PNRR Gesundheit

Die Gesundheitsversorgung von morgen ist wohnortnah

Montag, 21. November 2022 | 16:36 Uhr

Bozen – Am Donnerstag fand im NOI Techpark in Bozen die Fortbildungsveranstaltung „Herausforderungen und Chancen der wohnortnahen Gesundheitsversorgung – eine Analyse des PNRR“ statt.

Ziel der Veranstaltung war es, eine Bestandsaufnahme vorzunehmen, Szenarien zu antizipieren sowie die Vorteile und Herausforderungen der wohnortnahen Gesundheitsversorgung aufzuzeigen, die ja eine der Säulen des Wiederaufbauplans Gesundheit (PNRR – Nationaler Aufbau- und Resilienzplan) ist. Auch sollte die Wichtigkeit einer möglichst bürgernahen Gesundheitsversorgung sowie der Unterstützung der Patientinnen und Patienten und ihrer Familien unterstrichen werden. All dies mit dem Ziel, die Notaufnahmen sowie die Krankenhäuser zu entlasten und den enormen Arbeitsaufwand für Basisärzte und Kinderärzte freier Wahl zu verringern. Eine Netzwerkarbeit also, die auch die Sozialdienste sowie die sie umgebenden Bereiche des Freiwilligensektors mit einbezieht. Viele Fachleute, sei es aus dem Bereich Gesundheit, sei es aus anderen Bereichen, aus Südtirol und anderen Regionen Italiens, waren im NOI Tech Park zugegen. Thematisiert wurden unter anderem die neuen Infrastrukturen, die bis 2026 – auch dank der Mittel aus dem PNRR- errichtet werden sollen, wie etwa die Wohnortnahen Einsatzzentralen (WONE), die Gemeinschaftshäuser sowie die Gemeinschaftskrankenhäuser. Diskutiert wurde aber auch die Möglichkeit, technologische Innovationen – wie etwa die Telemedizin – einzuführen, welche die Lebensqualität der Patienten – besonders mit Blick auf die allgemeine Überalterung der Bevölkerung – verbessern könnte. Beleuchtet wurde auch die zentrale Rolle des/der „Familienkrankenpfleger/in“ als Bezugsperson für das Pflegemanagement bei den Patientinnen und Patienten Zuhause.

Florian Zerzer, Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, eröffnete die Veranstaltung: „Wir wissen, dass – wenn man vor großen Veränderungen steht – man am Anfang viel Ressourcen und Zeit investieren muss, bevor man eine derartige Umstrukturierung wie diese durchführen kann. Wir brauchen ein gemeinsames Vorgehen, denn wenn es stimmt, dass Einigkeit stark macht, bin ich überzeugt, dass wir gemeinsam auch diese Herausforderung des Wiederaufbauplans Gesundheit meistern können. Es wird entscheidend sein zu verstehen, dass es nicht nur darum geht, die Organisation der wohnortnahen Gesundheitsversorgung zu überdenken, sondern die aller Sozial- und Gesundheitsdienste jedweder Ebene. Wir werden nur dann Erfolg haben, wenn wir alle gemeinsam an einem Strang ziehen.“

Isabella Mastrobuono, Ansprechpartnerin für den Bereich Gesundheit des „PNRR“ in Südtirol, hob die mit dem Plan verbundenen Ziele und Möglichkeiten hervor: „Das Hauptziel ist es, die Dienstleistungen näher an die Patienten und Patientinnen zu bringen und so zu vermeiden, dass diese zwischen den verschiedenen Einrichtungen des Sanitätsbetriebes hin- und herpendeln müssen. Es müssen Netzwerke geschaffen werden, welche die Personen unterstützen und eine koordinierte Antwort auf ihre Probleme bieten können. Dahinter steht die Humanisierung der Pflege, die keine Revolution, sondern eine umfassende Neuorganisation der Dienstleistungen darstellt. Südtirol verfügt bereits über ausgezeichnete Instrumente, es müssen nur noch Maßnahmen ergriffen werden, um diese zu harmonisieren und aufeinander abzustimmen. Was wird für den Erfolg des „PNRR“ entscheidend sein? Die Koordinierung zwischen den Hausärzten – die dabei eine zentrale Rolle spielen – und allen anderen Berufsgruppen der Gesundheitsversorgung vor Ort. Mit einem Wort: das Team. Die Fähigkeit, als Mannschaft zusammenzuarbeiten, wird entscheidend sein.“

Unter den Rednern war auch Günther Burger, Direktor des Ressorts für Gesundheit, Breitband und Genossenschaften des Landes Südtirol: „Wir müssen in der Lage sein, Krankheiten vorzubeugen und Patientinnen und Patienten so weit wie möglich zu Hause zu behandeln, weil sie dort besser betreut werden können. Dies gilt besonders bei chronischen Krankheiten, wo der Patient von einem multidisziplinären Team in Einrichtungen betreut werden sollte, in denen verschiedene Akteure zusammenarbeiten, um den besonders gefährdeten Personen die beste Versorgung bieten zu können.
Hinzu kommt, dass die nicht unbedingt notwendige Belegung von Krankenhausbetten hohe Kosten für die Gemeinschaft verursacht. Die Ressourcen werden also nicht effizient genug für die Pflege chronisch Kranker eingesetzt“, erklärte Burger. „Die Herausforderung des PNRR sind deren zwei: Auf der einen Seite stehen die im Plan vorgesehenen strukturellen Veränderungen, auf der anderen Seite die Leitlinien für die Erneuerung und Neuorganisation der wohnortnahen Pflege. Um die geplanten Ziele zu erreichen, müssen diese beiden Aspekte Hand in Hand gehen. Bei all dem wird auch die soziale und gesundheitliche Integration entscheidend sein.“

Marianne Siller, Pflegedirektorin des Südtiroler Sanitätsbetriebes, zog dagegen Bilanz über die bereits ergriffenen und die noch bevorstehenden Maßnahmen: „Der Weg wird lang und nicht ohne Herausforderungen sein. Eine starke Organisation ist unerlässlich, denn Initiative allein reicht nicht. Mit der Verwirklichung der wohnortnahen Gesundheitsversorgung werden wir auch über das Jahr 2026 hinaus beschäftigt sein. Wir sind aber jetzt schon bereit, am 5. Dezember mit den Wohnortnahen Einsatzzentralen (WONE) in Bozen und im Unterland zu beginnen. Die Wohnortnahen Einsatzzentralen in Meran, Brixen und Bruneck sollen im Laufe des Jahres 2023 ihren Dienst aufnehmen. Darüber hinaus haben wir mit den Kursen für Familien- und Gemeindekrankenpflege begonnen. In der Hälfte unserer Bezirke führen wir die familienzentrierte Pflege ein. Dann wird die Palliativversorgung – ein weiterer Kernpunkt des PNRR – in allen vier Bezirken standardisiert und gefördert. Darüber hinaus werden auch Betreuungspfade für Patienten und Patientinnen mit den häufigsten chronischen Krankheiten in unserer Provinz aktiviert werden. Um alle neuen Einrichtungen nach den Vorgaben des Ministeriums vollständig in Betrieb nehmen zu können, benötigen wir etwa 280 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Ärzte/Ärztinnen, Krankenpfleger/innen, Hilfskrankenpfleger/innen, Verwaltungspersonal und Sozialassistentinnen und -assistenten. Es ist klar, dass es sich dabei nur zum Teil um neues Personal handeln wird. Wir werden auch eine Bestandsaufnahme dessen machen müssen, was derzeit in den Krankenhäusern und Bezirken funktioniert. Alle ergriffenen und noch zu ergreifenden Initiativen werden uns auf dem Weg zu einem nachhaltigen, auf wohnortnahe Versorgung basierendes Gesundheitssystem voranbringen.“

Auch für Josef Widmann, Sanitätsdirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes, heißt das Schlüsselwort Netzwerk: „Mein Eindruck ist sehr positiv, was die Planung betrifft. Wir befinden uns in schwierigen Zeiten und deshalb ist der „PNRR“ umso wichtiger. Die Umsetzung des Planes ist zwingend notwendig, denn Zukunft des Gesundheitswesen wird von chronischen Krankheiten bestimmt sein.
Ein weiterer äußerst wichtiger Punkt ist die Vernetzung von Gesundheits- und Sozialdiensten. Da ist es, das Zauberwort: Netzwerk! Die Herausforderung für das Management wird darin bestehen, den richtigen Weg zu finden, indem wir einen Schritt nach dem anderen wagen und uns nicht von Fristen oder kritischen Fragen, die auf uns zukommen werden, einschüchtern lassen.“

Das vollständige Video der Fortbildungsveranstaltung „Herausforderungen und Chancen der wohnortnahen Gesundheitsversorgung: eine Analyse des PNRR“, die auch via Streaming verfolgt werden konnte, wird in Kürze auf den Kanälen des Südtiroler Sanitätsbetriebes abrufbar sein.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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7 Kommentare auf "Die Gesundheitsversorgung von morgen ist wohnortnah"


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ebbi
ebbi
Universalgelehrter
16 Tage 15 h
Kurzfassung: niemand soll mehr ins KH, da es zu viel kostet. Die Menschen sollen darum “wohnortnah” von einem multidisziplinären Team versorgt werden. Klingt auf dem Papier und von der Bühne alles gut. Die reale Umsetzung macht mir aber Sorgen 1. woher kommt das Personal? jetzt haben wir schon zuwenig Hausärzte, Krankenpfleger und Sozialassistenten, die Pensionierungswelle kommt erst ins rollen und die bestens bekannte demografische Welle rollt auch erst auf uns zu. 2. Telemedizin: dazu müssen die Hausärzte erst mal mit den notwendigen technischen Geräten ausgestattet werden und die Patienten damit umgehen können. 3. Familienkrankenpfleger klingt ja gut, aber das Hauptproblem… Weiterlesen »
thomas
thomas
Kinig
16 Tage 13 h

viel heisse Luft, bestehendes wird demoliert, mit Luftschlössern wird wenig geheilt werden. Das kann ein böses Erwachen ergeben

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
16 Tage 15 h

Multidisziplinäres Team klingt ja gut, aber jeder, der Teamarbeit kennt, weiß auch, dass es häufig nichts anderes ist, als sinnloses herumtelefonieren und diskutieren zwischen verschiedenen Berufsgruppen, die ihre Kompetenzen nicht klar haben. Teamarbeit funktioniert nur, wenn jeder seine Kompetenzen kennt und sich daran hält. Vom Einhalten der Privacybestimmungen hört man hier auch nichts mehr. Grundsätzlich gute und sinnvolle Ansätze, die Umsetzung sehe ich jedoch sehr schwierig und ich habe Zweifel, ob man damit die gewaltigen Probleme der Zukunft bewältigen kann.

Nun ja
Nun ja
Neuling
16 Tage 9 h

“Wir werden auch eine Bestandsaufnahme dessen machen müssen, was derzeit in den Krankenhäusern und Bezirken funktioniert.”
Na das geht ja ganz schnell in 2 bis 3 Minuten…. und dann kann man das Wenige, das funktioniert, mit dem Umbau von Luftschlössern auch noch demolieren.
Als erstes würde man vielleicht in den Vormerkstellen mal jemanden hinsetzen, der eine Mail lesen oder das Telefon abnehmen kann.

giftzwerg
giftzwerg
Grünschnabel
16 Tage 7 Min

Die sanität hat in südtirol mal funktioniert.

Qualitäts manegment (jede menge führungskräfte und büros ) und burokratie haben das erledigt.

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
16 Tage 2 h

Ein Blick in die Nachbarländer brächte neue Erkenntnisse….

krokodilstraene
Tratscher
16 Tage 29 Min

mancher hat sehr viel nichts zu sagen und hört sich noch sehr viel mehr gerne reden…

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