Eruptionen, die den Globus verändern

In Bozen sieht man die Macht der Supervulkane

Sonntag, 15. März 2026 | 08:12 Uhr

Von: mk

Bozen – Wenn sie ausbrechen, sind Vulkane sind eine Gefahr für eine ganze Region. Supervulkane können dagegen Auswirkungen auf die ganze Welt haben. Während die Phlegräischen Felder in der Nähe von Neapel unter der Oberfläche brodeln, hat ein Supervulkan in der Gegend in Bozen die Landschaft vor Millionen von Jahren geprägt. Spuren zeugen noch heute davon.

Der Homo Sapiens bevölkert die Erde seit mindestens 200.000 Jahren. Doch Erfolgsgeschichte des Menschen ist fragiler, als man vermutet. Ein sprunghafter Anstieg des Schwefelgehaltes in der Atmosphäre, den Forscher mit Eisbohrungen in der Antarktis nachgewiesen haben deutet daraufhin, dass die Menschheit vor 74.000 Jahren schon einmal fast am Abgrund stand.

Als Ursache wird die Eruption des Vulkans Toba auf der indonesischen Insel Sumatra vermutet. Heute befindet sich dort der Toba-See, bei dem es sich den größte Krater-See der Erde handelt – mit 100 Kilometern Länge und 30 Kilometern Breite.

Mehr als 4.000 Kubikkilometer Asche, Gas und vulkanisches Gestein wurden bei dem Ausbruch in Atmosphäre gestoßen. Eruptionswolken mit Temperaturen bis zu 800 Grad türmten sich acht Kilometer in die Höhe. Sämtliches Leben wurde vermutlich in einem Umkreis von 100 Kilometern ausgelöscht.

Nach der Hitze folgt die globale Abkühlung: Weil das ausgestoßene Schwefeldioxid das Sonnenlicht blockiert haben könnte, dürften die Temperaturen weltweit gesunken sein.

Der Yellowstone-Nationalpark

Die Gefahr, die von Supervulkanen ausgeht, beschränkt sich nicht nur auf den Pazifischen Feuerring. Auch in Nordamerika liegt ein solcher Vulkan – unter dem von Geysiren und über 10.000 heißen Quellen geprägten Yellowstone-Nationalpark (im Bild). Dessen Ausbruch könnte noch verheerender sein, zumal in mehreren Kilometern Tiefe sich eine Magmakammer über rund 90 mal 40 Kilometer befindet.

Die Phlegräischen Felder

Auch die Phlegräischen Felder sind nach wie vor aktiv. Bei einem Großausbruch vor 15.000 Jahren wurden 40 Kubikmeter Material ausgestoßen und 1000 Quadratkilometer Bodenfläche zerstört. 1538 fand der letzte größere Ausbruch – die Monte-Nuovo-Eruption– statt, die acht Tage lang dauerte und den Ort Tripergole zerstörte. 24 Menschen kamen ums Leben. Aus dem ausgeworfenen Material entstand der der Monte Nuovo, was übersetzt „neuer Berg“ bedeutet. Der angrenzende Lago d’Averno – ein mit Wasser gefüllter Vulkankrater – wurde unterdessen vom Meer abgeschnitten.

Das Jahr 2025 war in der Region um Pozzuoli von einer starken geologischen Unruhe geprägt, die am 13. März mit einem Rekordbeben der Stärke 4,6 ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte. Diese Erschütterung verursachte Schäden an Gebäuden und versetzte die Bevölkerung in Angst. Eine Frau wurde schwer verletzt.

Trotz dieser dramatischen Ereignisse gab die Wissenschaft im Juli vorsichtige Entwarnung: Eine Analyse langjähriger Erdbebensignale zeigte, dass die tiefe Verbindung zwischen dem Magma-Reservoir und der Oberfläche stabil geblieben ist, was auf ein noch immer intaktes Deckgebirge hindeutet.

Im Herbst nahm die Dynamik jedoch wieder zu, da sich der Boden im Oktober mit rund 20 mm pro Monat schneller hob und innerhalb einer Woche 178 kleinere Beben registriert wurden. Zwar deuten der hohe Gasausstoß und Temperaturen von bis zu 170 °C an der Solfatara derzeit nicht auf einen echten Vulkanausbruch hin, doch warnen Experten vor möglichen Wasserdampfexplosionen. Neue Erkenntnisse lieferte zudem eine Ende Oktober veröffentlichte Studie, die durch eine präzisere Datenauswertung eine bisher unbekannte Spalte im Meeresboden südlich von Pozzuoli entdeckte.

Der Supervulkan in Bozen

Einer der größten Vulkanausbrüche der Weltgeschichte ging vom Bozner Supervulkan aus, der sich am Ende des Erdaltertums von Meran bis Trient erstreckte und über einen Zeitraum von zwölf Millionen Jahren immer wieder aktiv war.

Das verheerende Ereignis fand vor 280 Millionen Jahren statt: Das Gebiet des heutigen Südtirols auf dem damals einzigen großen Kontinent Pangäa lag in den Tropen nahe dem Äquator. Als Eurasien und Afrika im Laufe der Jahrmillionen auseinanderbrachen, entstand zwischen den beiden neuen Kontinenten ein Ozean (in dem sich durch Riffbildung und Kalkablagerungen die späteren Dolomiten bildeten) und ein Vulkanismus, bei dem Magma aus dem Erdmantel an die Erdoberfläche aufstieg.

Einer dieser Vulkane – eines der bedeutendsten Vulkanereignisse der Weltgeschichte mit einem der größten Ausbrüche – brodelte im Raum zwischen Meran und Trient: Der sogenannte Supervulkan von Bozen erreichte einen Durchmesser von rund 70 km und bestand aus mindestens zwei kesselförmigen Strukturen (Calderen), von denen noch Spuren nördlich der Stadt, im Nonstal und in der nördlichen Valsugana zu sehen sind. Er bestand aus einzelnen kleineren Vulkanen mit riesigen Magmakammern unter der Erdoberfläche, die man sich als unterirdische Lavaseen vorstellen kann.

Sobald die Erdkruste oberhalb der Kammer aufbrach, kam es zu einem explosiven Ausbruch. Dabei wurde das gesamte Gebiet zwischen Meran und Trient mit einer bis zu tausend Meter dicken Lavamasse bedeckt, gleichzeitig stürzte die nun leere Magmakammer ein und es bildete sich die Caldera.

Die Aktivität des Supervulkans begann vor etwa 286 Millionen Jahren und dauerte mehr als zwölf Millionen Jahre an, wobei die einzelnen Ausbrüche nicht kontinuierlich erfolgten, sondern Hunderttausende von Jahre auseinander liegen konnten. In diesen Phasen zwischen den Ausbrüchen hat sich Leben angesiedelt.

Bezirk: Bozen

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