Vorteile und Risiken für Verbraucher

Neue Mehrwertsteuerregelung: Was ändert sich für Verbraucher?

Freitag, 25. Juni 2021 | 08:05 Uhr

Bozen – Am 1. Juli treten neue EU-Vorschriften in Kraft, welche den grenzüberschreitenden Fernabsatz vereinfachen sollen: “Für einen faireren, einfacheren und betrugssicheren digitalen Binnenmarkt”.

Der Erfolg des Onlinehandels, der Hand in Hand mit der fortschreitenden technologischen Entwicklung geht, hat die Art und Weise, Handel zu betreiben und Einkäufe zu tätigen, grundlegend verändert. Mit den Covid-19-bedingten Einschränkungen schwang der Onlinehandel nochmals zu neuen Höhen auf. Durch die Modernisierung der europäischen Regeln für die Anwendung der Mehrwertsteuer (MwSt.) auf grenzüberschreitende Online-Transaktionen, welche von der EU-Richtlinie 2017/2455 vorgesehen sind, ergeben sich einige Neuigkeiten. Das Europäische Verbraucherzentrum in Bozen klärt auf:

Was ändert sich durch die Mehrwertsteuerreform konkret für die Verbraucher?

“Die europäischen Verbraucher müssen ihre Kaufgewohnheiten nicht umstellen, aber wenn sie auf Nicht-EU-Websites einkaufen, müssen sie auf den Endpreis des gekauften Produkts achten: Ab dem 1. Juli 2021 werden nämlich Waren auch mit einem Wert von unter 22 Euro, die aus Nicht-EU-Ländern kommen, der Zahlung der Mehrwertsteuer unterliegen. Damit wird der faire Wettbewerb zwischen EU- und Nicht-EU-Online-Verkäufern sowie zwischen Online-Shops und ‘realen’ Geschäften wiederhergestellt, eine Tatsache, die im Zusammenhang mit der durch Covid-19 verursachten Krise von noch größerer Bedeutung ist”, heißt es.

Die wichtigsten Neuheiten auf einen Blick:

  • Die Mehrwertsteuer wird an dem Ort abgeführt, an dem der Verbrauch der Waren und Dienstleistungen erfolgt;
  • dank zweier neuer digitaler Plattformen, der einzigen Anlaufstelle (OSS) und der einzigen Anlaufstelle für den Import (IOSS), wird Unternehmen ein einfaches und einheitliches System für die Erklärung und Zahlung der Mehrwertsteuer bei grenzüberschreitenden Transaktionen mit EU-Kunden zur Verfügung gestellt;
  • die digitalen Plattformen werden direkt für die Mehrwertsteuerverpflichtungen bei innergemeinschaftlichen Fernverkäufen von Waren und Verkäufen von Waren, die sich bereits im EU-Gebiet befinden, die von Steuerpflichtigen mit Sitz außerhalb der EU durchgeführt werden, sowie bei Fernverkäufen von Waren mit einem Wert bis zu 150 EUR, die aus Nicht-EU-Ländern importiert werden, verantwortlich sein.

Die Vorteile für Verbraucher:

  • Verbraucher die in der EU einkaufen, müssen keine Mehrwertsteuerpflichten erfüllen; die neuen Mehrwertsteuervorschriften zielen vielmehr darauf ab, eine einfachere und einheitlichere Besteuerung und Regelung für die von der Besteuerung Betroffenen zu gewährleisten;
  • Ab dem 1. Juli 2021 müssen für Waren mit einem Wert von bis zu 150 €, die aus Drittländern bezogen werden, keine zusätzlichen Zollgebühren gezahlt werden, sofern der Verkäufer im neuen Mehrwertsteuersystem registriert ist und die einheitliche Anlaufstelle für die Einfuhr (IOSS) nutzt;
  • Wenn der Verkäufer im neuen Mehrwertsteuersystem registriert ist und das IOSS-System nutzt, hat der Verbraucher Gewissheit über den Endpreis seiner Online-Einkäufe ohne unerwartete Kosten bei der Lieferung, unabhängig davon, ob die Waren aus der EU oder von außerhalb kommen; andernfalls muss er die Mehrwertsteuer und möglicherweise einige Zollgebühren zahlen, die dem Spediteur für die Einfuhr in die EU in Rechnung gestellt werden

„Der elektronische Handel hat es den Verbrauchern ermöglicht, in vollem Umfang vom Binnenmarkt zu profitieren, da er den Zugang zu einer großen Auswahl von Produkten und Dienstleistungen zum interessanten Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Nicht selten erlebten Verbraucher jedoch bei der Lieferung unangenehme Überraschungen, da sich der Endpreis des Produkts aufgrund von Einfuhrgebühren als höher herausstellte. Mit den neuen Mehrwertsteuerregeln profitieren Verbraucher von einer größeren Preistransparenz, vor allem aber von einem faireren Markt”, erklärt Monika Nardo, Koordinatorin des Europäischen Verbraucherzentrums Italien in Bozen.

Die Risiken für Verbraucher:

  • Wenn Verbraucher Nicht-EU-Produkte von Shops kaufen, die nicht beim IOSS registriert sind, fallen möglicherweise zusätzlich zu dem zum Zeitpunkt der Bestellung angegebenen Preis die Mehrwertsteuer und andere zusätzliche Kosten an, die der Nicht-EU-Händler gegebenenfalls nicht im Voraus angegeben hat;
  • da Produkte bis zu einem Wert von 150 Euro, die von außerhalb der EU importiert werden, ebenfalls der Mehrwertsteuer unterliegen, könnten Shops ihre Preise erhöhen.

“Beim Kauf von Produkten auf E-Commerce-Plattformen, die von Verkäufern und Marktplätzen außerhalb der EU stammen, sollten Verbraucher einen zusätzlichen Blick auf die Posten Mehrwertsteuer und Postgebühren werfen, um zu prüfen, ob diese im Preis enthalten sind oder nicht”, fügt Barbara Klotzner, Beraterin des Europäischen Verbraucherzentrum, abschließend hinzu, “und es ist wohl davon auszugehen, dass die Endpreise der Produkte steigen werden, da sie nun alle mit dem Mehrwertsteuersatz besteuert werden”.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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13 Kommentare auf "Neue Mehrwertsteuerregelung: Was ändert sich für Verbraucher?"


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Mikeman
Mikeman
Kinig
1 Monat 2 Tage

ein bürokratischer Dschungel kaum würdig 4.Weltzustände,
in Amerika lachen die Hühner über solche Kompetenzspitzen
in Europe.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

“Obwohl die Trennung nicht immer leichtfällt, sollte bei den folgenden Anzeichen ein imaginäres Warnlämpchen blinken:
– stark übertriebene und hochemotionale Aussagen (besonders zu kontroversen Themen)
– persönliche Angriffe unter der Gürtellinie
– kein Interesse, auf Argumente einzugehen
– auffallend schlechte Grammatik und Rechtschreibung
– leere, unvollständige Profile”
https://blog.hubspot.de/marketing/social-media-troll-leitfaden

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage
“Trolle füttern bis sie platzen – Warum du einmal pro Tag einem Troll widersprechen solltest… Wohlgemerkt nicht mit dem Ziel, das Gegenüber argumentativ umzustimmen. Das funktioniert bei Personen, die sich auf eine einseitige, emotional aufgeladene Sicht versteift haben und irgendeinen Demagogen oder Quasi-Diktator anhimmeln, so gut wie nie. Zumindest nicht sofort. Außerdem besteht immer die Möglichkeit, [wir] es mit einem Bot zu tun zu haben. Das aber ist egal. Worum es schlicht geht, ist, sichtbar die Minderheit zu übertönen und so allen Beobachtern deutlich zu signalisieren, dass die Unruhestifter, Hetzer und Extremisten mit ihren aggressiven Stammtischparolen, Faktenverdrehungen und Simplifizierungen eben… Weiterlesen »
primetime
primetime
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Soviel zum Thema Vereinfachung und Bürokratie Abbau.

Jedoch ist im Artikel ein Fehler:
“Die Mehrwertsteuer wird an dem Ort abgeführt, an dem der Verbrauch der Waren und Dienstleistungen erfolgt;”

Das gilt erst wenn der Onlineshop den EU-weiten Schwellenwert von 10.000€ (Gesamtumsatz auf Jahresbasis ohne MwSt) überschreitet. Ab diesem Datum ist die MwSt des Bestimmungslandes (Kunde) zu zahlen – vorher die MwSt des Landes in welchem der Verkauf stattfindet.

So ist das
1 Monat 2 Tage

Draufzahlen wird schlussendlich immer der Konsument. 🤔

nixischfix
nixischfix
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Danke für diese Information…

Frank
Frank
Superredner
1 Monat 2 Tage

Na bloß gut, daß die Bürokraten sich keine umständliche oder gar komplizierte Regelung haben einfallen lassen. 😏

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Die haben sich wahrscheinlich “unsere” Corona-Verordnungen als Vorbild genommen…

traktor
traktor
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

wahnssinnig schlecht. wenn ein paket beim zoll ist wartet man schon mal 89 tage auf dessen ankunft…. die machen alles schlechter statt besser

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Zum Glück sind es nur 89 Tage…
Stell dir vor, ich musste schon mal 3 Monate warten…

PuggaNagga
1 Monat 2 Tage

Und warum keine einheitliche MwSt. von 20% europaweit.
Dann ist es egal wee wo und wieviel kauft.

wiakimpdir4
wiakimpdir4
Superredner
1 Monat 1 Tag

Cooles Bild, senken Sie jetzt die MwSt auf 19%….

primetime
primetime
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Das System ist wieder mal eine Benachteiligung für Italien durch den hohen MwSt Satz. Das heißt gewisse Unternehmen die viel verkaufen, den Sitz aber in einem anderen EU Land als Italien haben werden noch “reicher” und der italienische Unternehmer schaut wieder durch die Finger…

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