Superkraft Service“: Der hds Abend für die Wirtschaft 2025

„Unser Bild zurechtrücken“

Freitag, 29. August 2025 | 08:28 Uhr

Von: mk

Bozen – Jährlich lädt der Wirtschaftsverband hds Ende August zu seinem Event für die Südtiroler Wirtschaft. Heuer fand der „hds Abend für die Wirtschaft“ am Donnerstagabend auf Schloss Maretsch in Bozen statt. Die Zusammenkunft der Unternehmerinnen und Unternehmer im Handel, in der Gastronomie und in der Dienstleistung stand unter dem Motto „Superkraft Service – Kunden verstehen, gewinnen und begeistern“.

In seinem Eröffnungsstatement richtete hds-Präsident Philipp Moser seine Botschaften an die über 300 anwesenden Wirtschaftstreibenden und politischen Entscheidungsträger. Unter dem Motto „Das Bild zurechtrücken“ gehörten 4 Themen zu seinen Schwerpunkten:

„Gar einige Bilder, die von Handel, Gastronomie und Dienstleistungen gezeichnet werden, sind oft schief und verzerrt. Es tut weh, wenn Menschen mit Leidenschaft ihren Betrieb führen – und dann in den Schlagzeilen nur von „Geschäftesterben“ oder „Wucherpreisen“ zu lesen ist. Es tut weh, wenn Verkäuferinnen und Verkäufer, die täglich mit einem Lächeln Kunden betreuen, als Billiglohnkräfte abgestempelt werden. Es tut weh, wenn fantastische Dienstleister in Südtirol einfach übersehen werden – weil irgendjemand glaubt, dass sie in Mailand oder in Berlin etwas Besseres finden“, betonte Moser.

Zum Geschäftesterben

In den Jahren 2014 – 2024 hat sich – laut Wifo der Handelskammer Bozen – die Anzahl an Handelsbetriebe in Südtirol von 4712 auf 4580 reduziert. Das sind 132 Betriebe in zehn Jahren für ganz Südtirol weniger, knapp 3 Prozent. Aber – im selben Zeitraum ist die Verkaufsfläche um etwa 11 Prozent gewachsen. Und – die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einzelhandel ist um über 23 Prozent gestiegen. „Handel ist Wandel, Handel ist lebendig – und unsere vielen Familienbetriebe sind und bleiben das Herzstück des Handels in Südtirol“, so der hds-Präsident.

Zum Verkäuferberuf

Dank der neuen Kollektivverträge auf staatlicher und Landesebene gab es letzthin klare Lohnanpassungen. Im Handel verdient aktuell ein Mitarbeiter in der vierten Kategorie mindestens 1.540 Euro netto – 14-(nicht 13) mal im Jahr. Und im Laufe der nächsten zwei Jahre steigt dieses Gehalt netto um nochmal 100 Euro an, das ist vertraglich bereits alles unterzeichnet. „Diese Menschen sind nicht ‚nur‘ Verkäuferinnen oder Verkäufer. Sie sind zentrale Säulen unserer Unternehmen und auch unserer Gesellschaft, die jede Wertschätzung mehr als verdienen!“, so Moser.

Zur Gastronomie

„Der Kaffee ist schon wieder um zehn Cent gestiegen!“, heißt es oft. Aber was steckt dahinter? Es sind die gestiegenen Rohstoffpreise, die höheren Löhne, die enormen Energiekosten. Und trotzdem: Unsere Gastronomie ist kein Luxus – sie ist Lebensqualität. Und natürlich hat die ihren Preis. „Unsere Wirte, unsere Barkeeper, unsere Gastronomen sind nicht die Schuldigen. Sie sind die Stillen Helden des Alltags, die uns Momente der Freude, des Genusses, der Begegnung schenken – und alles unternehmen, um ihre Betriebe trotz steigender allgemeiner Kosten weiterführen zu können. Und dafür verdienen sie nicht Kritik – sondern Applaus“, erklärte Moser.

Zu den Dienstleistern

Viel zu oft werden Budgets und Aufträge nach außen vergeben – etwa nach Mailand, Berlin oder Wien. „Weil dort angeblich alles besser sei. Moderner. Schneller. Innovativer. Das ist ein Trugschluss! Unsere Südtiroler Agenturen, Entwickler, Designer, Strategen, Kommunikationsfachleute sind nicht nur hochqualifiziert, sie sind auch näher dran. Sie kennen unsere Kultur, unsere Menschen, unsere Märkte“, unterstrich der hds-Präsident.

Gesprächsrunde zum Standort Südtirol

Es folgten die Begrüßung durch hds-Vizepräsident und den Präsidenten des Südtiroler Wirtschaftsrings SWR, Sandro Pellegrini, sowie von Landeshauptmann Arno Kompatscher. Anschließend stand eine Gesprächsrunde mit den zuständigen Landesräten, Marco Galateo und Luis Walcher sowie dem Präsidenten und der Direktorin des hds, Sabine Mayr, auf dem Programm – mit einer Reihe aktueller Themen, die den Wirtschaftsverband bewegen und die Verbandstätigkeit begleiten. Dabei ging es in erster Linie um Sicherheit in den Städten, leistbares Wohnen, wirtschaftliche Rahmenbedingungen, den Tourismus – und über die Frage, wie Südtirol weiterhin ein attraktiver Standort für Betriebe und Menschen bleiben kann.

Das Menschliche macht den Unterschied

Schwerpunkt der Veranstaltung war das Gastreferat von Maria Theresa Schinnerl, Expertin für Kunden-Service-Qualität. „Die vergangenen Jahre haben das Verhalten von Kundinnen und Kunden deutlich verändert – nicht zuletzt durch die Digitalisierung und unsere wachsende Bequemlichkeit. Service beginnt im Kleinen. Es geht nicht um große Gesten oder spektakuläre Erlebnisse – sondern um jene feinen Momente, in denen sich jemand wirklich kümmert. Das ist heute mehr wert denn je. Denn in einer zunehmend automatisierten Welt macht das Menschliche den Unterschied“, meint Schinnerl.

Der Wirtschaftsverband hds

Über 5500 Mitgliedsbetriebe vertrauen dem hds. Heute deckt der Verband alle innerhalb einer Stadt oder Dorfes tätigen Wirtschaftssektoren ab: alle Formen des Handels (Einzelhandel, Großhandel, lokaler Onlinehandel, Wanderhandel), alle Formen der Gastronomie (Bars, Pubs, Restaurants, Gasthäuser, Pizzerien) und alle Dienstleistungen an der Person und an Unternehmen. 28 Fachgruppen und Fachverbände sind aktuell im Wirtschaftsverband organisiert. Über 500 Unternehmerinnen und Unternehmer engagieren sich ehrenamtlich im hds.

Bezirk: Bozen

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