Studienreise in Helsinki

Smart Mobility: Lernen von Helsinkis Pionieren

Donnerstag, 11. April 2019 | 19:43 Uhr

Bozen/Helsinki – Was hat uns Helsinki in Sachen intelligente Mobilität voraus, wie funktioniert das Konzept „Mobilität als Dienstleistung“, und was können wir von den Finnen lernen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt einer Studienreise, zu der IDM Südtirol diese Woche Vertreter wichtiger Organisationen wie HGV, LTS, STA, Handelskammer Bozen oder Universität Bozen in die finnische Hauptstadt geladen hat. Gemeinsam erkundet man dort, welche Überlegungen die Finnen zum Thema Mobilität anstellen und testet die interessantesten Initiativen gleich vor Ort. Ziel der von IDM organisierten Reise ist es, sich von den Mobilitätspionieren im Norden inspirieren zu lassen und interessante Ideen und Erkenntnisse für die Diskussion zum Thema Mobilität in Südtirol mit nach Hause zu bringen.

Helsinki ist bei der „intelligenten Mobilität“ schon sehr weit voraus – im weltweiten Ranking der Smart-Mobility-Städte rangiert die Stadt hinter London auf Platz zwei. Die finnische Hauptstadt arbeitet an einem Plan, bei dem Mobilität als Dienstleistung („MaaS – Mobility as a Service“) eine wichtige Rolle innehat und Treiber der Entwicklung ist. Für Bürgerinnen und Bürger der Stadt solle es bald nicht mehr nötig sein, ein eigenes Auto zu besitzen, weil es bei weitem vorteilhafter sei, öffentliche Verkehrsmittel in Kombination mit zusätzlichen Angeboten zu nützen, wie Sami Sahala von Forum Virium den Teilnehmern der Studienreise erklärte. Diese „Innovationseinheit“ der Stadt Helsinki ist Vordenker für innovative Themen wie Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge – oder eben intelligente Mobilität. Die ganze Stadt dient dabei als Testregion für verschiedenste Projekte in der Mobilität – vom autonomen Fahren über Busse auf Abruf bis zum Einsatz von E-Fahrzeugen und E-Bikes. „Das Thema Mobilität ist natürlich auch in Südtirol enorm wichtig – für die gesamte Bevölkerung, aber speziell für die Wirtschaft und vor allem für den Tourismus. IDM bemüht sich als Impulsgeber für die nachhaltige und wirtschaftliche Entwicklung Südtirols, Ideen zu diesem Thema zu sammeln und neue Projekte zu initiieren. Das geht nur, wenn alle Player miteinander vernetzt sind und an einem Strang ziehen. Deshalb war es uns wichtig, mit Entscheidungsträgern gemeinsam nach Helsinki zu fahren, um dort vor Ort innovative Projekte zu begutachten, die auch in Südtirol funktionieren könnten“, sagt IDM-Präsident Hansi Pichler.

Eines dieser innovativen Projekte ist „MaaS“ – das Konzept diverser privater Mobilitätsdienste, die vor Kurzem in Finnland gegründet wurden, wie MaaS Global mit seiner App „WHIM“. Sie alle haben sich die Frage gestellt: Was muss ein Service bieten, damit der Nutzer auf das eigene Auto verzichtet und auf andere Verkehrsmittel umsteigt? Die Lösung: Mit der App bekommt der User in Echtzeit Infos darüber, welches Verkehrsmittel er für seine Wegstrecke am besten verwendet – egal ob Taxi, Mietwagen, Leihrad oder Bus oder eine Kombination von allem. Und er kann mit einem Klick auch sofort und unkompliziert bezahlen. Die Voraussetzungen für diesen Service schaffte 2018 ein neues Gesetz, das solche Dienste unterstützt, den Markteintritt für Mobilitätsanbieter stark erleichtert und die Mobilitätsanbieter dazu verpflichtet, ihre Daten offenzulegen. Für Joachim Dejaco, Generaldirektor der STA, der bei der Reise mit dabei war, ist MaaS auch das Zukunftsmodell für Südtirol: „Wir sind in Südtirol schon sehr gut aufgestellt mit guten Zug-, und Bus-Verbindungen, das ist die Grundvoraussetzung für MaaS. In den letzten Jahren ist viel in den Ausbau der Mobilitätsinfrastruktur investiert worden, nun steht die Phase der Digitalisierung an. MaaS wird in wenigen Jahren auch in Südtirol Einzug halten.  Hier werden viele verschiedene Mobilitätsformen integriert, was auch bei uns wichtig ist, denken wir nur an Seilbahnen oder Bike-Sharing-Dienste, aber auch an die Parkplatzsysteme, die hier mitaufgenommen werden könnten.“

Mobilität sei gerade für eine Tourismusdestination wie Südtirol eine wesentliche Herausforderung, meint HGV-Präsident Manfred Pinzger, auch er Teilnehmer der Studienreise; schließlich würden derzeit etwa 89 Prozent der Gäste mit dem Auto kommen und nur 5 Prozent mit Bus oder Bahn – ein Prozentsatz, den es zu vergrößern gelte. „Die Voraussetzungen in Südtirol sind bereits gut, aber wir müssen uns gemeinsam anstrengen, um unser Land besser erreichbar zu machen und die Mobilität der Gäste, die sich ja auch hier bewegen wollen, gut und nachhaltig zu gestalten“, so Pinzger. Ein Thema sei dabei auch die sogenannte „letzte Meile“ für Urlauber, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen und dann vom Bahnhof oder Flughafen zum Hotel kommen müssen: „Hier werden bereits gemeinsam entsprechende Konzepte ausgearbeitet.“ Die finnischen Modelle, die er bei der Reise präsentiert bekomme, würden für den Großraum Helsinki mit seinem Einzugsraum von 1,3 Millionen Menschen sehr gut funktionieren. Man müsse nun prüfen, was davon auch in Südtirol umgesetzt werden könne.

 

Von: bba

Bezirk: Bozen

Kommentare

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2 Kommentare auf "Smart Mobility: Lernen von Helsinkis Pionieren"


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Tratscher
12 Tage 21 h

was hat uns Helsinki in sachen E-Mobilität voraus? das Land ist nicht Einkommen’s Gier gesteuer wie Südtirol die unbedingt die Wasserstoff betriebenen Autos weiterbringen wollte und eben nicht die Umwelt wie in Helsinki an vorderster Front steht

One
One
Tratscher
12 Tage 14 h

Die Finnen und auch die Norweger, sind der EU um Lichtjahre voraus. Da klappt die Wirtschaft und das Zusammenleben noch. Die Menschen dort respektieren die Tiere, Natur und sich gegenseitig. Da wird auch wegen einem Wolf mehr oder weniger kein Drama gemacht.

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