Von: mk
Bozen – In jeder Situation auf Hilfe zählen zu können, gibt älteren oder körperlich gebrechlichen Menschen Sicherheit und Unabhängigkeit – und ist in vielen Fällen sogar lebensrettend. Entsprechend groß ist die Nachfrage nach den Telenotrufsystemen des Weißen Kreuzes. Mehr als 2.500 Südtirolerinnen und Südtiroler vertrauten allein 2025 auf diesen Dienst, Tendenz weiter steigend. Grund genug, das Angebot laufend weiterzuentwickeln und an die sich ändernden Bedürfnisse anzupassen – beispielsweise mit der neuen Sensoren-Technologie für zu Hause. Geplant werden derzeit auch Begleitangebote, um der zunehmenden Einsamkeit entgegenzuwirken.
„Ohne den Telenotruf wäre ich jetzt nicht mehr hier“, sagt Lucio. Er hat vor mehr als einem Jahr plötzlich einen schweren Schlaganfall erlitten und schaffte es gerade noch, den Notfallknopf auf dem kleinen Sender zu betätigen, den er immer bei sich trug. Dabei hatte er den Telenotruf erst kurz zuvor beim Weißen Kreuz aktiviert, weil seine Tochter ihn dazu überredet hatte. Größere gesundheitliche Probleme hatte er bis dahin nicht. „In meinem Alter kann aber schnell etwas passieren. Zu wissen, dass dann verlässlich Hilfe kommt, ist sehr beruhigend – in meinem Fall sogar lebensrettend“.
Allein 2025 wurden über den Telenotruf 2.127 Rettungseinsätze aktiviert. „Nicht immer war die Situation so ernst. Oft waren es kleinere Unfälle oder ein plötzliches Unwohlsein. Doch auch in diesen Fällen ist schnelle Hilfe wichtig, damit die Menschen zeitnah versorgt werden können“, erklärt Reinhard Mahlknecht, Leiter der Abteilung Soziale Dienste des Weißen Kreuzes. Bei den meisten der insgesamt über 18.670 Notrufe im vergangenen Jahr konnte die Situation auch ohne Rettungsmittel geklärt werden. „Oft reicht eine einfache Hilfestellung aus. Dann kontaktieren wir eine Bezugsperson oder schauen selbst kurz vorbei – mit einfachen Fahrzeugen ohne Blaulicht und Sirene“, erklärt Mahlknecht.
Um den Dienst weiter zu verbessern, entwickelt das Weiße Kreuz seine Angebote und technischen Systeme laufend weiter. So steht neben den verschiedenen Sendern mit Notfallknopf seit kurzem ein neues Sensoren-System zur Verfügung, das mittels einer eigenen App auf potenzielle Gefahrensituationen aufmerksam macht. Damit kann Hilfe auch dann aktiviert werden, wenn Betreute es nicht mehr schaffen, den Notfallknopf selbst zu drücken.
Beim Telenotruf geht es aber nicht nur um die Geräte selbst. „Der menschliche Aspekt wird angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen immer wichtiger. Die Betreuten sollen sich geschützt und geborgen fühlen – nicht nur in Notfällen“, betont der Präsident des Weißen Kreuzes, Alexander Schmid. Dafür wird derzeit unter anderem ein neuer Begleitdienst mit Hilfe von Freiwilligen aufgebaut.
Wichtig ist für das Weiße Kreuz auch, dass die Telenotrufsysteme und Begleitangebote für alle Menschen in Südtirol zugänglich bleiben. „Wir versuchen, den Kostenbeitrag dafür sehr niedrig zu halten, indem wir alle Ressourcen gezielt und effektiv einsetzen“, erklärt Ivo Bonamico, der Direktor des Weißen Kreuzes. Wer über wenig finanzielle Mittel verfügt, könne zusätzlich beim Sozialsprengel um einen Betrag ansuchen.
Informationen dazu erteilen erfahrene Mitarbeitende des Weißen Kreuzes. Auf Anfrage erarbeiten sie gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Angehörigen geeignete Lösungen, die auf den individuellen Bedarf und die jeweilige Lebenssituation zugeschnitten sind.




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