Patienten klagen über lange Wartezeiten

Hausärztemangel in Bozen: 22 Stellen derzeit unbesetzt

Donnerstag, 12. März 2026 | 08:30 Uhr

Von: luk

Bozen – Im Gesundheitsbezirk Bozen fehlen derzeit 22 Hausärzte. Statt der vorgesehenen 79 Allgemeinmediziner sind aktuell nur 57 tätig, was für viele Patientinnen und Patienten zunehmend spürbare Folgen hat. Darauf weist die Präsidentin der Ärztekammer, Astrid Marsoner, hin. Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2025. Für 2026 sei der tatsächliche Bedarf noch nicht neu berechnet worden.

Kritik an neuen „Gemeinschaftshäusern“

Das Gesundheitsressort setzt unter anderem auf neue Gemeinschaftseinrichtungen im Gesundheitswesen. Eine solche Einrichtung soll im Mai im Stadtteil Gries/Quirein am Loew-Cadonna-Platz eröffnet werden.

Marsoner zeigt sich jedoch skeptisch. Die Stärke der hausärztlichen Versorgung liege im Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient sowie in der langfristigen Kenntnis der Krankengeschichte. Wenn man glaube, die Versorgung allein durch solche Strukturen zu lösen, sei das ein Irrtum. Ohne ausreichende Hausärzte würden viele Patientinnen und Patienten letztlich in der Notaufnahme landen, wird sie von der Zeitung Alto Adige zitiert.

Patienten klagen über lange Wartezeiten

Auch in der Bevölkerung wächst der Unmut. Viele Bozner berichten, dass es schwierig sei, überhaupt einen Hausarzt zu finden. Ärztinnen und Ärzte hätten bereits sehr viele Patienten, wodurch Termine knapp und Telefonleitungen häufig überlastet seien.

Die Kritik richtet sich auch an den Landesrat für Gesundheit Hubert Messner. Dieser fordere zwar, die Notaufnahme nicht unnötig zu belasten und sich zunächst an den Hausarzt zu wenden – doch genau dieser sei oft schwer erreichbar.

Besonders schwierige Lage in Oberau

Besonders problematisch ist die Situation im Stadtteil Oberau. Ein 84-jähriger Bewohner berichtet, dass eine Ärztin Ende März ihre Tätigkeit beendet und der verbleibende Arzt keine neuen Patienten mehr aufnehmen kann. Er wurde deshalb an eine Praxis in Leifers verwiesen und müsse dafür zwei Busse nehmen. Viele ältere Menschen im Viertel seien in einer ähnlichen Lage.

Sanitätsbetrieb spricht von „ernster Situation“

Der Südtiroler Sanitätsbetrieb bestätigt, dass die Lage in der hausärztlichen Versorgung angespannt sei – ähnlich wie in vielen anderen Regionen Italiens. Gleichzeitig betont er, dass grundsätzlich alle Bürger weiterhin einem Hausarzt zugewiesen werden können.

Ende 2025 arbeiteten in Südtirol 310 Hausärzte, davon 278 mit unbefristetem Vertrag und 32 mit provisorischem Auftrag. Im Gesundheitsbezirk Bozen seien etwa zehn Prozent der Ärzte nur vorübergehend beschäftigt, um den Dienst aufrechtzuerhalten. Ein zusätzlicher Engpass entstand durch eine Pensionierung Ende des vergangenen Jahres.

Feste Stellen nur einmal jährlich ausgeschrieben

Wenn ein Arzt in Pension geht oder kündigt, werde zwar immer eine Ersatzlösung organisiert. Eine dauerhafte Nachbesetzung könne jedoch erst im Rahmen der jährlichen Ausschreibung im Juni erfolgen. Findet sich kein geeigneter Kandidat, kann der provisorische Auftrag um ein weiteres Jahr verlängert werden.

Anforderungen an neue Ärzte

Ärztekammerpräsidentin Marsoner betont, dass für eine feste Stelle zwei Voraussetzungen gelten: Zweisprachigkeitsnachweis sowie eine spezialisierte Ausbildung in Allgemeinmedizin. Diese Qualitätsstandards müssten unbedingt eingehalten werden, um eine gute medizinische Versorgung sicherzustellen.

Bezirk: Bozen

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