Eurac-Studie

Covid im Vinschgau: Weiter verbreitet als durch Zahlen vom Frühjahr bekannt

Mittwoch, 14. Oktober 2020 | 11:25 Uhr

Bozen/Schlanders – Die Hochrechnungen aus der Studie von Eurac Research und Südtiroler Sanitätsbetrieb zeigen eine Infektionsrate von einem Prozent im Tal. Die Teilnahme an den Online-Fragebögen zu Symptomen wird in den kommenden Monaten entscheidend sein, um die weitere Verbreitung des Virus besser zu verstehen.

Aus einer Stichprobe von Teilnehmern der CHRIS-Studie ließen sich 845 Personen in Mals, Latsch und Schlanders in diesem Sommer testen. Die erreichte Teilnehmerzahl garantiert eine mehr als ausreichende Repräsentativität: Das Forscherteam von Eurac Research konnte damit hochrechnen, dass im Vinschgau eine Personen von hundert mit dem neuartigen Coronavirus in Kontakt gekommen ist.

Im Sommer ist auch ein Screening, also eine systematische Überprüfung von Symptomen unter der Bevölkerung mithilfe von Online-Fragebögen gestartet. So sieht die CHRIS Covid-19-Studie vor, dass alle CHRIS-Teilnehmer und die Menschen, mit denen sie zusammenwohnen, Angaben über ihren Gesundheitszustand treffen, und dies alle vier Wochen online oder per Telefon aktualisieren. 4.000 Personen haben damit bereits begonnen. Um fundierte Erkenntnisse zum neuartigen Virus zu erzielen, sei es wichtig, dass so viele Vinschgauer wie möglich der Einladung folgen und an der Online-Befragung teilnehmen; laut Forscherteam wird das Screening zu den Symptomen entscheidend sein, um die Risikofaktoren und die Langzeitfolgen in Verbindung mit Covid-19 untersuchen und den Sanitätsbetrieb bei seiner Arbeit gegen die Ausbreitung unterstützen zu können.

Mit einer Infektionsrate von einem Prozent ist das Coronavirus im Vinschgau bislang weniger stark verbreitet als im restlichen Südtirol – dort sind es im Schnitt drei Prozent. Es ist jedoch zwanzig Mal höher im Vergleich zu den Zahlen, die im Vinschgau in den ersten Monaten der Pandemie gemeldet worden waren, als fast nur ernstere Krankheitsverläufe getestet wurden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem positiven Befund gaben an, dass ihre Symptome hauptsächlich zwischen Anfang Februar und Anfang Juli auftraten, mit einem Höhepunkt in der ersten Märzhälfte. Das bedeutet, dass sich Covid-19 im Vinschgau zeitlich parallel zu den anderen Bezirken in Südtirol und in Norditalien auszubreiten begann. Dass es sich im Vinschgau dann weniger stark ausbreitete, liegt daher nicht an einer zeitlichen Verzögerung; vielmehr könnte es daran liegen, dass im Vinschgau weniger Touristen aus Risikogebieten urlaubten, wie das Forscherteam vermutet.

Zu den häufigsten beschriebenen Symptomen zählen der Verlust des Geruchs- und des Geschmackssinns. Die Angaben in den Fragebögen bestätigen diese Symptome als Anzeiger für eine Infektion mit dem Coronavirus, auch wenn sie nicht die einzigen sind. Die ersten Zwischenergebnisse der Studie zeigen außerdem, dass das Virus ununterbrochen bis zum Sommer präsent war und dass die neue Infektionswelle nicht der Ankunft von Saisonsarbeitern geschuldet sein kann, auch wenn dieses Phänomen zur Verbreitung beigetragen haben dürfte.

Im Moment steigen die Ansteckungszahlen wieder an: Laut den Zahlen des Sanitätsbetriebs haben sich die Neuansteckungen im Vinschgau im Vergleich zu Juli mehr als vervierfacht. „Diese Zahlen machen uns deutlich, wie wichtig es in diesem Moment ist, die Forschung zu Covid-19 voranzutreiben. Auch junge und gesunde Menschen kann die Erkrankung hart treffen; wir wissen noch nicht, wer zur Risikogruppe gehört und welches die Langzeitfolgen sind“, erklärt Cristian Pattaro, der wissenschaftliche Leiter der CHRIS Covid-19-Studie. Welches sind die nächsten Schritte in der Forschung und wie kann man dazu beitragen?

Screening zu den Symptomen mittels Fragebögen

Rund 19.000 Vinschgauer Bürgerinnen und Bürger (alle CHRIS-Teilnehmer und die Personen, die mit ihnen zusammenwohnen) haben Eurac Research und der Südtiroler Sanitätsbetrieb in diesem Sommer dazu eingeladen, am Screening zu den Symptomen durch Online-Fragebögen teilzunehmen. Einmal registriert, kann jeder Teilnehmer die Angaben zu seinem Gesundheitszustand alle vier Wochen aktualisieren. Alle Teilnehmer erhalten dazu eine Erinnerung via Email oder per Telefon. Bei der Angabe von Symptomen, die auf eine Infektion mit Covid-19 schließen lassen, werden die Betreffenden direkt an ihren Hausarzt verwiesen. Falls die Symptome hingegen schon abgeklungen sind, werden sie zu einem Abstrich und zu einem serologischen Test eingeladen. „Wir empfehlen allen eingeladenen Personen, am Screening teilzunehmen und damit einen wertvollen Beitrag zur Covid-19-Forschung zu leisten. Das Screening eröffnet uns zudem die Möglichkeit, Infektionsfälle zu identifizieren und sie entsprechend zu begleiten“, bekräftigt Robert Rainer, der ärztliche Direktor am Krankenhaus Schlanders. „Wichtig aus Sicht der Teilnehmer ist, dass man keine Angst vor einem positiven Abstrich-Befund haben sollte – viel mehr geht es hier um Verantwortungsbewusstsein: Zu wissen, dass man ansteckend ist, ist der erste Schritt, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Dadurch kann jeder seine eigene Familie schützen, sowie die Gesundheit der Gemeinde und die Wirtschaft des ganzen Landes“, schließt Peter Pramstaller, Leiter des Institus für Biomedizin von Eurac Research.

Fortlaufende Nachverfolgung der positiven Fälle

Eine Fragestellung der CHRIS Covid-19-Studie ist, wie sich die Immunantwort von positiv Getesteten im Verlauf der Zeit entwickelt und für wie lange eine infizierte Person sich als immun betrachten kann. Dafür sind alle Personen, die in der Prävalenzstudie positiv getestet worden waren und alle, die schon im Vorfeld ein positives Testergebnis hatten, sowie alle, die sich im Laufe des Screenings als positiv herausstellen, dazu eingeladen, alle drei Monate einen Bluttest zur Bestimmunge der Antikörper vorzunehmen.

Auch die Menschen, die mit positiv Getesteten zusammenwohnen, sind dazu eingeladen teilzunehmen. Für die Forschung ist es besonders wichtig, ganze Familien untersuchen zu können. Denn die Forscher können davon ausgehen, dass alle Angehörigen eines Haushalts dem Virus auf dieselbe Weise ausgesetzt sind. Bei positiven und negativen Befunden innerhalb einer Familie können die Wissenschaftler besser erforschen, welche biologischen oder genetischen Faktoren eine Ansteckung begünstigen oder davor schützen.

 

Alle Informationen zur Teilnahme gibt es auf der Seite https://de.chris.eurac.edu/_startpage/chris-covid-19-studie/ 

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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19 Kommentare auf "Covid im Vinschgau: Weiter verbreitet als durch Zahlen vom Frühjahr bekannt"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Privatmeinung
Privatmeinung
Grünschnabel
13 Tage 40 Min

Ist schon schlimm, Viele infiziert und niemand krank…

Dublin
Dublin
Kinig
13 Tage 24 Min

…no net verstanden…infiziert gibt’s weiter, ah wenn net krank…
😜

allesnurzumschein
allesnurzumschein
Grünschnabel
13 Tage 16 Min
Bei den Asymptomatischen gebe ich dir absolut Recht, was aber scheinbar nur 20% ausmachen sollen beim Infektionsgeschehen. Ich denke eher, gar einige werden v.a. schwächere Symptome – sofern sie welche hatten/haben – selbst gar nicht mit Corona in Verbindung bringen, sondern als normale Erkältung/maximal Grippe abtun und aussitzen oder sich wie vorher normal unters Volk mischen. Sollte jemand dennoch “hell” genug sein und das Krankheitsbild mit Corona in Zusammenhang bringen, werden einige Schlaue und Egomanen dennoch ihr Leben normal weiterleben (wollen), da man keine Quarantäne durchmachen möchte. Kann mir vorstellen, dass leider nur ein kleiner Teil entsprechend Verantwortungsbewusstsein, Solidarität und… Weiterlesen »
sunshine
sunshine
Tratscher
12 Tage 23 h

Allesnurzumschein 95% sind mittlerweile symptomlos, wurde von Ärzten öffentlich bestätigt.
Wenn jemand bei Erkältungsanzeichen aus Solidarität freiwillig 10 Tage in Quarantäne gehen soll, dann braucht es auch mehr Solidarität von Seiten der Arbeitgeber.
Wie man liest sind die Egomanen, die trotz Quarantäne herumlaufen, entweder ausländische Erntehelfer oder alte Menschen die selbst zur Risikogruppe gehören. Soviel zur Solidarität alten Menschen gegenüber.

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
12 Tage 23 h

Heute 124 neu infizierte von 714 getesteten.

Rechner
Rechner
Universalgelehrter
12 Tage 22 h

@Privatmeinung
wer rechnen kann ist klar Vorteil.
Wir reden über acht oder neun Personen. Die meisten Infektionen sind in die Zeit des Lockdowns gefallen. Also sollten es einen nicht wundern wenn die Infektionsketten Rohrkrepierer waren.

snip
snip
Tratscher
12 Tage 22 h

Kann sein, bei ins sein aber viele schun verantwortungsbewusst und lassen sich bei Krankheit testen

allesnurzumschein
allesnurzumschein
Grünschnabel
12 Tage 18 h

@sunshine
Sowas nennt man wohl FAKE-NEWS! Aktuell steigen überall die Hospitalisierungen an. Was meinst du, WER da die Krankenhäuser füllt? Etwa Symptomlose??? 🙈🙈🙈🙈

Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
12 Tage 16 h
Die italienische Regulierungsbehörde für Kommunikation, AGCOM (nicht die Datenschutzbehörde) hat eine Verlautbarung 129-20 veröffentlicht, die besonders die Plattformbetreiber in die Pflicht nimmt, „Fake News“ über den Virus zu entfernen. Darin heißt es u.a. übersetzt in Art. 1: 1. Die Anbieter von audiovisuellen und Radio-Mediendiensten werden aufgefordert, eine angemessene und umfassende Informationsberichterstattung zum Thema “Covid 19 Coronavirus” sicherzustellen und dabei alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Aussagen maßgeblicher Experten aus Wissenschaft und Medizin zu gewährleisten, damit die Bürger verifizierte und fundierte Informationen erhalten. 3. Die Behörde behält sich das Recht vor, die Einhaltung dieser Bestimmung durch ihre Überwachungstätigkeit zu überprüfen und… Weiterlesen »
Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
12 Tage 16 h
Rohrkrepierer? “”Die italienische Regulierungsbehörde für Kommunikation, AGCOM (nicht die Datenschutzbehörde) hat eine Verlautbarung 129-20 veröffentlicht, die besonders die Plattformbetreiber in die Pflicht nimmt, „Fake News“ über den Virus zu entfernen. Darin heißt es u.a. übersetzt in Art. 1: 1. Die Anbieter von audiovisuellen und Radio-Mediendiensten werden aufgefordert, eine angemessene und umfassende Informationsberichterstattung zum Thema “Covid 19 Coronavirus” sicherzustellen und dabei alle Anstrengungen zu unternehmen, um die Aussagen maßgeblicher Experten aus Wissenschaft und Medizin zu gewährleisten, damit die Bürger verifizierte und fundierte Informationen erhalten. 3. Die Behörde behält sich das Recht vor, die Einhaltung dieser Bestimmung durch ihre Überwachungstätigkeit zu überprüfen… Weiterlesen »
Faktenchecker
Faktenchecker
Universalgelehrter
12 Tage 16 h

“In Italien wurden in den letzten 24 Stunden über 7.300 Neuinfektionen gemeldet. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie.”

sunshine
sunshine
Tratscher
12 Tage 4 h

Allesnurzumschein Dann rechne mal: Wieviele Neuinfizierte, wueviele davon im Spital, wievele davon tot. Dann hast du deine Fake-News!

rapunzel191
rapunzel191
Grünschnabel
12 Tage 23 h

Der Vinschgau ist zu windig für Viren er weht sie alle nach “Bolzano” 🤔😃😷

Mac
Mac
Grünschnabel
12 Tage 20 h

Es hot a fost niemand testet im vinschgau, vielleicht sein deswegn kuane Infektion gwesn und panik isch nor a kuane aufkemme

ma che
ma che
Superredner
12 Tage 18 h

Komisch bei der Chris Studie wurden ziemlich viele im Sommer getestet, aber die sind durch das Testen nicht krank geworden? Vielleicht doch die Kräuterhexen? 🤔

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
12 Tage 23 h

Die Situation mit den Erntehelfern hat mal also voll im Griff 🙃

berthu
berthu
Universalgelehrter
12 Tage 15 h

Die Jager in Südtirol wissen besser Bescheid über den Gesundheitszustand ihres Wildes,
als die Sanität bei der Bevölkerung!
Viel Vermutungen, Schätzungen und nix genaues…
Man redet von 2500 möglichen Tests pro Tag, macht aber nur zwischen 700 und 1500 – grad wie beliebig und hoch ungenau.

snip
snip
Tratscher
12 Tage 22 h

Dunkelziffer Faktor 20 war immer schon realistisch für Südtirol. Man brauch lei die Toten mal 100 nehmen dann hat man bei der Altersstruktur a reale Infektionszahl (30.000, ev a bissl mehr)

bislhausverstond
bislhausverstond
Grünschnabel
12 Tage 20 h

Schode dass de studie lei im vinschgau gib, fürs wipptol tats mi interessiern….obor wenn 20x soviele infizierte sein/worn, doschreckn mi die kh-zohln net

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