Bozens Kaufleute regen zu „Spende mit Sinn“ an

Vom Rand in die Mitte

Mittwoch, 23. November 2022 | 10:22 Uhr

Bozen – In 21 Schaufenstern von Bozner Altstadt-Geschäften stehen seit einer Woche magentafarbene Möbel und bleiben noch bis 30. November dort: Stühle, Bänke, Kleiderständer, Nachtkästchen, kleine Schränke. Freiwillige des Bozner Nachtquartiers dormizil, das ausschließlich auf ehrenamtlichem Engagement basiert, haben die Möbel Anfang November in der Magenta-Hausfarbe des dormizil angemalt und sie mit Sätzen von obdachlosen Menschen und mit www.dormizil.org beschriftet. Ziel dieser gemeinsamen Aktion der Bozner Kaufleute ist die Sensibilisierung der Passantinnen und Passanten der Altstadt. Am zweiten Adventsonntag, am 11. Dezember, können die Möbel ab 16 Uhr bei einem Adventsumtrunk in der Gärtnerei Schullian gegen eine Spende erworben werden. Damit sollen Energiekosten im dormizil gedeckt werden, wo 25 obdachlose Frauen und Männer seit mehr als einem Monat und bis Mitte April 2023 ein warmes Bett im kalten Winter bekommen. Die Koordinatorin von BZHEARTBEAT Angelika Huber, die diese Sensibilisierungs- und Spendenaktion in die Wege geleitet hat, freut sich über die bisherigen Rückmeldungen: „Viele Menschen bleiben betroffen stehen und bedanken sich, dass wir die Schaufenster einem Thema widmen, vor dem viele lieber die Augen verschließen“, sagt sie. Obdachlosigkeit könne aber jede und jeden treffen.

Vom Rand in die Mitte“ nennt sich die Sensibilisierungsaktion der Bozner Kaufleute, die seit dem Welttag der Toleranz am 16. November und noch bis 30. November magentafarben aus 21 Schaufenstern leuchtet. Auf schwarzen Schiefertafeln steht unter anderem in weißer Schrift: „Ohne Zuhause ist alles nichts.“ oder „Wohnungslosigkeit beenden: Das ist keine Utopie.“ Das sind Sätze von Paul Tschigg, der die Schaufensteraktion für das dormizil gemeinsam mit Angelika Huber vorbereitet hat. Dazu haben obdachlose Menschen ihre Anliegen genannt, die ebenfalls eindrücklich aus den Schaufenstern zu lesen sind: “Wir sind wie du. Wir haben Schicksalsschläge hinter uns und leben auf der Straße. Das kann jeder und jedem passieren.” oder “Der Stress auf der Straße, der Stress im Kopf, der Rucksack voller Sorgen. Die Nächte sind am schlimmsten. Da hast du nie Ruhe.” Es dürfe nicht sein, dass in einer reichen Stadt wie Bozen Menschen auf der Straße dem Erfrieren ausgesetzt sind, betont Angelika Huber.

Mit dem nahen Winter kommt die Kälte und für wohnungs- und obdachlose Frauen und Männer in Bozen stehen nicht ausreichend menschenwürdige Unterkünfte bereit. Auch wenn das Alimarket-Gebäude in Bozen Süd vor wenigen Tagen seine Tore geöffnet hat, sind noch immer rund 70 Menschen auf der Straße: Ein eisiger Winter auf Parkbänken, unter Brücken, in Abbruchhäusern und Zelten am Rand der Flüsse erwartet sie. Im dormizil in Bozen ist Platz für 25 Menschen. Mehr als 100 Freiwillige sorgen bei Nacht- und Frühstücksdiensten für eine familiäre Stimmung und begegnen den obdachlosen Frauen und Männern auf Augenhöhe. Der Verein „housing first bozen EO“ trägt das dormizil. Das dreistöckige Gebäude in der Rittner Straße 25 hat die Haselsteiner-Familien-Privatstiftung dem Verein für 30 Jahre kostenlos als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Die Bozner Kaufleute wollen mit den magentafarbenen Möbeln in ihren Schaufenstern sensibilisieren und durch die Weitergabe der Möbel gegen eine Spende für mehr Wärme im dormizil sorgen: Mit dem Erlös aus der Möbelaktion am zweiten Adventsonntag, 11. Dezember ab 16.00 Uhr in der Gärtnerei Schullian sollen anfallende Energiekosten im Nachtquartier für obdachlose Menschen gedeckt werden.

Von: mk

Bezirk: Bozen

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