WIFO-Wirtschaftsbarometer Frühjahr 2021

Tourismussektor von der zweiten Corona-Welle überrollt

Mittwoch, 07. April 2021 | 09:42 Uhr

Bozen – Die Hoffnungen der Unternehmer des Gastgewerbes auf eine Erholung wurden durch die ungünstige Entwicklung der Pandemie zunichte gemacht. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen bewerten die Ertragslage des vergangenen Jahres als schlecht und ebenso viele erwarten auch für 2021 ein unbefriedigendes Betriebsergebnis. Der Ausfall der Wintersaison wirkt sich negativ auf die Beschäftigung und die Investitionen aus. Dies ergibt sich aus dem Wirtschaftsbarometer des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen.

Die zweite Pandemiewelle im Herbst und die Ausbreitung der neuen Virus-Varianten führten zur kompletten Absage der Wintersaison 2020/2021 und verursachten erneut schwere Verluste für die Unternehmen des Gastgewerbes. Zwischen November 2020 und Januar 2021 sanken die Nächtigungen um 94 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum der vorherigen Wintersaison 2019-20. Dies sind rund 5,4 Millionen Übernachtungen weniger. Betrachtet man das gesamte Jahr 2020, so verzeichnen die Beherbergungsbetriebe einen Rückgang um fast zwölf Millionen Nächtigungen bzw. 35,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders dramatisch ist die Abnahme der ausländischen Gäste, deren Übernachtungen sich fast halbiert haben.

Fast alle Unternehmer im Gastgewerbe berichten von einem Rückgang des Geschäftsvolumens im Jahr 2020. Zu Jahresende hat sich die Situation noch einmal verschlechtert: Die Unternehmen melden einen durchschnittlichen Umsatzverlust im Vergleich zu den Vorjahresmonaten von 59 Prozent im November und von 78 Prozent im Dezember. Die Aussichten für 2021 sind nicht besser. Aufgrund der ungünstigen Entwicklung der Pandemie und der Ausbreitung neuer Coronavirus-Varianten erwarten heuer mehr als sieben von zehn Unternehmen weitere Umsatzrückgänge. Darüber hinaus geht die Mehrheit der Unternehmen von einer Abnahme der Investitionen aus und viele rechnen mit einer weiteren Verschlechterung der Rahmenbedingungen, insbesondere in Bezug auf Kosten, betriebliche Wettbewerbsfähigkeit und Zugang zu Krediten.

Was die Rentabilität betrifft, so entsprechen die Erwartungen für das Jahr 2021 weitgehend der Lage im vergangenen Jahr. Mehr als zwei Drittel der Unternehmen gehen auch heuer von einem unbefriedigenden Betriebsergebnis aus. Besonders schlecht ist das Geschäftsklima in den tourismusintensiven Bezirken Salten-Schlern, Pustertal und Eisacktal.

Der Ausfall der Wintersaison hat auch gravierende Auswirkungen auf die Beschäftigung, insbesondere bei den Saisonarbeiterinnen und Saisonarbeitern. Zwischen November 2020 und Februar 2021 waren im Südtiroler Tourismus durchschnittlich nur etwa 13.700 unselbständig Beschäftigte tätig, was einer Halbierung im Vergleich zum gleichen Zeitraum der vorherigen Wintersaison entspricht. Für 2021 erwarten die Unternehmen einen weiteren Rückgang der Beschäftigung.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, kommentiert diese dramatischen Zahlen: „Der Tourismus ist seit Jahrzehnten ein für Südtirol wichtiger Entwicklungs- und Wohlstandsmotor und sorgt gerade im ländlichen Raum für Beschäftigung und Einkommen. Angesichts dieser schweren Krise ist es jetzt dringend notwendig, den gesamten Tourismussektor finanziell massiv zu unterstützen.“

Nachfolgend die Stellungnahme des Vertreters des Wirtschaftsverbandes:

Manfred Pinzger, Präsident des Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV)

„Die Ergebnisse des Wirtschaftsbarometers sind deutlich genug. Die Gastwirtinnen und Gastwirte und ihre Mitarbeiter sind sehr verunsichert und sehen kaum Perspektiven. Die Politik muss darauf reagieren, etwa mit konkreten, klaren und umsetzbaren Öffnungskonzepten im Tourismus, wie sie Eurac Research, IDM und HGV ausgearbeitet haben.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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9 Kommentare auf "Tourismussektor von der zweiten Corona-Welle überrollt"


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Privatmeinung
Privatmeinung
Tratscher
16 Tage 3 h

Das Fass zum Überlaufen brachten die Superentscheidungen der Politik, nicht die Welle.

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
16 Tage 2 h

Hallo nach Südtirol,

letztes Jahr ist Südtirol mit dem vielgeschmähten Sonderweg ausgezeichnet gefahren.

Die “Einmeterregel sonst Maske,immer und überall” war genial einfach, einmalig in Europa und hat eine unbeschwerte und noch halbwegs gerettete Tourismussaison gebracht, Gelder die noch in Südtirols Handel und Handwerk kursieren.
Man hat den Leute nur diese einfache kleine Regel an die Hand gegeben, der Rest war Eigenverantwortung.Und es hat funktioniert! 

Kein bergtouristischer Betrieb musste auch nur einen einzigen Tag als Infektionsherd schliessen, in ganz Südtirol nicht.Trotz Hüttenlager, trotz lustiger Tischrunden.

Der gesunde Menschenverstand würde eine Wiederholung gebieten.

Auf Wiedersehen in Südtirol

Offline
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Universalgelehrter
15 Tage 23 h

Da waren ja auch die disziplinierten Urlauber aus Italien und ein paar Ausländer im heiligen Ländle und haben die Einheimischen durch ihr vorbildliches Verhalten zur Einhaltung der AHA-L Regeln animiert.

Neumi
Neumi
Kinig
15 Tage 6 h

“Einmeterregel sonst Maske,immer und überall” … die gab’s nicht. Es gab Abstand UND Maske.
Es war immer beides notwendig.
Den einen Meter finde ich persönlich grundsätzlich zu gering, überall sonst gelten anderthalb Meter oder mancherorts sogar drei. Aber das ist nur eine persönliche Meinung.

Und ja, kleine Regeln würden eigentlich ausreichen, wenn sich alle daran halten würden (die Regeln zu befolgen ist einfacher, als sich zu merken, wofür AHA steht).

monia
monia
Tratscher
16 Tage 1 h

Es fehlen Milliarden (!!!) an Euros im Südtiroler Tourismus und früher oder später werden dies auch jene zu spüren bekommen welche bis heute immer ihren Lohn pünktlich erhalten haben!

PuggaNagga
15 Tage 21 h

Bei der Lobby und deren Marionetten nicht. Alle anderen werden irgendwann büßen müssen.

Zugspitze947
15 Tage 21 h

monia=so werden wenigstens mal die SCHWARZGELDKONTEN geräumt ! Höchste Zeit dass das geld wieder in Umlauf kommt 🙂

ferri-club
ferri-club
Tratscher
16 Tage 4 h

da sich die ausfalls beiträge so in rahmen halten (wer nicht ärmer als ne kirchenmaus ist bekommt nichts) hoffen wir dass genug geld angespart worden ist für die handwerker und alle die auch ohne es wahr haben zu wollen vom Tourismus leben, den in Urlaub wird sehr wohl gefahren werden sobald wie möglich aber ob alle sofort gewillt sein werden groß zu investieren wage ich zu bezweifeln, zumal die aufgestauten zinsen und steuern irgendwann zu begleichen sind da bleibt für neuinvestitionen wenig übrig, die vom erlebten dazukommende vorsicht wird den rest dazu beitragen. die wirkliche finanzielle krise kommt erst.

Faktenchecker
15 Tage 21 h

Das gesundschrumpfen tut dem Verbraucher gut. Nur Qualität wird sich durchsetzen.

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