Yessica P. hat über 40 Tage auf der Straße gelebt

Endlich ein warmer Platz zum Schlafen

Mittwoch, 21. Dezember 2022 | 10:26 Uhr

Bozen – Yessica P. hat nach rund 40 Tagen endlich einen warmen Platz zum Schlafen gefunden. Wie berichtet, lebte die 20-Jährige in Bozen auf der Straße. Weil mehrere Frauen aus Gries sie mit Decken und Essen versorgten, schaffte sie es, die Kälte und die Einsamkeit zu überstehen.

Nachdem ihr Schicksal bekannt geworden war, boten private Bürger, aber auch der Betrieb für Sozialdienste von Bozen seine Unterstützung an. Nun wird ihr Fall offiziell betreut. Yessica ist volljährig und hat aus eigenen Stücken entschieden, wohin sie geht. Die Frauen aus Gries, die sie bislang unterstützt haben, sind erleichtert. Die 20-Jährige hat jetzt die Chance, von vorne anzufangen.

Yessica ist den Mitarbeitern der Sozialdienste bereits bekannt. Doch seit ein paar Wochen war sie aus dem Blickfeld der Streetworker verschwunden, zumal sie sich in einem Winkel im Laubengang vor der Guntschnapromenade zurückgezogen hatte.

Die Adoptiveltern von Yessica zeigten sich sehr betrübt über die Situation, in die ihre Tochter geraten ist. Wie berichtet, stammt die 20-Jährige ursprünglich aus Ecuador und wurde im Alter von sieben Jahren von einem italienischen Paar aufgenommen.

„Wir hatten seit 40 Tagen keine Nachricht von ihr. Wir hatten Angst, dass ihr etwas Schlimmes zugestoßen ist“, erklären die Eltern laut einem Bericht der italienischen Tageszeitung Alto Adige. Wie die Eltern betonen, haben sie Yessica nicht vor die Tür gesetzt. „Im Gegenteil, wir haben in an all den Jahren alles gemacht, um sie zu unterstützen“, so die Eltern. Die Entscheidung, den Kontakt abzubrechen, sei ihre gewesen.

Die Eltern hätten lediglich die Einhaltung gewisser Regeln verlangt. Doch Yessica hat sich damit nicht immer leicht getan. Aus ihrer Erzählung ergibt sich ein komplexes Bild. „Wir sind sehr mitgenommen. Bei der Schule und bei der Arbeit sind wir ihr beigestanden. Aber um konkrete Ergebnisse zu erzielen, braucht es auch eine bestimmte Entschlossenheit von ihrer Seite“, erklären die Eltern. Diese sei allerdings nicht immer vorhanden gewesen. „Wenn sie möchte, kann sie weiterhin auf unsere Unterstützung zählen.“

Viele junge Menschen tun sich schwer, ihren Platz im Leben zu finden. Manche von ihnen ziehen sich am Rand der Gesellschaft zurück – eine Situation, die auch die Familie belastet und die die Angehörigen mit Problemen konfrontiert, die größer sind als sie selbst.

Zum Glück gibt es Menschen wie jene Frauen aus Gries, die Yessica geholfen haben. Sie haben ihre Bürgerpflicht wahrgenommen und ihrem Nächsten geholfen. „Wenn ihr etwas Schlimmes zugestoßen wäre, hätten wir uns verantwortlich gefühlt“, erklären die Frauen. Leider gibt es viele Menschen wie Yessica, die auf der Straße unter dem Radar ihr Dasein fristen und nicht wahrgenommen werden.

Zwar treffen sie ihre eigenen Entscheidungen über ihre Zukunft. Doch die Gesellschaft hat die Pflicht, ihnen einen warmen Platz zum Schlafen, Essen und psychologische Betreuung zur Verfügung zu stellen.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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11 Kommentare auf "Endlich ein warmer Platz zum Schlafen"


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rantanplan
rantanplan
Tratscher
1 Monat 14 Tage

rennt freiwillig ohne plan von zuhause weg…..wenn das stimmt was im artikel steht tut sie mir auch nicht leid…zudem ist sie ja volljährig u geimpft🤔

Staenkerer
1 Monat 13 Tage

tjo, vieleicht woaß se in zukunft es dahoam zu schätzn und sei es lei wegnen wormen bett!

der_jolly
der_jolly
Tratscher
1 Monat 14 Tage

wie sicher einige hier habe ich mir gestern über den Beitrag schon meinen Teil gedacht und gewundert, dass diese Geschichte eine solch große Plattform erhält.
Schade dass in der heutigen Gesellschaft gerne andere für das eigene Versagen verantwortlich gemacht werden ohne die Schuld auch bei sich selber zu suchen.
Gut, dass die Adoptiveltern so zumindest die Möglichkeit hatten, ihre Sichtweise zu schildern.

Paladin
Paladin
Superredner
1 Monat 14 Tage

Es gibt immer zwei oder noch mehr Seiten zu einer Lebensgeschichte. Offensichtlich scheint es hier Klärungsbedarf innerhalb der Familie zu geben. Bevor man sich nun zu voreiligen Schlüssen pro oder contra der Eltern, bzw. Yessica verleiten lässt, sollten alle Beteiligten zunächst einmal froh sein, das eine zwischenzeitliche Lösung gefunden wurde. Alles weitere soll dann bitte im privaten Kreis geklärt werden. Der gesamten Familie alles Gute!

Trina1
Trina1
Kinig
1 Monat 14 Tage

Ich wünsche ihr, dass sie ihr Leben in den Griff bekommt freue mich über die Hilfe welche sie bekommt! Regeln zu respektieren das ist leider ein Problem vieler Jugendlichen.

Leonor
Leonor
Universalgelehrter
1 Monat 14 Tage

Vor einigen Monaten wurde ihr Vertrag in einem Supermarkt nicht erneuert. Seitdem hat sie keine Arbeit mehr gefunden.

Ihr wurde Vertrag nicht verlängert? Vielleicht auch deshalb die Regeln bei der Arbeit nicht so genau genommen?

Staenkerer
1 Monat 13 Tage

und wos hot sie sich in meran verhofft, ohne geld, ohne bleibe, ohne jemand den se do kennt?

krokodilstraene
krokodilstraene
Tratscher
1 Monat 14 Tage

Wenn man jetzt auch die Aussagen der Eltern liest, kann man sich auch in etwa ein Bild machen, warum ihr der Arbeitsplatz gekündigt worden ist.
Nicht immer ist die Gesellschaft schuld an einen persönlichen Schicksal.

Wünsche der jungen Frau, dass sie ihr Leben in den Griff bekommt!!

lago
lago
Grünschnabel
1 Monat 13 Tage

die Eltern tun mir leid.

Mimispatz
Mimispatz
Grünschnabel
1 Monat 14 Tage

an die Frauen aus Gries : Bravo : ein Beispiel von praktizierten Nächstenliebe…

Pully
Pully
Tratscher
1 Monat 14 Tage

Bravo schauen obs klappt

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