Grausamer Betrug in Gröden

Ex-Arbeitskollegin täuscht den Tod ihrer Tochter vor

Mittwoch, 13. Mai 2026 | 10:12 Uhr

Von: mk

Wolkenstein – Es ist ein Fall von erschütterndem Zynismus, den die Carabinieri aus Wolkenstein nach einer akribischen Untersuchung ans Licht gebracht haben. Eine 53-jährige Frau aus Venetien steht im Verdacht, eine ehemalige Arbeitskollegin aus Gröden mit einer grausamen Täuschung um ihr Erspartes gebracht zu haben. Um Mitleid zu erregen, schreckte die mutmaßliche Täterin nicht davor zurück, den Tod ihrer eigenen Tochter zu inszenieren.

Die Wege der beiden Frauen hatten sich vor Jahren in einem Hotelbetrieb in Südtirol gekreuzt. Die 53-Jährige soll das einstige Vertrauensverhältnis ausgenutzt haben, um ein makaberes Komplott zu schmieden. Zwischen Februar und März 2026 kontaktierte die Verdächtige die Grödnerin per Messenger und zeichnete ein dramatisches Bild: Ihre schwangere Tochter liege in einer Schweizer Klinik im Sterben. Die täglichen Behandlungskosten von 1.700 Euro seien für sie unerschwinglich.

Bewegt von aufrichtigem Mitgefühl, überwies die Frau aus Gröden mehrfach Geld. Doch für die Betrügerin war das Maß immer noch nicht voll: So erzählte sie er Grödnerin vom angeblichen Tod ihrer Tochter, verkündete jedoch gleichzeitig das Überleben des neugeborenen Enkelkindes. Für die ausstehenden Krankenhausrechnungen forderte sie weiteres Geld.

Um ihre Lügen glaubhaft zu machen, griff die Frau zu modernen digitalen Täuschungsmitteln: Die Bilder des vermeintlichen Frühgeborenen stammten schlichtweg aus dem Internet, während Fotos der Trauerfeier mithilfe von Künstlicher Intelligenz erzeugt wurden. Dabei wurden Aufnahmen einer realen Beerdigung aus der Vergangenheit so manipuliert, dass sie perfekt in das aktuelle Lügenkonstrukt passten.

Das Kartenhaus stürzte erst ein, als ein Familienmitglied der Grödnerin misstrauisch wurde und durch eine Internetrecherche die Fälschung des Bildmaterials entlarvte.

Nach der Anzeige reagierten die Carabinieri von Wolkenstein sofort. Durch die professionelle Rückverfolgung der Geldflüsse in Zusammenarbeit mit den Banken konnte die Kontoinhaberin zweifelsfrei identifiziert werden. Insgesamt wurde die Grödnerin um 1.550 Euro betrogen.

Mit den Beweisen konfrontiert, legte die Frau schließlich ein Geständnis ab. Ihr Motiv war erschreckend banal: Wie sie erklärte, habe sie aus purer Geldnot gehandelt. Sie wurde nun bei der Staatsanwaltschaft Bozen wegen Betrugs angezeigt.

Bezirk: Salten/Schlern

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