Unternehmen wollen Beitrag leisten

Rieper: “Energiewende erfolgt nicht zum Nulltarif”

Donnerstag, 04. Juni 2026 | 11:40 Uhr

Von: mk

Bozen – Europa hat Italien mehr Flexibilität für Investitionen in erneuerbare Energien zugestanden. „Ein wichtiges Signal“, wie der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol, Alexander Rieper unterstreicht. „Doch diese Mittel müssen für strategische Investitionen verwendet werden und nicht für laufende Ausgaben. Wir müssen Energie auf allen Ebenen freimachen, um Wachstum zu fördern.“

Rieper verweist auf eine zentrale Zahl: In Italien warten derzeit mehr als 4.000 Projekte auf ihre Genehmigung, mit einer zusätzlichen Gesamtleistung von rund 150 GW. „Die bürokratischen Abläufe müssen beschleunigt werden: so lange Wartezeiten sind nicht mehr tragbar, wenn wir wettbewerbsfähig sein und die Energiewende wirksam umsetzen wollen.“

Gezielte Investitionen braucht es auch in Südtirol. „Um die Klimaziele zu erreichen, muss Europa innerhalb 2040 die vorhandenen Kapazitäten mehr als verdoppeln, insbesondere in den Bereichen Wind- und Solarkraft, aber auch in der Wasserkraft und anderen alternativen Formen wie Wasserstoff und Biomasse. Südtirol befindet sich in einer vorteilhaften Lage, die noch besser genutzt werden muss, indem die Produktion gestärkt wird, und in neue Speichersysteme sowie moderne und effiziente Leitungen investiert wird. Unsere Autonomie kann ein zentraler Hebel sein, um in diese Richtung zu beschleunigen“, so Rieper.

Um die Energiewende zu schaffen – wobei einerseits Versorgungssicherheit und andererseits wettbewerbsfähige Preise für Familien und Unternehmen garantiert werden müssen – ist es notwendig, die öffentlichen Haushalte auf langfristige Investitionen auszurichten. Mit dem kürzlich genehmigten Nachtragshaushalt stehen Südtirol fast zehn Milliarden Euro zur Verfügung, doch 80 Prozent sind bereits für laufenden Ausgaben vorgesehen. „Es muss klar sein: die Energiewende erfolgt nicht zum Nulltarif. Im Gegenteil, es braucht eine enorme Anstrengung von Seiten der Familien und Unternehmen, aber auch der öffentlichen Hand. Um den kommenden Generationen keine weiteren Schulden zu hinterlassen, müssen wir Ressourcen freisetzen, indem unnötige Ausgaben und Doppelgleisigkeiten vermieden werden und in die Zukunft investiert wird“, unterstreicht Rieper.

Die Unternehmen werden weiterhin ihren Beitrag leisten: „Welche Herausforderung wir auch immer angehen müssen, wir wollen und wir werden Teil der Lösung sein. Auch was die Energiewende und die Dekarbonisierung betrifft. In den vergangenen 45 Jahren ist der Energiekonsum der Südtiroler Industrie um 40 Prozent zurückgegangen, während dank der technologischen Entwicklung und der Innovationsbereitschaft das Output deutlich gewachsen ist. Diesen Weg wollen wir weiter gehen“, so Rieper abschließend.

Bezirk: Bozen

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