obstbranche zeigt hingegen weiterhin eine zuversichtliche Stimmung. Alle Genossenschaften rechnen heuer zumindest mit einer „befriedigenden“ − in vielen Fällen sogar mit einer „guten“ − Rentabilität. Die Apfelernte 2020 war zwar um 7,9 Prozent niedriger als im Vorjahr, lieferte aber gute Größen und eine hohe Qualität, mit einem geringen Anteil der Produktion, der für die industrielle Verarbeitung bestimmt wurde. Darüber hinaus dürfte der Produktionsrückgang in einigen direkten Konkurrenzländern wie Spanien und Frankreich die Südtiroler Exporte begünstigen. Auch mit dem Start der Vermarktungssaison sind die Genossenschaften zufrieden: Die Verkaufspreise haben sich von Anfang an gut entwickelt, wobei vor allem die Clubsorten für eine gute Preisstabilität sorgen. Die aktuellen Lagerbestände liegen zwar geringfügig über dem Niveau der vergangenen Jahre, jedoch verläuft der Mengenabbau wegen der guten Nachfrage erwartungsgemäß.

Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen, kommentiert: „Die Krise wirkt sich auch auf die Landwirtschaft aus, da sie die Konsumgewohnheiten der Menschen verändert. Im Weinsektor beispielsweise gewinnt der Online-Vertriebskanal an Bedeutung, während im Obstsektor im Jahr 2020 ein neuer Rekord für die Bio-Produktion aufgestellt wurde. In diesem sich ständig verändernden Umfeld ist die hohe Qualität der Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern sowie Genossenschaften ein Garant für die Exzellenz der Südtiroler Landwirtschaft.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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6 Kommentare auf "Landwirtschaftliche Genossenschaften zwischen Zuversicht und Sorgen"


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Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

deis passt jo wieder, kaum weart a geld freigegeben, jammern die bauern wieder 🙄

Lucifer_Morningstar
1 Monat 3 Tage

Die bauern haben auch das recht zu jammern, schließlich kaufen in südtirol tausende von gästen direkt von den erzeugern oder in den genossenschsten/ kellerien oder milchhöfen ein. Die gastronomie und hotelerie stehen auch still und die guten produkte finden keien abnehmer.
Viele arbeiten das ganze jahr hart auf den feldern und bekommen heuer wenig ausbezahlt.
Es trifft momentan bei uns hier leider zu viele die schauen müssen wie sie über die runden kommen usw.

So sig holt is
So sig holt is
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

i glab du brauchsch a brille… des sogen die sennerei und kellerei nit die bauern

Chriss
Chriss
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

Früh genug jammern damit sie
ja etwas bekommen. Gestern war in einem Online-Medium ein Artikel über die Corona-Tests,
welche letztes Jahr für die Obstklauber durchgeführt wurden. Damals hieß es, dass
für diese Tests nicht die öffentliche Hand, sprich der Steuerzahler aufkommen
muss. Und was ist geschehen?!? Genau das Gegenteil. Der Steuerzahler durfte
diese 1,3 Millionen Euro zahlen. Danke ihr armen Obstbauern!!!

Doolin
Doolin
Superredner
1 Monat 3 Tage

…dass es so kommt, haben alle sofort verstanden, aber erst jetzt wird’s offen gesagt, weil man glaubt, das Volk hat mittlerweile vergessen…die Gschicht wiederholt sich heuer natürlich zur Erntezeit…da wird dann Impfung für Erntehelfer hinzukommen…
😆

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
1 Monat 3 Tage

Tja,die Milch haben wir vor der Haustür U ist teurer als in Verona,wird Zeit das die Sennerei vom hohen Ross herunterfällt

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