Netzwerktagung „Suizidprävention“

Traurige Bilanz: Täglich ein bis drei Suizidversuche

Donnerstag, 10. Mai 2018 | 16:21 Uhr

Bozen – In Südtirol nimmt sich statistisch betrachtet jede Woche eine Person das Leben, täglich finden ein bis drei Suizidversuche statt. Um dieser traurigen Bilanz entgegenzuwirken, wurde vor einem Jahr ein südtirolweites Netzwerk zur Suizidprävention ins Leben gerufen. Dieses lud am heutigen Donnerstagvormittag zu einer Netzwerktagung ins Bozner Pastoralzentrum ein. Ziel war und ist es, über verschiedene notwendige Maßnahmen und Angebote zu diskutieren, die noch fehlen oder weiter ausgebaut werden sollten, um die seelische Gesundheit in Südtirol spürbar zu fördern.

„Wir haben im vergangenen Jahr im Rahmen verschiedener Caritas Dienste das Thema ,Suizid‘ in den Mittelpunkt gestellt und dabei viel Resonanz erfahren. Gleichzeitig haben dann auch andere die Initiative ergriffen und das Tabu-Thema öffentlich bearbeitet. Daraus ist die Idee entstanden, gemeinsam ein Netzwerk zur Suizidprävention zu bilden“, sagt Guido Osthoff, Bereichsleiter der Caritas und Koordinator des Netzwerkes. „Nach mehreren Austauschtreffen ist schließlich die Idee für diese Tagung entstanden.“

„Im Vorfeld der Tagung wurde bereits einiges an Vorarbeit geleistet: So wurden zuerst die verschiedenen, bereits existierenden Maßnahmen und Dienste für gefährdete Menschen gesammelt. Darüber hinaus wurde eine Umfrage unter den Netzwerkpartnern, aber auch anderen an dem Thema interessierten Institutionen und Organisationen durchgeführt“, ergänzt die zweite Moderatorin der Tagung Sabine Cagol von der EAAD – EOS Genossenschaft und Leiterin der Fachambulanz für psychosoziale Gesundheit im Kindes- und Jugendalter in Bruneck. Die Ergebnisse dieser beiden Vorarbeiten stellte das Netzwerk nun im Rahmen der Tagung vor: Demnach  sehen viele der über 380 Umfrageteilnehmer in Südtirol noch Nachholbedarf in Bezug darauf, betroffene oder gefährdete Menschen besser zu schützen und die bestehenden Dienste noch sichtbarer zu machen. Im Bereich der Prävention werden vor allem mehr Krisen- und Lebenskompetenz bei den Jugendlichen angemahnt sowie die gezielte Schulung von besonderen Berufsgruppen wie Hausärzten, Apothekern,  Lehrern oder Ordnungskräften, also die Vermittlung von „seelischen Erste-Hilfe“-Kenntnissen.

Roger Pycha, Primar des psychiatrischen Dienstes am Krankenhaus Bruneck, wertete die Ergebnisse aus. „Es ist bezeichnend, dass nur 10 Prozent der Umfrageteilnehmer die aktuelle Suizidprävention in Südtirol für ausreichend halten. Vor allem Menschen mit psychischen Erkrankungen, aber auch Personen, die in Einsamkeit leben oder einen familiären Verlust erlitten haben, werden zurecht von bis zu zwei Dritteln der Mitmachenden als besonders gefährdet eingestuft. In den Schulen wird zwar bereits viel Sensibilisierungs- und Präventionsarbeit geleistet und konstant weiterentwickelt. Allerdings müssen wir zweifellos dringend verschiedene lebensrettende Interventionen in der allgemeinen Bevölkerung  verankern, die in psychischen Notfällen ähnlich wie bei körperlicher Erste-Hilfe angewandt werden sollten“, sagt Roger Pycha.

Bei der Tagung wurde die Notwendigkeit von verstärkten Anstrengungen in Südtirol deutlich. Die  zahlreichen Tagungsteilnehmer setzten sich im Anschluss  in Gruppenarbeiten mit verschiedenen Themen rund um den „Suizid“ auseinander, immer mit dem Ziel, konkreten Handlungsbedarf und neue Ansätze für die Prävention von Suizid zu erarbeiten. „Wir sind sehr zufrieden mit den Tagungsergebnissen. Nach der Tagung  und der Entstehung des Netzwerks wird es nun wichtig sein, an einem von allen mitgetragenen Konzept zu arbeiten, das Maßnahmen in der Prävention und Behandlung vorsieht, die bekannt und zugänglich sind. Von den politisch Verantwortlichen erwarte ich mir die dafür notwendige inhaltliche und finanzielle Unterstützung“, ergänzt Peter Koler, Direktor des Forum Prävention und Teil des Netzwerks Suizidprävention.

„Unser Ziel ist es daher nun, das Netzwerk weiter zu entwickeln und konkrete Schritte für mehr Suizidprävention in die Wege zu leiten. Denn jeder Suizidtote bzw. Suizidgefährdete ist einer zuviel. Die Arbeit unseres Netzwerks hat daher erst begonnen“, schließen Sabine Cagol und Guido Osthoff das Tagungsprogramm ab.

Das Netzwerk Suizidprävention setzt sich derzeit aus mehr als 20 verschiedenen gemeinnützigen Organisationen und öffentlichen Einrichtungen zusammen. Koordiniert wird das Netzwerk von der  Caritas, der EAAD-EOS Genossenschaft, dem Forum Prävention, Telefono Amico und von Vertretern der psychiatrischen und psychologischen Dienste, der Notfallseelsorge sowie der Deutschen Bildungsdirektion der Autonomen Provinz Bozen.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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19 Kommentare auf "Traurige Bilanz: Täglich ein bis drei Suizidversuche"


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giftzwerg
giftzwerg
Superredner
11 Tage 22 h

bevor psychofarmaka verschrieben wird ,sollte eimal der beilag zettel ordentlich durchgelesen werden.
ob sie es wollen oder nicht ,suizid kommt in viele psychomedikamente als nebenwirkung schwarz auf weiss vor.

ob da nicht manchmal zu großzügig verschrieben wird, und es manchmal nicht noch andere möglichkeiten geben würde?

psychogift macht süchtig,ob das nicht  eine legalisierte droge ist?

benignus08
benignus08
Neuling
11 Tage 20 h

Du hast keine Ahnung von der Materie, also lass es lieber sein.
Wenn jemand schon von “Psychogift” spricht…
Genau solche Leute sind das Problem, mit Halbwissen zur Stigmatisierung beitragen.

typisch
typisch
Universalgelehrter
11 Tage 20 h

das wort HEILUNG und gesunde menschen hört die pharmaindustrie nicht gerne

Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
11 Tage 20 h

was würdest Du dann diesen kranken Menschen geben wenn es nicht aus zu halten ist?????.Das ist diese Krankheit nämlich ohne Psychopharm. kaum.

xyz
xyz
Tratscher
11 Tage 18 h

Habe während einer Depression selbst für kurze Zeit Medikamente genommen….paralell zu Psychologin, Psychater, Sport usw. War froh, dass es das gab….
Man sollte nicht zu schnell über Medikamente urteilen….und von Psychatern verschrieben…parallel mit anderer Hilfe finde ich es nicht schlimm. Gefährlich ist es ehr wenn man sie unbegleitet einnimmt… Übrigens die Antibabypille kann Depressionen zur Folge haben….deswegn

efeu
efeu
Tratscher
11 Tage 16 h

giftzwerg
bitte lass diese Kommentare wenn man keine Ahnung hat

Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
11 Tage 9 h

@xyz Die Pille Wird seit Jahrzehnten als Verhütung von vielen Frauen genommen…Und ist sicher nicht für Depressionen verantwortlich.Fakt ist dass Umwelteinflüsse,Stress ,familiäre Vorbelastung der Umgang miteinander der wahre Grund Sind.Da hilft auch nichts scheinheilig Jeden zu grüssen wenn sonst Neid ,üble Nachrede,Mobbing,Diskriminierung hinter dem Rücken vorherrschen.Ausserdem zeigt die Ungerechtigkeit der Gesellschaft Wer krank und lebensmüde Wird.

Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
11 Tage 9 h

@xyz eine depressive Phase oder eine l e b e ns l a n g e Psychische Erkrankung Sind zu unterscheiden.

Eppendorf
Eppendorf
Superredner
11 Tage 4 h

@Sag mal
Du kannst weder ausschließen, dass die Antibabypille keine Depressionen verursacht, noch kann man einigermaßen seriös einen “wahren Grund” nennen.
Der Gesellschaft die Schuld zu geben ist auch falsch, da es auch Leute trifft, welche sonst mit ihrem Leben zufrieden sind.

Vererbung ist ein wichtiger Faktor, ist auch die erste Frage eines Psychiaters, ob es Krankheitsfälle in der Familie gibt.
 

 

Miny
Miny
Neuling
11 Tage 20 h

Das ist eine seeeehr traurige Tatsache. Aber ganz ehrlich, wie schaut es in unsrer Gesellschaft für Personen mit Problemen aus? Wie schaut es oft in den Familien aus? Wo ist noch Platz für Personen mit Problemen? Kann sein dass der Gesellschaftsdruck und die Erwartungen an den einzelnen einfach oft zu hoch sind. Leider ist der Grossteil der Gesellschaft hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt. Wo bleibt da Platz für Probleme anderer? Oft würde ein ehrliches lächeln oder ein freundliches Wort u fünf Minuten Zeit schon helfen. Eigentlich ein Armutszeugnis das die ganze Gesellschaft betrifft u ein jeden einzelnen von uns.

Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
11 Tage 9 h

haben SIE Ihre Einsicht schon umgesetzt????

iwoasolls
iwoasolls
Tratscher
11 Tage 21 h

traurige gschichte ,wenns so weit kemmen muas!

Woscht
Woscht
Neuling
11 Tage 18 h

Psychische Krankheiten sind immer noch in der Öffentlichkeit viel zu wenig bekannt,die Leute akzeptieren die Krankheiten nicht. Mann spricht hinter vorgehaltener Hand, man sollte in der heutigen Zeit Menschen nicht mehr an den Rand stellen, es ist aber leider immer noch so,die Leute sollten viel mehr Informationen über psychische Erkrankungen bekommen !!!

klinge83
klinge83
Neuling
11 Tage 16 h

Olter huat. Vor a poor johr wor südtirol schun europäischer spitznreiter bei di suizide. so spieglt sich insre gesellschoft wider …leider. Obo ändern tuat sich nix an der druckgesellschoft!

Mamme
Mamme
Superredner
11 Tage 5 h

da ist auch die Politik gefördert,die Südtiroler sind überall die fleißigsten bei der Arbeit und werden deshalb gestraft mit noch mehr Steuern ,Abgaben,Auflagen,Verboten uvm.beim Lohn hat sich aber Jahrzehnte nichts zu ihren Gunsten geändert,dass dann durch diese Auswegslosigkeit viele in die Depressionen verfallen ist leicht zu verstehen.Es sind immer noch mehr Männer als Frauen,die Selbstmord begehen,denn nur schuften und am Ende des Monats kein Licht am Ende des Tunnels macht viele verzweifelt.Das im reichen Land der Verbote,Strafen,Auflagen,Hochpürokratismus,höchstbezahlten Politiker,vorausbezahlten Rentenpolitiker und meisten Mindestrentner

Fantozzi
Fantozzi
Tratscher
11 Tage 8 h

des isch echt a traurige soch – mir iberoll die besten bol – und genau de iberoll besser sein und vergleichen miasen heben viele net – schaug a x wos in china passiert sem a der druck, und bei ins isch echt hosch nix bisch nix

Blaba
Blaba
Grünschnabel
11 Tage 10 h

Endlich tut sich etwas zu dem Thema. War schon lange überfällig. Bis vor kurzem gab es noch nicht mal Selbsthilfegruppen für Angehörige, wobei es die sonst für alies gibt… auch ein Zeichen, dafür, dass Suizid lange ein Tabu war. Bin ganz der Meinung von @Miny. Ein bisschen weniger Leistungsdenken und ein bisschen mehr an ehrlichem Interesse am Mitmenschen täte der Gesellschaft gut.

OrB
OrB
Universalgelehrter
11 Tage 5 h

Gruppenzwang, Stress usw. sind häufig Gründe für solche Verzweiflungstaten.
Südtirol muss lockerer werden!

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
11 Tage 6 h

Wir sind eine Gesellschaft die sehr Materialistisch ist und immer mehr will! Hauptsache MIR geht es gut, was mit den ANDEREN ist, ist mir egal! Ich brauche Zeit für mich, ob für die Kinder keine Zeit mehr da ist egal, ich muss dies und jenes, ob für die Beziehung keine Zeit mehr da ist egal. Ich muss der beste sein, ein schönes Auto haben, ein Hund haben (weils alle haben), tausend virtuelle Freunde auf fb, Millionen likes auf fb, ob da noch Zeit für meine Seele bleibt, für mein Mensch-sein bleibt, egal, Hauptsache gross, grösser, am grössten!

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