Von: Sophia Molitor
Bozen – An die 800 Lehrpersonen an Südtirols Grundschulen, Mittelschulen und Oberschulen haben bei der Online-Stellenwahl für das Schuljahr 2026/2027 eine Stelle erhalten. Die frei gebliebenen Stellen werden nun von den Schulen vergeben. Bei der Vergabe von unbefristeten Lehraufträgen (Stammrolle) klaffen Angebot und Nachfrage weiterhin stark auseinander.
In einigen Fächern und Bereichen gibt es zwar zahlreiche Stellen, aber kaum Bewerberinnen oder Bewerber, etwa für Technische Fächer, Integration in der Grund- und Mittelschule, Sprachförderung Deutsch. In anderen Fächern gibt es keine oder sehr wenige Stellen und viele Interessierte, wie für Religion, Musik, Sport und Englisch in der Oberschule. So konnten nur 175 (39,1 Prozent) der möglichen 447 Stammrollenstellen vergeben werden, und zwar 60 in der Grundschule, 69 in der Mittelschule und 46 in der Oberschule.
Befristete Lehraufträge
Bei der Vergabe der befristeten Lehraufträge haben von 1106 Bewerberinnen und Bewerbern in den Ranglisten 683 eine Stelle gewählt, wobei 571 (83,6 Prozent) ihren ersten Stellenwunsch, 99 (14,4 Prozent) ihren zweiten und 31 (4,5 Prozent) ihren dritten Stellenwunsch erhalten haben. In 67 Fällen war keiner der eingegebenen Stellenwünsche mehr verfügbar, sodass die Lehrpersonen keine Stelle erhalten haben.
Auch insgesamt 65 Lehrpersonen der Grundschule (57 Klassenlehrpersonen der Grundschule, 2 Lehrpersonen für Integration Grundschule sowie 6 Lehrpersonen für den Zweitsprachenunterricht in der Grundschule) mit unbefristetem Arbeitsvertrag (Stammrolle) erhielten über eine Online-Stellenwahl einen provisorischen Dienstsitz.
Noch freie Stellen
Bei allen Stellenwahlen zusammen wurden 2044 Stellen angeboten. Davon wurden 914 Stellen gewählt (davon 683 befristet). Insgesamt 1130 Stellen blieben frei. Der Anteil der vergebenen Stellen ist in den Fächern sehr unterschiedlich. So wurden in der Oberschule in Philosophie alle angebotenen Stellen durch die Stellenwahl besetzt. In den Fächern Sport, Biologie und Englisch der Oberschule wurden über 85 Prozent der verfügbaren Stellen durch die Stellenwahl besetzt. Einen niedrigen Anteil an gewählten Stellen haben in der Grundschule mit unter 20 Prozent Religion und Italienisch, in der Mittelschule mit 17,5 Prozent Mathematik und Naturkunde und in der Oberschule Informatik (11,8 Prozent) sowie Mathematik/Physik (5,9 Prozent).
In der Grundschule blieben insgesamt 50,9 Prozent der angebotenen Stellen frei, in der Mittelschule 70,1 Prozent und in der Oberschule 40 Prozent.
Neue Wege mit eigener Ausbildungsschiene
Laut Landesrat Philipp Achammer müsse das Land Südtirol in jenen Unterrichtsfächern, in denen Stellen unbesetzt bleiben, neue Wege gehen: “Gerade in jenen Bereichen, in denen es schwierig ist, die Stellen zu besetzen, müssen wir als Land Südtirol neue Wege gehen. Deshalb wollen wir eine eigene Ausbildungsschiene schaffen, die eine schnelle Qualifizierung für die Unterrichtstätigkeit ermöglicht. Ich werde der Landesregierung dazu entsprechende Vorschläge vorlegen.” Für Landesrat Philipp Achammer ist es ein zentrales Anliegen, dass die offenen Stellen so gut wie möglich besetzt werden: “Wenn wir Bildungsgerechtigkeit für jedes Kind umsetzen wollen, braucht es genügend Lehrpersonal. Darum ist dies nun ein wichtiger Moment, um bestmöglich in das neue Schuljahr 2026/27 starten zu können.”
Schulen vergeben jetzt nicht gewählte Stellen direkt
Die frei gebliebenen Stellen werden nun von den Schulen vergeben. Dabei kommen auch Bewerberinnen und Bewerber ohne die für den Lehrberuf vorgeschriebene Qualifikation zum Zug. Weitere Informationen dazu und der Link zur Bewerbung: Bewerbung als Lehrperson an Staats- und Berufsschulen.
An Südtirols deutschsprachigen Grund-, Mittel- und Oberschulen unterrichten im Laufe eines Schuljahres rund 1200 Personen ohne den vorgesehenen Studientitel, das sind rund 16 Prozent des gesamten Lehrpersonals.
Team K warnt vor strukturellem Problem an Südtirols Schulen
Die Ergebnisse der Online-Stellenwahl zeichnen laut dem Team K ein alarmierendes Bild: “An den deutschsprachigen Grund-, Mittel- und Oberschulen Südtirols bleiben weiterhin mehr als 1.100 Lehrerstellen unbesetzt. Damit bestätigt sich eine Entwicklung, vor der Lehrkräfte und Schulen seit Jahren warnen.”
Die Unzufriedenheit unter den Lehrpersonen habe längst nicht mehr nur mit Gehaltsfragen zu tun. Im Zentrum stünden zunehmend schwierige Arbeitsbedingungen, fehlende Planungssicherheit, steigende Belastungen und der wachsende Einsatz von Lehrkräften ohne die vorgesehene Qualifikation, erklärt das Team K.
“Wer die Schule jahrelang lediglich verwaltet und notwendige Investitionen aufschiebt, darf sich nicht wundern, wenn das System an seine Grenzen stößt. Diese Grenzen sind mittlerweile erreicht. Lehrkräfte weisen seit Jahren auf die hohe Belastung, den Personalmangel und fehlende Perspektiven hin. Jetzt braucht es konkrete Maßnahmen statt immer neuer Notlösungen”, sagt Alex Ploner.
Besonders kritisch sei die Lage an den Mittelschulen: “Rund 70 Prozent der ausgeschriebenen Stellen konnten nicht besetzt werden.” Für Team K ist das kein vorübergehendes Problem, sondern ein deutliches Warnsignal für die Zukunft des Bildungssystems. Bereits heute unterrichten an den deutschsprachigen Schulen Südtirols rund 1.100 Lehrpersonen ohne den vorgesehenen Studientitel.
“Die angekündigten Ausbildungswege für Fächer wie Deutsch, Zweite Sprache, Mathematik, Integration und technische Fächer sind wichtig, kommen aber zu spät. Lehrkräfte können nicht innerhalb weniger Monate ausgebildet werden. Qualifizierung braucht Zeit und vor allem eine vorausschauende Personalplanung. Die Schule darf nicht länger verwaltet, sondern muss aktiv gestaltet werden. Südtirol braucht eine Bildungspolitik, die zuhört, mittel- und langfristig plant und entsprechend handelt. Dazu gehört auch eine umfassende Neuorganisation der Schulentwicklung und eine Neuausrichtung auch im Schulamt und so mancher Schuldirektion”, so Alex Ploner.




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