Studie am Krankenhaus Schlanders

Covid-19 bei Rheuma: Häufiger und schwerwiegender?

Mittwoch, 02. Dezember 2020 | 11:27 Uhr

Schlanders – Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis oder Spondyloarthritis sind generell einem höheren Risiko für Infektionen ausgesetzt. Ob dies auch für Covid-19 gilt, kann noch nicht eindeutig beantwortet werden. Eine Studie am Krankenhaus Schlanders widmet sich nun dieser Frage.

Ob Patientinnen und Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ein höheres Risiko für COVID-19 tragen als Menschen ohne „Rheuma“, ist von entscheidender Bedeutung: sowohl für die individuellen Patienten als auch auf gesellschaftlicher Ebene, weil davon wichtige Entscheidungen wie die weitere Einnahme der immunsuppressiven Medikamente, die Einschränkung von sozialen Kontakten oder die Inanspruchnahme von (prophylaktischen) Krankenständen im Fall von arbeitstätigen Patienten abhängen.

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, wurde im Krankenhaus Schlanders, ausgehend vom landesweiten Dienst für Rheumatologie (Primar: Christian Dejaco) unter der Koordination von Studienleiter Peter Matzneller eine eigene Untersuchung gestartet. Dabei sollen das Vorkommen und der Schweregrad der Covid-19-Erkrankung bei einer Gruppe von Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis, Psoriasis-Arthritis und peripherer Spondyloarthritis im Vinschgau bzw. im Gesundheitsbezirk Meran bestimmt und mit den Werten der Normalbevölkerung verglichen werden.

Im Rahmen dieser Studie wurden bereits über 100 Patientinnen und Patienten zu einer Studienvisite ins Krankenhaus Schlanders eingeladen. Neben der Durchführung einer rheumatologischen Visite wurden dabei in drei Fragebögen Daten zur Gesundheit und zur rheumatologischen Erkrankung erhoben, außerdem erfolgte ein Nasen-Rachen-Abstrich (PCR-Test) und eine Blutprobe, mittels derer u.a. die Antikörper gegen SARS-CoV-2 bestimmt wurden.

In den zwölf Monaten nach dieser Visite werden die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer auf typische Covid-19-Symptome überwacht und bei begründetem Verdacht auf eine Infektion erneut zur Durchführung spezifischer Untersuchungen (Abstrich, Blutabnahme) einbestellt. Bei positiven Fällen werden der Schweregrad der Erkrankung bestimmt und sowohl Antikörperspiegel im Blut als auch mögliche Langzeitfolgen über zusätzliche zwölf Monate nachverfolgt.

Am Ende des Beobachtungszeitraumes werden die Anzahl und der Schweregrad der Infektionen in der Studienpopulation mit denen in der Normalbevölkerung verglichen. Als Maß für die Normalbevölkerung werden die Zahlen der CHRIS-Covid-19-Studie herangezogen.

Studienleiter Peter Matzneller ist überzeugt: „Der wissenschaftlichen Forschung kommt besonders jetzt, wo der medizinische Umgang mit einer neuen Erkrankung die Gesundheitssysteme der ganzen Welt vor große Herausforderungen stellt, eine besondere Bedeutung zu. Nur durch zusätzliche Erkenntnisse, wie sie durch systematische Untersuchungen gewonnen werden können, ist es möglich, medizinische Maßnahmen mit fundierten Daten zu untermauern.“

Von: mk

Bezirk: Vinschgau

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