Von: APA/AFP
Nach wochenlanger Verzögerung wegen technischer Probleme öffnet sich am 1. April das Zeitfenster für den Start der US-Mondmission Artemis 2. Drei Astronauten und eine Astronautin sollen zehn Tage lang in einer Orion-Kapsel den Mond umrunden, aber nicht auf dem Erdtrabanten landen. Es wäre der erste bemannte Flug Richtung Mond seit der Landung von Apollo 17 im Jahr 1972.
Das Artemis-Programm wurde während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump gestartet. Ziel ist eine dauerhafte Präsenz von Menschen auf dem Mond und die Vorbereitung späterer Missionen zum viel weiter entfernten Mars. Bei der Mission Artemis 1 hatte 2022 ein unbemanntes Raumschiff den Mond umrundet. Die Folgemission Artemis 2 soll nun drei Astronauten und eine Astronautin in eine Mond-Umlaufbahn bringen. Nach derzeitigem Stand wird 2028 dann eine Mondlandung anvisiert.
Anders als bei den Apollo-Missionen zwischen 1969 und 1972 arbeitet die NASA diesmal sowohl mit der Privatwirtschaft als auch mit anderen Ländern zusammen, vor allem in Europa. Die Raumfahrtunternehmen SpaceX und Blue Origin der US-Milliardäre Elon Musk und Jeff Bezos wurden von der NASA etwa mit der Entwicklung von Mondlandefähren beauftragt.
Vielfältige Crew
Artemis 2 ist der erste Mondflug, an dem eine Frau, ein Schwarzer und ein nicht aus den USA stammender Astronaut teilnehmen. Das Kommando in der Orion-Kapsel übernimmt der 50-jährige US-Astronaut Reid Wiseman, ein ehemaliger Marine- und Testpilot, der auch schon die Astronautenabteilung der NASA leitete. “Die Rakete ist bereit, wir sind bereit, die NASA ist bereit”, sagte er am Freitag.
Der Pilot des Raumschiffs ist der 49-jährige Victor Glover, ebenfalls ein ehemaliger Testpilot der US-Marine. Er ist der erste Schwarze, der an einer Mondmission teilnimmt. Die 47-jährige US-Ingenieurin Christina Koch ist als erste Frau an Bord. Der Kanadier Jeremy Hansen, ein 50-jähriger Ex-Kampfpilot, ist der erste Nicht-US-Stämmige.
Riesenrakete fungiert als Träger
Als Trägerrakete der Orion-Kapsel soll die im Auftrag der NASA entwickelte Riesenrakete SLS zum Einsatz kommen. Die 98 Meter hohe Rakete steht auf der Startrampe im Kennedy Space Center in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida bereit. Wegen der komplexen Flugbahn kann die Rakete nur in bestimmten Zeitfenstern starten.
Nach dem Start fliegt die Crew nicht direkt zum Mond: Die SLS-Rakete wird die Orion-Kapsel zuerst in die Erdumlaufbahn bringen. Dort soll die Crew verschiedene Tests vornehmen, um sicherzustellen, dass das Raumschiff, das bisher noch nie mit Besatzung geflogen ist, bereit ist für die Reise zum Mond. Geplant ist etwa, die manuelle Steuerung des Raumschiffs zu testen.
Danach soll die Kapsel die Erdumlaufbahn verlassen und Kurs auf den Mond nehmen. Auf dem Weg dahin soll die Crew weitere Tests und Experimente vornehmen. Wenn die Kapsel den Mond umrundet und sich auf dessen Rückseite befindet, wird der Kontakt zur Bodenkontrolle für kurze Zeit unterbrochen sein. Die Crew wird dann weiter von der Erde entfernt sein als die Besatzung der spektakulär gescheiterten Mondmission Apollo 13, die bisher diesen Rekord hielt.
Möglicher Landeplatz soll erkundet werden
Bei der Mondumrundung soll die Crew auch einen möglichen Landeplatz für die Mission Artemis 4 erkunden. Die NASA plant eine Landung am Südpol des Mondes, wo noch nie ein Mensch gewesen ist.
Der Rückflug zur Erde soll dann über eine sogenannte freie Rückkehrbahn erfolgen, bei der das Raumschiff allein durch die Mondschwerkraft und ohne zusätzlichen Antrieb wieder auf Kurs zur Erde gebracht wird. Nach drei bis vier Tagen steht der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre an, einer der gefährlichsten Momente der ganzen Mission.
Bei der Generalprobe für die Mondumrundung, der unbemannten Mission Artemis 1, gab es unerwartete Probleme. Der Hitzeschild des Raumschiffs wurde stark beschädigt. Die NASA hat die Flugbahn nun angepasst, um die Kapsel einer weniger extremen Belastung auszusetzen. Nach dem Wiedereintritt soll das Raumschiff von Fallschirmen weiter abgebremst werden und vor der Küste Kaliforniens im Pazifik aufsetzen.
Technologie aus Europa und Österreich fliegt mit
Mit Artemis 2 fliegt auch Technologie aus Europa und Österreich mit zum und rund um den Mond. Die Firma Magna aus Graz hat Hochdruckleitungen für die Flüssigtanks der Rakete geliefert. An die Unterseite der “Orion”-Kapsel ist das “European Service Modul” (ESM) angedockt, für das die Europäische Raumfahrtagentur (ESA) verantwortlich zeichnet. Das ESM liefert den Hauptantrieb der Kapsel und stellt Energie bereit. Zudem sind darin der Treibstoff, Wasser, Sauerstoff und Stickstoff gespeichert. Es ist also das essenzielle Modul für die lebenserhaltenden Systeme.
Als “zentrales Nervensystem” von Orion und dem ESM verbindet das vom Wiener Hightech-Unternehmen TTTech entwickelte “TTEthernet-Netzwerk” zahlreiche Sensoren, Computer und antriebstechnische Bauteile (Aktuatoren) miteinander. Dieses Gesamtsystem ist für verschiedene sicherheitskritische Funktionen wie Flugsteuerung oder Lebenserhaltungssysteme zuständig. Über das Netzwerk können aber auch nicht-kritische Aufgaben, wie etwa die Videokommunikation, ablaufen, wie TTTech mitteilte. Messsysteme des steirischen Messtechnikherstellers Dewetron spielen u.a. bei der Datenerfassung und Echtzeitüberwachung der Mission eine Rolle, um Daten über die Startumgebung aufzuzeichnen. Auch Johanneum Research aus Graz war beim Artemis-Programm bereits mit Technologie und Know-how beteiligt.
(S E R V I C E – NASA-Information zu Artemis 2: https://go.apa.at/R0J4bLLd )




Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen