Von: APA/dpa-AFX/Reuters
Am US-Arbeitsmarkt sind im Mai trotz der Unsicherheit durch den Iran-Krieg doppelt so viele Jobs entstanden wie erwartet. Unterm Strich wurden 172.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen, wie aus dem am Freitag vorgelegten Bericht der Regierung hervorgeht. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Anstieg um 85.000 erwartet.
Zudem wurde die Zahl der neuen Arbeitsplätze für März und April insgesamt um fast 100.000 nach oben revidiert. Die Arbeitslosenquote verharrte den dritten Monat in Folge bei 4,3 Prozent. “Der solide Beschäftigungszuwachs passt zur Wirtschaft, die trotz des Iran-Kriegs dynamisch wächst”, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank in einer ersten Reaktion.
Löhne wie erwartet um 0,3 Prozent gestiegen
Die Löhne sind im Mai wie erwartet gestiegen. Gegenüber dem Vormonat legten sie um 0,3 Prozent zu, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Volkswirte hatten dies im Schnitt erwartet. Im Vormonat hatte das Lohnplus bei 0,2 Prozent gelegen. Im Jahresvergleich stiegen die Löhne im Mai um 3,4 Prozent. Auch dies war so erwartet worden.
Ökonomen zufolge dürfte der seit dem 28. Februar währende Krieg der USA und von Israel gegen den Iran viele Unternehmen verunsichern, was bisher aber noch nicht groß auf den Arbeitsmarkt ausgestrahlt hat. Sie sehen ihn derzeit in einer Phase, die als “Slow Hire, Slow Fire” bezeichnet wird.
Analysten: Inflation für die Fed derzeit wichtiger als Arbeitsmarkt
Von den Arbeitsmarktdaten hatten Marktteilnehmer auch Hinweise auf die kommende Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed erhofft. Die Fed, die Vollbeschäftigung fördern und Preisstabilität sichern soll, hat den Leitzins zuletzt in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent konstant gehalten. Angesichts der Folgen des Iran-Kriegs auf die Wirtschaft und insbesondere auf die Energiepreise gilt eine baldige Zinssenkung als sehr unwahrscheinlich.
“Der Arbeitsmarkt ist derzeit kein Problem für die US-Notenbank”, erwartet Alexander Krüger von Hauck Aufhäuser Lampe. Die Fed dürfte ihren Fokus eher weiter auf die gestiegene Inflation richten, so der Analyst weiter. Damit seien Zinserhöhungen ein Thema, nicht Zinssenkungen. “Für eine Zinserhöhung ist aber ein dickes Brett zu bohren – Stand jetzt dürfte sich hierfür so bald nur schwer eine Mehrheit finden”, so Krüger.
Ähnlich sieht dies Dirk Chlench von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Die Daten lieferten den Verfechtern einer lockeren Zinspolitik in der Fed “keine Vorlage, um für Leitzinssenkungen plädieren zu können”. Die US-Notenbank dürfte ihre Schlüsselzinsen in den kommenden Quartalen unverändert lassen – “im Zweifel sind Zinsanhebungen wahrscheinlicher”.




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