Erhebung

Bozen: Bevölkerungsrückgang zum ersten Mal nach 20 Jahren

Freitag, 30. April 2021 | 08:37 Uhr

Bozen – Am 31. Dezember 2020 wird in Bozen zum ersten Mal nach über 20 Jahren ein Bevölkerungsrückgang von sechs Personen verzeichnet. Die Wohnbevölkerung beträgt 107.879. Gegenüber 2019 gingen die Geburten leicht zurück und die Zahl der Todesfälle nahm zu. Die Daten zur Bevölkerungsentwicklung und-struktur der Stadt hat die Gemeinde veröffentlicht.

Die Geburtenbilanz, als Differenz zwischen Geburten und Todesfällen, ist 2020 mit -427 deutlich negativ und hat sich im Verhältnis zu 2019 sogar mehr als verdoppelt (-205). Der Walderungssaldo, der sich aus der Differenz zwischen Ein- und Abwanderung ergibt, hat leicht zugenommen: 2019 betrug dieser +351 Einheiten, Ende 2019 +421. Der Bevölkerungsrückgang ist demnach dem negativen Wachstums der Geburtenbilanz, die nicht den Walderungssaldo überstiegen hat, zuzuschreiben.

Der Anteil der Einwohner der Stadt Bozen an der Gesamtbevölkerung Südtirols beträgt rund 20 Prozent. Die Bevölkerungsdichte in der Stadt beträgt 2.061 Einwohner pro Quadratkilometer.

Das am stärksten bewohnte Stadtviertel ist Gries-Quirein, wo 32.295 Personen (das sind 29,9 Prozent aller Bozner Einwohner) leben. Es folgen der Reihe nach Don Bosco (26.603), Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (18.195), Europa-Neustift (16.208) und Oberau-Haslach (14.667). Am dichtesten besiedelt ist das Stadtviertel Europa-Neustift und am dünnsten besiedelten ist Stadtviertel Zentrum-Bozner Boden-Rentsch.

Die Frauen stellen in allen Stadtvierteln den stärkeren Bevölkerungsanteil dar, außer in Oberau-Haslach, wo die Männer die Mehrheit erreichen. Das Durchschnittsalter der Bozner Einwohner steigt weiter an, sich 45 Jahren (genauer 44,9 Jahre) nähert im Jahr 2020: 42,9 für die Männer und 46,8 für die Frauen.

Mirganten prägen dank ihres überwiegend jugendlichen Alters in erheblichem Maße das Durchschnittsalter der Bozner Bevölkerung mit: Das Durchschnittsalter der 15.922 ansässigen Mirgranten steht bei 35,3 Jahren gegenüber den 46,56 Jahren der Bürger italienischer Staatsbürgerschaft und den 44,9 Jahren der gesamten Bevölkerung der Stadt Bozen (darin eingeschlossen auch die ausländische Bevölkerung selbst).

Senioren

Der Anteil der Personen im Alter von 65 Jahren und darüber an der Gesamtanzahl der Einwohner Bozens beträgt 23,6 Prozent. Dies bedeutet, dass beinahe eine Person auf vier über 65 Jahre alt ist. 49 Einwohner Bozens sind 100 Jahre oder älter, davon nur neun Männer.

Die Senioren von Bozen sind folgendermaßen auf die Stadtviertel verteilt: Das “älteste” Stadtviertel ist Europa-Neustift, mit einem Seniorenanteil von 28,3 Prozent von über 65-Jährigen und 16,4 Prozent von über 75-Jährigen; es folgen Don Bosco mit Werten von 24,2 bzw. 12,8 Prozent und Gries-Quirein mit Werten von 23,9 bzw. 13,7 Prozent. In den Stadtvierteln Oberau-Haslach und Zentrum-Bozner Boden-Rentsch liegt der Anteil der über 65-Jährigen und der über 75-Jährigen unter dem Gemeindedurchschnitt.

Jugendliche

Zum Thema Jugendliche: Rund 17 Prozent der Bevölkerung Bozens (18.348 Personen) sind jünger als 18 Jahre, 139 weniger als Jahr 2019. 56,7 Prozent der Bozner Minderjährigen leben in den Stadtvierteln Gries-Quirein und Don Bosco. Im Stadtviertel Don Bosco ist auch der Anteil der Minderjährigen an der dort ansässigen Bevölkerung am höchsten (19,0 Prozent), in Europa-Neustift mit 15,1 Prozent am geringsten.

Mehrheit unverheiratet

Die Mehrheit (49,8 Prozent) der Einwohner Bozens besteht aus Unverheirateten, ohne Unterschied zwischen Männern und Frauen und Stadtvierteln. Es bleibt die Tatsache, dass 10,8 Prozent der Frauen, aber nur 2,4 Prozent der Männer verwitwet sind. In allen Stadtvierteln gibt es rund fünfmal mehr verwitwete Frauen als Männer.

Im Jahr 2020 wurden in Bozen 223 Ehen geschlossen, das sind 115 weniger als im Jahr 2019. 20 Paare (neun Prozent) wurden kirchlich getraut und 203 (91 Prozent) im Standesamt. Bei 69,1 Prozent der Brautpaare waren beide Partner italienische Staatsbürger, bei 30,9 Prozent war mindestens einer der Partner ausländischer Staatsbürger.
Im Jahr 2020 wurden auch einige Lebenspartnerschaften registriert: Es sind 80 (elf mehr als im Jahr 2019).

53.976 Personen sind seit ihrer Geburt in Bozen ansässig, was einem Anteil von 50 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Von den gebürtigen Boznern haben 3,8 Prozent nicht die italienische Staatsbürgerschaft.

Am 31.12.2019 waren 15.935 Ausländer in den Melderegistern der Gemeinde Bozen eingetragen. Gegenüber 2019 entspricht dies einem Zuwachs von 0,1 Prozent. Die Ausländer machen ungefähr 15 Prozent der Bevölkerung Bozens aus. 2019 war Bozen die Wohnsitzgemeinde für 30 Prozent aller in Südtirol ansässigen Ausländer. Die stärksten in Bozen ansässigen Ausländergemeinschaften, mit 2.496 Personen, kommen aus Albanien (15,7 Prozent), gefolgt von Marokko mit 1.463 (9,2 Prozent), Pakistan mit 1.269 (acht Prozent), Rumänien mit 1.157 (7,3 Prozent), Ukraine mit 822 (5,2 Prozent), China mit 756 (4,7 Prozent), Deutschland mit 614 (3,9 Prozent) und Moldawien mit 514 Personen (3,2 Prozent).

Schon in den letzten zwei Jahren schien der größte Anteil der Ausländer im Verhältnis zur ansässigen Bevölkerung mit 20,4 Prozent in beiden Stadtvierteln Zentrum-Bozner Boden-Rentsch und Oberau-Haslach auf (dort leben jeweils 23,27 Prozent und 18,79 Prozent aller in Bozen ansässigen Ausländer), der geringste Anteil hingegen in Don Bosco (9,3 Prozent).

Rückgang des Phänomens der Einbürgerungen

523 Personen (0,5 Prozent aller “Bozner”), gegenüber 596 im Jahr 2019, haben 2020 die italienische Staatsbürgerschaft erlangt (mehr als die Hälfte davon sind Frauen). Insgesamt wurden in den letzten zehn Jahren 6.407 vormals ausländische Staatsbürger mit Wohnsitz in Bozen eingebürgert. Für die Bevölkerungsstatistik bedeutet dies, dass diese Bürger nicht mehr als “Ausländer” geführt werden, sondern als Einwohner Bozens italienischer Staatsbürgerschaft, welche einfach nur anderswo geboren sind, wie übrigens fast die Hälfte aller Bozner. Analysiert man die 2020 vollzogenen Einbürgerungen zahlenmäßig nach Herkunftsländern, so steht an der Spitze Albanien (172), gefolgt von Marokko (58), Perù (32) und Kosovo (30).

Eine nicht unwesentliche Rolle bei der Zusammensetzung des in der Stadt ansässigen Ausländeranteils spielt auch die Anzahl der Geburten aus ansässigen ausländischen Familien. Stellten Neugeborene ausländischer Familien im Jahr 2011 noch 24,2 Prozent aller Neugeborenen in Bozen dar, so ist 2020 dieser Wert um 22,5 Prozent gesunken.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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11 Kommentare auf "Bozen: Bevölkerungsrückgang zum ersten Mal nach 20 Jahren"


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Universalgelehrter
8 Tage 19 h

Das sind eindeutig die Folgen von Lockdown, Homeschooling, -office und “Gemeinde-Verlassen-Verbot”. Keine Besuche 🙈 bei FreundIn, Geliebter/m und Nebenfrau/mann 😉…..

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Universalgelehrter
8 Tage 19 h

@Kurotowa..klingt logisch 😉. Denn zwischendurch waren ja “außer-Haus-Besuche” wieder erlaubt 🤣…..

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Universalgelehrter
8 Tage 17 h

In den zurückliegenden Monaten sind viele Mitmenschen durch die ständig schlechten Nachrichten emotional derart abgestumpft, dass sie Späße und Lachen schon verlernt haben. Schade eigentlich….

Faktenchecker
8 Tage 18 h

Ohne Integration stirbt Südtirol aus.

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Kinig
8 Tage 14 h

Facktencheker schon ehr mit.

rastan
rastan
Neuling
8 Tage 19 h

alles logisch in corona-zeiten, da muss man kein experte sein, mehr todesfälle ist klar und die aussage im lockdown wären mehr geburten finde ich sowieso blödsinn, sicher das gegenteil wenn man nicht weis wies weiter geht mit arbeit usw und die situation in spitälern usw. sagt einem er normale hausverstand eher was anderes als kinder zu zeugen

Sag mal
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Kinig
8 Tage 18 h

keine Angst.Es gibt immer mehr Menschen.Alles Andere ist “falschen Eindruck machen wollen”🙄

Staenkerer
8 Tage 20 h

allso nix gwortn aus dem Baby Born den man vor an jahr, wegen dem lockdown vermutet hat!

yeah
yeah
Tratscher
8 Tage 18 h

vielleicht wert irgendwenn es wohnen annähernd bezohlbor aso

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
8 Tage 21 h

Walderungssaldo. Mach ich jetzt auch 😊. Tschüüüs, ab in den Hambacher Forst.

Rosenrot
Rosenrot
Tratscher
8 Tage 18 h

Ich finde es gut, somit wird weniger Wohnraum benötigt, der derzeitige Bauboom muss endlich aufhören. Wenn das so weitergeht, gibt es bald keine freien Grünflächen mehr.

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