Ärzte gingen auf die Barrikaden

Polemik um Broschüre der Volksanwaltschaft – Morandell nimmt Stellung

Montag, 06. August 2018 | 16:48 Uhr

Bozen – Die Broschüre der Südtiroler Volksanwaltschaft „Wurde ich richtig behandelt?“ hat unter Ärzten eine Polemik entfacht. Ein Teil der Ärzteschaft sah sich in seiner Berufsehre verletzt. Nun bezieht Volksanwältin Gabriele Morandell mit folgenden Worten Stellung: „Ich beabsichtigte in keinster Weise mit dieser Broschüre die Arbeit der Ärzte zu kritisieren oder schlecht zu machen; ganz im Gegenteil: Ich bin vielmehr der Überzeugung, dass in Südtirol gute und tüchtige Ärzte tätig sind und ich habe in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht.“

„Meine Arbeit besteht nicht darin, für die Patienten und Patientinnen oder für die Ärzteschaft Partei zu ergreifen, sondern – im Falle von Reklamationen – beide Parteien zusammenzubringen, damit sie die Möglichkeit haben, über das Problem zu sprechen und die jeweiligen Bedürfnisse zu verstehen. Dies ist seit jeher das Hauptanliegen der Volksanwaltschaft, was auch zahlreiche Ärzte, Primare und Führungskräfte des Gesundheitswesens bestätigen können“, fährt Morandell fort.

Allerdings sei die Broschüre an die Patienten gerichtet, zumal Letztere sich an die Volksanwaltschaft für Unterstützung wenden, und oft würden sie dies tun, weil sie der Meinung sind, Behandlungsfehlern zum Opfer gefallen zu sein. Das Hauptaugenmerk in der Broschüre werde auf die Kommunikation gelegt, also auf die Aussprache mit dem Arzt und auf die Mediation: Wenn  sich die Patienten für diese Lösung entscheiden und das Ärzte- bzw. das Pflegepersonal ihnen entgegenkommt, gereiche dies auch den Ärzten zum Vorteil. Aus Gründen der Klarheit und der Transparenz sei es allerdings notwendig, auch auf andere Möglichkeiten für die Patientinnen und Patienten hinzuweisen, betont die Volksanwältin.

„Wenn sich Ärzte durch die Karikaturen oder durch einzelne Formulierungen in der Broschüre beleidigt fühlen, dann bin ich sehr gerne und jederzeit bereit, das Gespräch mit ihnen zu suchen und die gewünschten Änderungen einzufügen sowie an einer Verbesserung zu arbeiten“, so die Volksanwältin.

Grundsätzlich führt Morandell weiter an: „Ich sehe den behandelnden Arzt nicht als Gegner des Patienten, sondern als seine Vertrauensperson und seinen engsten Ratgeber. Ziel meiner Arbeit ist ein informierter Patient, der durch Fragen und Gespräche mit dem Arzt sein Vertrauensverhältnis noch stärken kann.“

Die Verteilung der Informationsbroschüren in den Bürgerschaltern des Sanitätsbetriebes sei ein Wunsch der Volksanwältin, der Sanitätsbetrieb habe dazu noch keine Entscheidung getroffen.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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6 Kommentare auf "Polemik um Broschüre der Volksanwaltschaft – Morandell nimmt Stellung"


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Nichname
Nichname
Tratscher
14 Tage 2 h
In meinem familiären Umfeld und auch an mir selbst habe ich schon zahlreiche Ärztefehler erleben müssen, die glücklicherweise in den meisten Fällen (leider nicht immer!) keine schwerwiegenden Folgen hatten. Ich selbst habe einen extrem lebensbedrohenden Arztfehler mit viel Glück ohne größere Langzeitfolgen überlebt (der Arzt, jünger als ich, ist inzwischen gestorben!) und das alles immer stillschweigend hingenommen, weil ich weiß, dass keine Absicht, sondern höchstens grobe Fahrlässigkeit infolge von Überarbeitung dahintersteckte. Wenn es einmal schlimmer kommen sollte, möchte ich meine Rechte aber schon genau kennen. Die Ärzte brauchen deswegen nichts zu befürchten, sie sind ja dank der Großzügigkeit des Landes und trotz… Weiterlesen »
smith
smith
Grünschnabel
14 Tage 1 h

bravo, wer von euch ohne Fehler ist , werfe den ersten Stein.

AnWin
AnWin
Grünschnabel
13 Tage 22 h

..wir werden immer weniger Ärzte haben!

wellen
wellen
Superredner
14 Tage 22 Min

Eher müssen sich die Ärzte und Pflegerinnen vor aggressiven und impertinenten Patienten und Angehörigen schützen

der Vinschger
der Vinschger
Superredner
13 Tage 21 h

Sel tat i a sogen!

Loewe
Loewe
Superredner
13 Tage 23 h

Ich finde das von Morandell absolut nicht ok!!

Gut ist im Nachhinein, wenn was auftaucht, dann den Leuten zu Helfen ist ok. Aber vom Vorfeld mal anzunehmen, dass dass die Ärzte oder Pflegepersonal gut arbeitet wird das Gegenteil getan.

Gelten tut immer die UNSCHULDVERMUTUNG !! ALLES andere ist nicht ok!

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