Tatsächliche Kenntnisse liegen darunter

Verbraucher schätzen ihren Umgang mit Geld besser ein, als er ist

Samstag, 28. Februar 2026 | 08:11 Uhr

Von: mk

Bozen – Die nationalen Verbraucherverbände Adiconsum (Projektleiter), Codacons, Confconsumatori, Movimento Consumatori, Movimento Difesa del Cittadino und Verbraucherzentrale Südtirol – allesamt im Nationalen Verbraucherbeirat vertreten – haben am Donnerstag die Ergebnisse der Online-Umfrage „PRONTI A CONTARE – ZAHLREICH“ vorgestellt. Das Projekt wird vom Ministerium für Unternehmen und “Made in Italy” (MIMIT) gemäß D.D. vom 12. Mai 2025 finanziert.

Die Online-Umfrage wurde unter mehr als 2.000 Mitgliedern durchgeführt, die sämtliche italienischen Regionen repräsentieren. Das Ergebnis zeichnet das Bild eines Landes im Wandel: großes Vertrauen in die eigenen finanziellen Fähigkeiten, zugleich objektiv unzureichende Kompetenzen, eine starke Nutzung neuer Kreditinstrumente durch junge Menschen sowie eine große Nachfrage nach finanzieller Bildung.

Die wichtigsten Ergebnisse

•         Überschätzung der eigenen Finanzkompetenz: 83 Prozent der Befragten bewerten ihre Kenntnisse als „gut, hoch oder sehr hoch“. Eine Überprüfung konkreter Sachkenntnisse offenbart jedoch erhebliche Wissenslücken (im Einklang mit Eurobarometer 2023 und OECD-PISA). Zwar geben 48,9 Prozent an, ihre Einnahmen und Ausgaben stets zu kontrollieren, doch die subjektive Wahrnehmung von Kontrolle übersteigt häufig die tatsächlichen Fähigkeiten.

•         Unsicherheiten bei Zahlungsmitteln: Zwischen Kredit- und Debitkarte bestehen weiterhin verbreitete Unklarheiten; Funktionen und Risiken werden oft nicht korrekt unterschieden.

•         Digitale Zahlungen: Lediglich 20 Prozent fühlen sich im Umgang damit „sehr sicher“, während mehr als 70 Prozent (sehr) besorgt über Online-Betrug sind. Zwar erkennen 38,9 Prozent der Teilnehmenden, dass digitale Zahlungen das Finanzmanagement erleichtern, dennoch bleibt die Skepsis ausgeprägt.

•         Buy Now Pay Later (BNPL): 22 Prozent der Befragten nutzen entsprechende Angebote. Besonders hoch ist der Anteil bei den 18- bis 24-Jährigen (44 Prozent) sowie bei den 24- bis 35-Jährigen (34,3 Prozent). 30 Prozent kennen die damit verbundenen Risiken nicht, und nur 16,7 Prozent fühlen sich vollständig informiert.

•         Mikrotransaktionen und Gaming: Das Phänomen betrifft 13 Prozent der Haushalte. 75 Prozent halten solche Ausgaben jedoch für riskant, sofern sie nicht überwacht werden. Regelmäßige Nutzerinnen und Nutzer zeigen größeres Vertrauen in digitale Zahlungen, zugleich aber eine geringere Risikosensibilität.

•         Geschlechterunterschiede: 53 Prozent der Männer schätzen ihre Finanzkompetenz als hoch ein (20,3 Prozent fühlen sich „sehr gut vorbereitet“ in Bezug auf Kredite und Karten), gegenüber 43,6 Prozent der Frauen (davon lediglich 12,2 Prozent „sehr gut vorbereitet“).

•         Junge Menschen besonders betroffen: In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen führen nur 50 Prozent systematisch Buch über Einnahmen und Ausgaben (bei den über 65-Jährigen sind es 77 Prozent). Nur 20 Prozent der 18- bis 34-Jährigen lesen und verstehen die Vertragsbedingungen von Krediten, Karten und BNPL-Angeboten ohne Schwierigkeiten.

•         Regionale Unterschiede: Die Fähigkeit, unerwartete Ausgaben zu bewältigen, variiert deutlich: Norden 53,5 Prozent, Mitte 35,8 Prozent, Inseln 35,4 Prozent, Süden lediglich 23,9 Prozent.

•         Einkommen und Finanzverhalten: Bei einem Jahreseinkommen über 50.000 Euro fühlen sich 31,4 Prozent „sehr gut vorbereitet“ in Bezug auf Kredite und Karten; unter 15.000 Euro sinkt dieser Anteil auf 15 Prozent.

Was die Bürgerinnen und Bürger fordern

Die Befragten sprechen sich für folgende Maßnahmen aus:

•         64,9 Prozent Finanzbildung in Schulen

•         47,7 Prozent Kurse für Erwachsene

•         46,4 Prozent mehr Transparenz durch Banken und Finanzdienstleister

•         36,5 Prozent individuelle Beratung durch Organisationen des Dritten Sektors (mehr als doppelt so häufig genannt wie Kreditinstitute)

Die Vorschläge der Verbraucherverbände

Die sechs Verbände richten einen konkreten Appell an Politik und Finanzsektor:

•         Strukturierte Finanzbildungsprogramme mit Schwerpunkt auf jungen Menschen und Frauen

•         Einrichtung von Finanzberatungsstellen bei Verbraucherverbänden (gemäß EU-Richtlinie 2023/2225)

•         Gemeinsame Informationskampagnen zur Sicherheit digitaler Zahlungen und zum digitalen Euro

•         Einbindung von Banken und Zahlungsinstituten (E-Geld- und Zahlungsinstitute) zur Gewährleistung klarer und transparenter Informationen

•         Einrichtung eines ständigen Koordinierungsgremiums zwischen Verbraucherverbänden und Institutionen zur Entwicklung konkreter Maßnahmen zur finanziellen Alphabetisierung

Die Verbände betonen: „Finanzielle Resilienz entsteht durch einen vorsichtigen, informierten und verantwortungsvollen Umgang mit Schulden – begleitet von kompetenter und vor allem unabhängiger Beratung. Die Verbraucherverbände sind bereit, ihren Beitrag zu leisten: Sie sind für Millionen italienischer Familien der verlässlichste Ansprechpartner.“

Bezirk: Bozen

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