Sanitätsbetrieb verwehrt sich gegen Generalverdacht

Arzt verrät Patientendaten – „Es gibt keinen Maulwurf“

Donnerstag, 25. März 2021 | 11:23 Uhr

Bozen – Der Vorwurf ist mit einem Vorfall aufgeflammt, der zunächst ganz alltäglich klingt: Eine Boznerin ist in einem Bus umgefallen und musste anschließend im Krankenhaus ärztlich versorgt werden. Am darauffolgenden Tag wurde sie von einer Agentur kontaktiert, die auf Schadenersatz- und Regressforderungen spezialisiert ist. Was die Frau stutzig machte: Die Firma kannte offenbar ihre Personalien und wusste auch über den Vorfall genauestens Bescheid, berichtet die Tageszeitung Alto Adige. Dass ein „Maulwurf“ im Bozner Krankenhaus sein Unwesen treibt, will der Direktor der Rechtsabteilung im Sanitätsbetrieb, Marco Cappello, allerdings so nicht stehen lassen.

Die Boznerin beschloss, sich einen Rechtsbeistand zuzulegen, und wandte sich an Anwalt Andrea Gnecchi. Er erstattete nicht nur Strafanzeige wegen Verletzung der Privatsphäre, sondern richtete sich auch direkt an den Sanitätsbetrieb. Dieser schaltete wiederum den Garanten für Privacy ein und eröffnete ein Disziplinarverfahren.

„Es gibt keinen Maulwurf im Bozner Krankenhaus. Die Unterlagen, die Anwalt Gnecchi weitergeleitet wurden, beweisen klar, dass die Informationen von einem Arzt preisgegeben wurden, der einen Namen und einen Nachnamen hat“, stellt Cappello klar. Er verwehrt sich gegen die Tatsache, dass mit dem Vorfall gleich ein gesamtes Krankenhaus unter Generalverdacht gestellt wird.

Laut Cappello hat die Staatsanwaltschaft nun den Antrag auf Archivierung des Verfahrens gestellt. Für den Sanitätsbetrieb ändert sich allerdings nichts – auch weil Anwalt Andrea Gnecchi angekündigt hat, dagegen vorzugehen. Der Sanitätsbetrieb werde weiterhin am Disziplinarverfahren festhalten, erklärt Cappello. Auch die Untersuchung des Garanten für Privacy bleibe aufrecht. Dem Garanten seien sämtliche Dokumente zu dem Fall übermittelt worden. „Wer für die Verbreitung des klinischen Vorfalls der Patientin verantwortlich ist, die sich im Bus verletzt hat, wird persönlich dafür gerade stehen müssen“, erklärt Cappello. Er ist sich sicher: Bei solchen Angelegenheiten drückt der Garant bei niemanden ein Auge zu.

Trotzdem betont er, dass die Gesamtheit der Mitarbeiter im Bozner Krankenhaus durchaus ein professionelles Verhalten an den Tag lege und die Verschwiegenheitspflicht sehr ernst nehme.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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17 Kommentare auf "Arzt verrät Patientendaten – „Es gibt keinen Maulwurf“"


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Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
20 Tage 9 h

Wie versteuert man eigentlich Einkünfte, wenn man sensible Daten verkauft ?

Levinia
Levinia
Neuling
20 Tage 8 h

Wie jetzt versteuern? Bist Du nicht von hier? 🤣😂🤣

xXx
xXx
Universalgelehrter
20 Tage 8 h

Seit wann muss man Schwarzgeld besteuern? 😏

Oma
Oma
Superredner
20 Tage 7 h

Beim 730 zeile 246 gib i as schworzgeld olm un.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
20 Tage 7 h

@Oma
Ah, ja. Die Zeile hat hier eine andere Nummer. Danke !

vunmirausgsechn
vunmirausgsechn
Grünschnabel
20 Tage 9 h

das ist sicher ein guter Nebenverdienst für diesen Arzt….. man sollte hart dagegen vorgehen…

info
info
Tratscher
20 Tage 9 h

Ich hoffe, dass auch diese “Agentur für Schadenersatz- und Regressforderungen” für ihre unsauberen Praktiken zur Rechenschaft gezogen wird.

Doolin
Doolin
Superredner
20 Tage 9 h

…die Sanitätseinheit weiss mehr als sie soll…stellt Strafbescheide für angeblich nicht abgesagte Untersuchung zu, die aber stattgefunden hat…bei den bestens vorbereiteten wundert nichts mehr…
🤪

Echt iaz
Echt iaz
Tratscher
20 Tage 9 h

Olle Toge epas neues von insorn Sanitätsbetrieb

Kingu
Kingu
Tratscher
20 Tage 7 h

Also mir fallen da mehrere Straftaten ein, welche hier begangen wurden und diesen Garanten kann sich die Sanität sonst wo hinschieben. Wir reden hier von Verletzung des Datenschutzes, Verletzung der Verschwiegenheit, womöglich sogar illegaler Verkauf von hochsensiblen Daten und illegaler Nebentätigkeit. Sollte die Tätigkeit weder gemeldet sein noch irgendwo aufscheinen, kommt natürlich noch Steuerhinterziehung dazu.

spotz
spotz
Tratscher
20 Tage 8 h

nicht zu glauben wie gläsern der mensch geworden ist

Grossmaul
Grossmaul
Grünschnabel
20 Tage 8 h

do kennen si sich widr schianredn😂
sicher nit lei uaner sondern merere setre leit

Mezcalito
Mezcalito
Superredner
20 Tage 6 h

diese Agentur wird wohl sagen können, wer ihnen die Daten der Patientin gesteckt hat. Und sonst die Telefone und Computer beschlagnahmen

Faktenchecker
20 Tage 7 h

“Im Gegensatz zur Wühlmaus, die als Vegetarierin durch Wurzelfraß großen
Schaden anrichtet, ist der Europäische Maulwurf (Talpa Europaea) sehr
nützlich.”

https://www.myheimat.de/ilsede/natur/der-kleine-maulwurf-pauli-grabowski-d2679531.html

😍😍😍😍😍

Levinia
Levinia
Neuling
20 Tage 8 h

Ähmmm. Über was wird hier disskutiert? In Italien gibst Du als erstes Dein Steuerkartl ab. In diesem Moment, weiß jeder Arzt, jeder Telefonanbieter, jede Bank… etc. über Dein gesamtes Leben Bescheid. Nirgends gibt es dafür eine AGB, die Dir verbietet, Diese Daten an Dritte weiter zu geben. Das macht man hier freiwillig, unfreiwillig… In China weiß jeder, dass das so normal ist. Hier, in der EU, würde ich, an eurer Stelle, mal ernsthaft darüber nachdenken.

inni
inni
Superredner
20 Tage 5 h

Sträflich nachlässig ist die Handhabe mit ärztlichen Befunden über erfolgte Blutproben oder anderen Analysen, die man in den Sanitätssprengeln in Bozen von Schalterbeamtinnen in einem OFFENEN KUVERT ausgehändigt bekommt !  

wellen
wellen
Universalgelehrter
20 Tage 4 h

Ist doch ein Maulwurf. Nur dass dieser Arzt offensichtlich aus Eigennutz die Daten preisgegeben hat und jetzt ein Disziplinarverfahren hängen hat.Maulwürfe oder whistleblower decken sonst interne Illegalitäten auf. Da diskutiert man ob die sogar zu schützen sind, weil die Verfolgung von Straftaten vorrangig ist. Beispiel Verkauf von Daten an die Behörden um Millionenbeträge über Steuerhinterzieher in Luxemburg.

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