Bauernbund mahnt zur Vorsicht beim Passieren von Mutterkuhherden

Angriff auf der Alm: Warum Wanderer jetzt besonders aufpassen müssen

Donnerstag, 02. Juli 2026 | 17:21 Uhr

Von: luk

Bozen – Der Südtiroler Bauernbund (SBB) ruft Wanderer zu erhöhter Vorsicht beim Passieren von Rinder- und insbesondere Mutterkuhherden auf. Die häufige Mitnahme von Hunden sowie die zunehmende Verbreitung des Wolfes führen dazu, dass Herden heute sensibler und nervöser reagieren als noch vor einigen Jahren.

„Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Hunde mitgeführt werden und sich Mutterkühe mit ihren Kälbern in der Nähe befinden“, betont SBB-Landesobmann Daniel Gasser. Mit Blick auf den jüngsten Vorfall in Antholz, bei dem eine Mutterkuh mehrere Wanderer attackierte und teils schwer verletzte, spricht Gasser den Betroffenen sein Mitgefühl aus.

Unabhängig von diesem tragischen Ereignis gelte jedoch: Wer Weidetiere respektiert und grundlegende Verhaltensregeln beachtet, könne das Risiko von Zwischenfällen deutlich verringern.  Dazu gehören ausreichend Abstand zu den Tieren, das Beachten von Hinweisschildern, das Verbleiben auf markierten Wegen sowie das konsequente Meiden von Mutterkühen mit ihren Kälbern.

Die Mitnahme von Hunden auf Wanderungen hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Damit steigt auch das Risiko, dass Mutterkühe ihre Kälber verteidigen und entsprechend reagieren. Der Präsident der Südtiroler Tierärztekammer, Franz Hintner, appelliert daher an Wanderinnen und Wanderer, das Verhalten der Tiere ernst zu nehmen. “Kühe mögen keine Hunde – dadurch steigt das Risiko gefährlicher Situationen erheblich.“ Greift eine Kuh einen Hund an, versuchten viele Halter instinktiv, ihr Tier zu schützen und brächten sich dadurch selbst in Gefahr. „In einer solchen Situation sollte der Hund losgelassen werden, damit er ausweichen kann“, erklärt Hintner.

Zudem beobachtet der Tierarzt, dass sich viele Menschen Weidetieren zu weit nähern. „Kühe sind keine Kuscheltiere. Man sollte sich ihnen – auch nicht für ein Foto – nähern oder sie streicheln.“ Befinden sich Tiere auf oder neben dem Wanderweg, sollten sie großräumig umgangen und aufmerksam beobachtet werden.

Eine weitere Rolle spielt die extensive Tierhaltung: „Viele Tiere haben heute weniger direkten Kontakt zu Menschen, auch zu den Bäuerinnen und Bauern selbst. Deshalb reagieren sie auf fremde Personen oft sensibler als früher“, so Hintner.

Auch die zunehmende Verbreitung des Wolfes wirkt sich auf das Verhalten von Weidetieren aus. „Die Präsenz von Beutegreifern macht Herden insgesamt wachsamer und nervöser. Auch das muss bei Begegnungen auf Almen und Weiden berücksichtigt werden“, sagt Gasser.

Gemeinsam mit Partnern des Landes und des Tourismus, darunter IDM Südtirol, hat der SBB eine Broschüre mit Verhaltensregeln für Begegnungen mit Weidetieren erstellt. Sie liegt bei Tourismusorganisationen auf. Darüber hinaus informieren vielerorts Hinweisschilder über Mutterkuhherden und das richtige Verhalten auf Almen und Weiden.

Bezirk: Bozen

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