Von: importer
VW-Chef Oliver Blume strebt eine Verabschiedung seines neuen Sparpakets für den Konzern noch in diesem Jahr an. Sein Ziel sei es, dazu bis Jahresende Beschlüsse im Aufsichtsrat zu treffen, sagte Blume am Freitag. “Wir gehen davon aus, dass wir bis Jahresende dort ein großes Stück weiter sind.” Werksschließungen soll es zumindest bis 2030 aber keine geben. Zuvor hatte der Autobauer für das zweite Quartal einen deutlichen Gewinnrückgang verkündet.
Vor zwei Wochen waren die Sparpläne erstmals im VW-Aufsichtsrat behandelt worden und bei Arbeitnehmervertretern und dem an VW beteiligten Land Niedersachsen auf Widerstand gestoßen. Bis zu 50.000 zusätzliche Stellen stehen auf der Kippe. Das Kontrollorgan habe sich vor zwei Wochen erstmals umfassend mit dem Thema befasst, sagte Blume. “Dort gab es sehr konstruktive, aber auch kontroverse Diskussionen. Wir haben dort noch keinen umfassenden Beschluss treffen können.”
Im September solle es eine weitere Sitzung dazu geben. “Und ich bin auch fest davon überzeugt, da dieses Paket so groß ist, wird es auch noch weitere Sitzungen in diesem Jahr dazu geben”, so Blume. “Jetzt geht es erst mal um den großen Rahmen, den wir dort vereinbaren.” Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass dies bis Jahresende gelingen werde. “Da gehe ich schon fest davon aus, dass wir das in diesem Jahr machen müssen.”
Größte Transformation der Konzerngeschichte
Blume sprach von der größten Transformation der Konzerngeschichte. “Es geht hier nicht um ein reines Sparpaket, es ist das umfassendste und tiefgreifendste Transformationspaket, was wir je im Volkswagen-Konzern aufgesetzt haben.” Dabei gehe es auch um Produkte, Technologien, Wettbewerbsfähigkeit und Strukturen.
Nur rund ein Fünftel davon sei zustimmungspflichtig im Aufsichtsrat, so Blume, etwa “wenn es um Werke geht, wenn es um Personalanpassungen geht, aber auch wenn es um Strukturen im Volkswagen-Konzern geht”. Die übrigen 80 Prozent könne der Vorstand auch so umsetzen. Und damit habe er auch schon begonnen. “Wir haben gerade in diesem Risikoszenario keine Zeit zu verlieren”, so Blume. So hat der Konzern bereits angekündigt, die Zahl der Modellvarianten deutlich zu verringern.
Mit Blick auf die 50.000 Stellen, die weltweit zusätzlich wegfallen könnten, sprach Blume von einer zunächst nur rechnerischen Größe, die sich aus den angestrebten Kostensenkungen ergäbe. “Diese 50.000 sind zunächst erstmal theoretisch”, so Blume. VW hatte zugesagt, den Abbau sozialverträglich zu gestalten, und setzt vor allem auf Altersteilzeit und Abfindungen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden bis 2030 ausgeschlossen.
Keine Werksschließungen bis 2030
Zu den befürchteten Werksschließungen solle es bei alldem vorerst nicht kommen. “In unseren existierenden Werken insbesondere in Deutschland haben wir Modelle in der Produktion und wir brauchen diese Modelle”, so Blume in einer Telefonkonferenz. “Es ist nicht realistisch, über Werksschließungen bis 2030 zu reden”, fügte er an. Es gebe schlauere Wege als Werksschließungen, bestätigte er frühere Aussagen. Zuerst müsse über Verbesserungen der Wettbewerbsfähigkeit gesprochen werden, und daraus leite sich alles Weitere ab, sagte Blume.
Rüstung sei eine Option. Und auch der Bau chinesischer VW-Modelle für den hiesigen Markt. Dabei gehe es aber nur um eigene Modelle von VW, die der Konzern bisher nur in China anbietet, nicht um eine Öffnung für Konkurrenten wie BYD oder Geely. Er denke nicht daran, sich Wettbewerber in die eigenen Fabriken zu holen, so Blume.
Gewinnrückgang im zweiten Quartal
Dass der Konzern in der Krise steckt, spiegelt sich auch im Ergebnis wider – allerdings schreibt VW weiter schwarze Zahlen. In den Monaten April bis Juni ging das Konzernergebnis nach Steuern um 32,9 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro zurück. Im zweiten Quartal 2025 hatte VW unterm Strich noch 2,29 Mrd. Euro verdient. Das waren damals bereits 36 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Die Auslieferungen fielen konzernweit um fast 9 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge. Auf dem wichtigen Markt China sackten die Verkäufe sogar um mehr als ein Drittel auf 424.300 Fahrzeuge ab. Abseits Chinas sah es dagegen im Verkauf etwas besser aus.
Für das Gesamtjahr bleibt Volkswagen bei seiner Gewinnprognose. Beim Umsatz sind die Wolfsburger dagegen pessimistischer und sagen einen Rückgang um bis zu 3 Prozent voraus, statt eines Anstiegs um bis zu 3 Prozent. Im ersten Halbjahr waren es mit 158,1 Mrd. Euro 0,2 Prozent weniger als vor Jahresfrist.
Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Vereinbarungen unterschrieben.
Renditeperlen weiter schwach
Nach wie vor läuft es bei den einstigen Gewinnbringern Audi und Porsche nicht rund. Im zweiten Quartal ging der Umsatz bei Audi von 17,1 auf 15 Mrd. Euro zurück, das operative Ergebnis fiel noch einmal etwas schwächer aus als ein Jahr zuvor. Beim Sportwagenbauer Porsche AG sank der Umsatz im Autogeschäft – also ohne die Finanzdienstleistungen gerechnet – von 8,3 auf 7,8 Mrd. Euro. Porsche steckt ebenfalls in einem großen Umbau und will weitere Stellen streichen.




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