Von: mk
Bozen – Wegen versuchten Mordes an seiner Ehefrau ist ein 49-jähriger Mann aus Kalabrien zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Der Mann, der seit 2018 in Südtirol lebte und am Brennerbasistunnel arbeitete, hatte seine Frau derart terrorisiert, dass diese im März vergangenen Jahres in Todesangst vom Balkon sprang. Vor Gericht wurde er nun zu einer Haftstrafe von neun Jahren und acht Monaten.
Das Gericht in Kalabrien folgte damit im Wesentlichen dem Antrag von Staatsanwältin Sara Cacciaguerra, die elf Jahre Haft gefordert hatte. Der gebürtige Kalabrese, der aufgrund seiner Arbeit auf den Baustellen des Brennerbasistunnels in Südtirol wohnte, war am 28. März des vergangenen Jahres in seine Heimatgemeinde Botricello in der Provinz Catanzaro gereist – getrieben vom krankhaften Verdacht, seine Frau würde ihn betrügen.
Wie sich im Prozess herausstellte, hatte der Mann das Leben seiner Ehefrau bereits seit Monaten in einen Albtraum verwandelt. Er überwachte sie mit heimlich in der Wohnung installierten Kameras und verfolgte jede ihrer Bewegungen per Tracking-App auf ihrem Smartphone.
Nach seiner Ankunft eskalierte die Situation völlig, wie Alto Adige online berichtet: Der 49-Jährige schlug der Frau immer wieder mit der Faust ins Gesicht und gegen den Kopf. Besessen von der Vorstellung, sie verstecke den Beweis für ihre Untreue – eine zweite SIM-Karte – in ihrer Unterhose, begrapschte er sie gewaltsam und drohte ihr schließlich mit einem Küchenmesser in der Hand den Tod an.
Der Sprung in die Tiefe als einziger Ausweg
In schierer Todesangst sah die Frau keinen anderen Ausweg mehr als die Flucht über den Balkon im ersten Stock. Bei dem Sturz auf den Asphalt zog sie sich schwere Traumata und mehrere Brüche an der Wirbelsäule zu. Passanten fanden die Frau blutüberströmt, aber bei Bewusstsein. Sie wurde mit dem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus von Catanzaro geflogen, wo sie tagelang auf der Intensivstation lag.
Der Ehemann flüchtete zunächst zu Fuß und deutete Suizidabsichten an – bis er von den Carabinieri in einem Hauseingang gestellt und festgenommen wurde.
Vor dem Haftrichter versuchte der Angeklagte, die Vorfälle herunterzuspielen. Zwar gab er die totale Überwachung und seine Eifersucht zu, behauptete jedoch, er habe lediglich Möbel zertreten und seiner Frau nur zufällig zwei Ohrfeigen verpasst. Das Messer habe er nie benutzt. Den Sturz vom Balkon stellte er als Unfall dar: Er habe sogar noch versucht, seine Frau an den Haaren festzuhalten, als sie abrutschte.
Eigene Mutter belastet den Angeklagten
Die Ermittler stuften die Version des Mannes als absolut unglaubwürdig ein. Entscheidend waren jedoch die Aussagen der Mutter des Mannes, die ihren Sohn schwer belastete. So erklärte die Mutter, ihr Sohn sei bereits vor seiner Arbeit in Südtirol vor Eifersucht zerfressen gewesen. Nach seiner Ankunft in Kalabrien habe er sie und seine Ehefrau gezwungen, über eine Stunde lang am Tisch zu sitzen, während er seine Frau wegen des vermeintlichen Liebhabers verhörte.
Aus Sorge vor einer Eskalation verließ die Mutter schließlich das Haus, um die Carabinieri zu rufen. Nur kurz darauf sei ihre Schwiegertochter in ihrer Verzweiflung vom Balkon gesprungen.




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