"Im Zeichen der Stabilität"

Sanität legt Geschäftszahlen vor

Freitag, 27. April 2018 | 17:16 Uhr

Bozen – Der Südtiroler Sanitätsbetrieb steht mit Ende 2017 auf solidem Fundament. Die großen Herausforderungen, denen sich alle Gesundheitssysteme europaweit stellen müssen, werden in Südtirol nach wie vor gut gemeistert. Auch im vergangenem Jahr ist es gelungen, der Bevölkerung des Landes und den zeitweilig hier anwesenden Menschen (Touristen, Saisonarbeiter, Migranten, u.a.m.) eine hochwertige Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Das Management des Südtiroler Sanitätsbetriebes ist den Herausforderungen, die mit den demographischen Veränderungen, den Entwicklungen in Medizin und Technik, dem rasant ansteigenden Fachkräfte-Mangel und den steigenden Erwartungen der Bevölkerung einhergehen, durch eine überlegte, mit den Gesundheitsbezirken abgestimmte Führung und Steuerung (Stichwort „Governance“) begegnet.

Akut-Versorgung top

Bekanntlich verfügt Südtirol über eine absolut hochwertige Notfall- und Akutversorgung, die vorwiegend im Netzwerk der 7 Krankenhäuser erbracht wird. Von strategischer Bedeutung war auch im Jahr 2017 die Erhöhung der organisatorischen und klinischen Angemessenheit: Es gilt nur jene Leistungen in einem stationären Betreuungssetting zu erbringen, die auch in klinischer Hinsicht unbedingt eines Krankenhaus-Aufenthaltes bedürfen. Demnach wurde auch 2017 eine Angleichung der Akutbetten an die nationalen Vorgaben (3,6 Betten auf 1000 Einwohner) angestrebt, bei gleichzeitiger Erhöhung der tagesklinisch und -chirurgischen sowie ambulanten Leistungen. Die Leistungsdaten bestätigen diese Zielsetzung (ordentliche stationäre Aufnahmen: 2016: 65.343; 2017: 65.049.) Auch die zeitweilig schwierige Konsolidierung der Kurzzeitbeobachtung wurde in allen größeren Spitälern des Landes intensiviert (OBI-Zugänge: 2016: 11.763; 2017: 12.185) Nach wie vor fallen allerdings rund 46% der Gesamtausgaben für die Krankenhaus-Versorgung an. Die Aktivierung der Gesundheitsversorgung vor Ort kommt nur zögerlich in Schwung.

Zunahme von ambulanten und instrumental-diagnostischen Leistungen

Ungebrochen war 2017 die Nachfrage nach ambulanten und instrumental-diagnostischen Leistungen, (ambulante Leistungen inkl. Leistungen der Radiologien und Labors: 8,4 Mio. Leistungen). Das sind nach wie vor beeindruckende Leistungszahlen. Täglich werden im Sanitätsbetrieb nicht weniger als 4000 ambulante Leistungen erbracht. Hinsichtlich der Organisation der Dienste ist vor allem die weitere Stärkung der „Verbindlichen Zusammenarbeit“ der radiologischen Dienste und Labors im Südtiroler Sanitätsbetrieb zu nennen. Sowohl die Laborleistungen als auch radiologischen Leistungen sind mittlerweile von den Ärzten landesweit einsehbar (LIS- bzw. RIS-Plattform). Das Konzept für die Verkürzung der Wartezeiten wurde gemäß Plan umgesetzt: Zusätzliche Fachärzte wurden in besonders kritischen Fachbereichen genehmigt; in Abstimmung mit der SAPS wurden zusätzliche Konventionen mit den privaten Leistungserbringern verabschiedet; die landesweite Vormerkzentrale kommt voran (Erhöhung der landesweiten Agenden; Personalaufstockung von +20 FTE). Auch die onkologische Betreuung kann Qualitätserfolge vermelden (landesweite interdisziplinäre Tumorboards in zentralen klinischen Versorgungsbereichen).

Herausforderung Gesundheitsversorgung vor Ort

Der demographisch und Lebensstil-bedingten Zunahme von chronischen und Alters-Erkrankungen sowie onkologischen Krankheitsbildern ist künftig verstärkt in der Gesundheitsversorgung vor Ort zu begegnen, unter Einbindung der Hausärzte, Krankenpfleger, Sozialdienste, betreuenden Angehörigen und Pflegehelfern (sog. „Badanti“). Die Entwicklung von multidisziplinären Case-Management-Modellen gemeinsam mit den Hausärzten ist voranzutreiben. Angesichts einer anstehenden Pensionierungswelle von Hausärzten bei gleichzeitig fehlendem Nachwuchs müssen allerdings auch neue bzw. geänderte Aufgabenzuweisungen angedacht werden. Zukunftsweisend gestartet ist in diesem Zusammenhang im Sprengel Neumarkt die Familienkrankenpflege, die auf Initiativmedizin, Empowerment und Partizipation setzt. Der Sanitätsbetrieb arbeitete 2017 zudem intensiv an der Entwicklung eines Pilotprojektes der telemedizinischen Versorgung von Diabetes-Patienten. Die Definition des landesweiten diagnostisch-therapeutischen Betreuungspfades für Diabetes-Patienten wurde erarbeitet, genauso wie die standardisierte Betreuung von risikofreien Geburten („Rund um die Geburt“). Auch der Start der „vernetzten Gruppenmedizin“, der sog. „AFT“ (Aggregazioni funzionali territoriali“) wurde auf den Weg gebracht.

Hotspot Notaufnahmen

Ein nicht nur medialer Hotspot waren auch im Jahr 2017 die Notaufnahmen, zumal jene des Landeskrankenhauses Bozens und, wenngleich in abgeschwächter Art und Weise, jene der Krankenhäuser Meran, Brixen und Bruneck. Die anlässlich einer medialen Kampagne durchgeführte Analyse der Angemessenheit der Zugänge und der Outcome-Daten ermöglichte schlussendlich solide Aussagen: Südtirol liegt italienweit hinsichtlich der Zugänge zu den Notaufnahmen an der Spitze (ca. 500 im Jahr auf 1000 Einwohner); der Großteil bedarf keiner dringenden, unaufschiebbaren Leistungen (weiße oder grüne Kodizes). Wenn es wirklich um Leben oder Tod geht (rote Kodizes) funktioniert insbesondere auch die Notaufnahme am Landeskrankenhaus Bozen, die an Spitzentagen von bis zu 300 Personen aufgesucht wird, sehr gut.

Personalanwerbung und -Anstellungen: erfolgreich gemeisterte Belastungsprobe

An der an und für sich schon knappen Personaldecke im ärztlichen und pflegerischen Bereich wurde im Jahr 2017 aufgrund der zeitweiligen Unmöglichkeit, Werkverträge abzuschließen, noch einmal von allen Seiten kräftig gezogen. Rund 500 Werkverträge mussten in Kürze in befristete bzw. unbefristete Anstellungsverhältnisse gebracht werden, was zwar grundsätzlich der strategischen Ausrichtung des Betriebes, auf fixes Stammpersonal zu setzen, entspricht, angesichts der hohen Regulierung der Einstellungsprozeduren aber eine enorme Belastung für die direkt betroffenen Dienste, die Personalabteilung und das Management bedeutete. Über die Instrumente der Dienstverpflichtung, Lockerung der Zweisprachigkeitspflicht für befristete Anstellungen und Expertenverträge konnte die Aufrechterhaltung aller Dienste gewährleistet werden, auch die 24-Std./7-Tage-Öffnungszeiten der Notaufnahmen in den kleinen Krankenhäusern. Auch wenn öffentlich kaum positiv beachtet, so ist dies zweifellos eine der bedeutendsten betrieblichen Leistungen für 2017.

Fortgeführt wurde 2017 auch die Recruiting-Kampagne des Betriebes, die konkrete Ergebnisse zeitigte: So wurden allein 2017 177 Ärzte und über 130 Pfleger angestellt. Für 2018 sind weitere Anstellungen geplant.

Normative Anpassungen im Bereich Datenschutz, Antikorruption und Arbeitssicherheit

Notgedrungen große Aufmerksamkeit aufgrund der vielen gesetzlichen Auflagen wurde im Jahr 2017 auch den Themen Datenschutz, Transparenz und Antikorruption und Arbeitssicherheit gewidmet. Der jährliche „Tag der Transparenz“ mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem gesamten Betrieb wurde abgehalten. Auch der Dreijahresplan zur Korruptionsprävention und Transparenz wurde aktualisiert. Pflichtfortbildungen in allen drei Bereichen wurden vom Betrieb organisiert.

Zu den Bilanzdaten

Generell kann gesagt werden, dass auch im dritten Jahr unter der Führung von Generaldirektor Thomas Schael ein positives Geschäftsergebnis in der Höhe von 12,7 Mio. Euro erreicht werden konnte. Dieses Ergebnis ist eine solide Grundlage für die Entwicklung der nächsten Jahre. Dies auch dank der gemeinsamen Anstrengungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den in den letzten Jahren eingeschlagenen Weg konsequent mitgetragen haben. Festgestellt darf im Jahr 3 der Führung unter Thomas Schael auch werden, dass der Betrieb weiterhin über eine ausreichende Finanzierung von Seiten des Landes Südtirol verfügt, welches für die Zuweisung von rund 1,168 Mio. Euro an Geldmitteln für die laufende Gebarung und rund 49 Mio. Euro für Investitionen gesorgt hat.

Grundsätzlich wurde auch im Jahr 2017 auf einen effizienten Ressourcen- und Mitteleinsatz geachtet, ohne die Betreuung der Bevölkerung zu kompromittieren. Ein Beispiel für viele: Die Kostensteigerung im Medikamentensektor betrug rund 3,8%, was gemessen am nationalen Durchschnitt (5-7%) zwar wenig ist. Durch die Stärkung der direkten Verteilung und/oder Verteilung über die Apotheken („auf Rechnung und im Namen“), waren aber für die Patienten keine Einbußen spürbar. Steigerungen zu verzeichnen sind auch beim Einkauf von sanitären Gütern (ein Plus von rund 4% bzw. 6,15 Mio.); auch wurden rund 10 Mio. Euro mehr für neues fachärztliches und pflegerisch-technisches Personal ausgegeben.

Weitere Aufgaben, die der Sanitätsbetrieb im vergangen Jahr zu „schultern“ hatte, waren die Umsetzung der Vorgaben zum neuen Impfgesetz Nr. 119/2017 – mit Informationsabenden, Ausarbeitung von Material für Eltern und Angestellte, mit der Neuanstellung von Fachpersonal für die Durchführung von nunmehr 10 Pflichtimpfungen -, die Inbetriebnahme der Landesnotrufzentrale 112 – mit der Übernahme des Rot-Kreuz-Personals – sowie die Errichtung einer landesweiten Vormerkzentrale zu Präventionszwecken. Auch die Kosten für die umfassendere Betreuung in den Alten- und Pflegeheimen stiegen (um rund 11%/ein Plus von 4,5 Mio. Euro). Neue Kollektivverträge für das gesamte bedienstete Personal und für die Hausärzte, schlugen mit rund 8 Mio. Euro zu Buche (Hausarztvertrag 1,6 Mio. mehr als im vergangenen Jahr). Insgesamt kann man sagen, dass die Personalkosten um rund 20 Mio. Euro gestiegen sind, wobei der Sanitätsbetrieb mit rund 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer der größten Arbeitgeber des Landes ist.

 

Von: luk

Bezirk: Bozen

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