Safer Internet Day 2026

Deepfakes und KI: Verbraucherschützer warnen vor neuen Online-Bedrohungen

Dienstag, 10. Februar 2026 | 10:44 Uhr

Von: mk

Bozen – Das Europäische Verbraucherzentrum Italien (EVZ) mit Sitz in Bozen macht anlässlich des Safer Internet Day am 10. Februar 2026 auf die Risiken aufmerksam, die von Deepfakes und KI-Technologien im Zusammenhang mit Online-Betrug ausgehen. Gleichzeitig unterstreicht das EVZ, wie wichtig es ist, manipulierte Inhalte zu erkennen und konsequent offizielle Quellen zu verwenden.

Künstliche Intelligenz ermöglicht es heute, sogenannte Deepfakes – realistisch wirkende, aber gefälschte Video- oder Audioinhalte – sehr einfach zu erstellen – etwa indem Gesichter überlagert oder Stimmen geklont werden. Generative Tools, d. h. die künstliche Erzeugung der menschlichen Sprechstimme, liefern überzeugende Inhalte, in denen sogar öffentliche Personen Dinge „sagen“, die sie nie gesagt haben. Genau das senkt die Wachsamkeit vieler Nutzerinnen und Nutzer.

„Heute reicht es nicht mehr, dem zu vertrauen, was wir online sehen oder hören: Inhalte, die mit künstlicher Intelligenz erzeugt werden, können echt wirken – auch wenn sie komplett gefälscht sind. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es unerlässlich, kurz innezuhalten, nachzudenken und nur offizielle Kanäle zu nutzen, bevor bezahlt wird oder persönliche Daten geteilt werden“, erklärt Maria Pisanó, Direktorin des EVZ Italien.

Der böswillige Einsatz von Deepfakes befeuert immer raffiniertere Betrugsmaschen – etwa gefälschte Videos, in denen angebliche Finanzbehörden oder bekannte Persönlichkeiten „auftreten“, um Seriosität vorzutäuschen. Auch künstliche Stimmen werden gezielt eingesetzt: Zum Beispiel bei „Ich ruf dich schnell an“-Betrug, bei dem die Stimme von Angehörigen oder Mitarbeitenden geklont wird, um Geld oder sensible Daten zu erpressen.

Zusätzlich verschärft Desinformation das Problem: Wer KI-Inhalte nicht sicher einordnen kann, ist deutlich leichter zu täuschen. Auch in Italien ist das Vertrauen in digitale Inhalte (Videos, Audio, „Sprachnachrichten“, die glaubwürdig klingen) zunehmend angeschlagen – mit der Folge, dass manche nach Betrugsfällen sogar Online-Käufe reduzieren.

Deepfakes erkennen – und sich wirksam schützen

Um sich zu schützen, braucht es einen kritischen Blick und ein gutes Urteilsvermögen. Experten und Sicherheitsplattformen nennen typische Warnsignale:

1. Bilddetails verraten vieles

Deepfakes zeigen oft visuelle Unstimmigkeiten, etwa unnatürliche Bewegungen (Hände, Kopf, Kamera), unlogische Licht- oder Schattenverläufe, unsaubere Ränder, unscharfe Übergänge oder Lippenbewegungen, die nicht passen. Häufige Zusatzsignale: unregelmäßiges Blinzeln, „komische“ Mimik (z. B. ein unnatürliches Lächeln) oder eine auffällig glatte, „plastikartige“ Haut.

2. Stimme klingt oft „zu perfekt“

KI-Stimmen wirken häufig monoton oder künstlich mit unnatürlichen Pausen oder kleinen Tonartefakten (Summen, Echo, „Schlieren“ im Klang). Bei verdächtigen Anrufen könne außerdem fehlende menschliche Nebengeräusche wie Atmen oder Räuspern oder eine zu gleichmäßige Sprechweise auffallen. Das ist ein klares Alarmsignal.

3. Quelle immer prüfen – nie auf Druck reagieren

Traut keinen dringenden Aufforderungen per E-Mail, Nachricht oder Telefon. Klickt nicht auf verdächtige Links. Beendet den Kontakt und meldet euch selbst über einen offiziellen Kanal, etwa über eine gespeicherte Nummer, eine Website, die händisch eingetippt wird, oder über offizielles Kontaktformular.

4. Sicherheitswort ausmachen

Man kann auch mit Familie oder Kollegen ein geheimes Sicherheitswort für Notfälle vereinbaren. Wenn jemand am Telefon oder per Videochat Geld oder private Daten verlangt, kann das Sicherheitswort vorher abgefragt werden. Wer es nicht kennt, ist sehr wahrscheinlich ein Betrüger – oft mit KI-Unterstützung.

5. Vorsicht bei QR-Codes

Auch QR-Codes können Teil der Masche sein und auf gefälschte Seiten führen, die Banken oder bekannte Dienste nachahmen. Wenn man die Herkunft nicht hundertprozentig kennt, sollte man QR-Codes nicht scannen, sondern lieber die offizielle Adresse selbst eingeben.

Bei reißerischen oder beunruhigenden Inhalten gilt es, immer zu prüfen, ob seriöse Medien oder offizielle Websites die Information bestätigen. Die Verbreitung von Deepfakes zeigt, wie wichtig geprüfte und verlässliche Informationen sind. Bei Betrugsverdacht sollte man umgehend die Postpolizei kontaktieren und keine weiteren Daten an die Kriminellen weitergeben.

Für Informationen zu Verbraucherrechten und Unterstützung bei Problemen mit Unternehmen in anderen EU-Ländern kann man sich an das Europäische Verbraucherzentrum Italien wenden.

Kurz gesagt: Die technologische Entwicklung macht einen „Zero-Trust“-Ansatz notwendig – bei unaufgeforderten Nachrichten und Kontakten gilt es, grundsätzlich skeptisch sein. Bevor man bezahlt oder persönliche Daten teilt, sollte die Anfrage immer auf Echtheit geprüft werden.

Der Safer Internet Day 2026 erinnert daran: Online-Sicherheit entsteht auch durch Alltagsentscheidungen. Korrekte Information, Aufmerksamkeit und Verifikation sind die wirksamsten Mittel für ein sichereres digitales Umfeld.

Kontakte

Das Europäische Verbraucherzentrum Italien ist Montag bis Freitag erreichbar:

Telefon

+39 06 44238090 (Büro Rom)
+39 0471 980939 (Büro Bozen/Bolzano)
E-Mail

info@ecc-netitalia.it
info@euroconsumatori.org (Büro Bozen/Bolzano)
Web

www.ecc-netitalia.it (Büro Rom)
www.euroconsumatori.org (Büro Bozen/Bolzano)

Bezirk: Bozen

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