Von: mk
Brenner – Mit großem Unverständnis reagieren die Transporteurinnen und Transporteure im Wirtschaftsverband Handwerk und Dienstleister (lvh.apa) auf die angekündigte Demonstration samt Sperre der Brennerautobahn am 30. Mai 2026. Aus Sicht der Branche ist die geplante Blockade einer der wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen Europas ein massiver Schlag gegen die gesamte Südtiroler Wirtschaft.
Die Auswirkungen betreffen längst nicht nur den Güterverkehr. Handwerksbetriebe warten auf dringend benötigtes Material, Baustellen geraten ins Stocken, Produktionsabläufe werden unterbrochen, Liefertermine können nicht eingehalten werden und verderbliche Waren erreichen ihre Zielorte verspätet oder gar nicht. Auch Handel, Tourismus, Industrie und Dienstleistungssektor werden die Folgen unmittelbar spüren. Gerade am Pfingstwochenende, an dem zusätzlich tausende Urlauberinnen und Urlauber Richtung Süden unterwegs sind, droht ein verkehrstechnischer und wirtschaftlicher Ausnahmezustand.
„Es ist schlichtweg beschämend, dass die gesamte Brennerachse – eine europäische Lebensader – durch eine derartige Demonstration einfach lahmgelegt werden kann“, kritisiert Alexander Öhler, Obmann der Transporteurinnen und Transporteure im lvh. „Hier geht es nicht um ein paar Stunden Verzögerung, sondern um verheerende Auswirkungen auf Betriebe, Lieferketten und die Versorgungssicherheit im ganzen Land.“
Der Brenner sei nicht nur eine Transitroute, sondern das zentrale Rückgrat für Wirtschaft, Versorgung und Mobilität zwischen Nord und Süd. Wenn diese Achse blockiert werde, seien sämtliche Wirtschaftssektoren betroffen. „Wenn Lkw nicht fahren, stehen irgendwann auch Produktion, Baustellen und Regale still. Wer den Brenner blockiert, blockiert nicht nur den Verkehr, sondern die Wirtschaft eines ganzen Landes“, so Öhler weiter.
Besonders unverständlich sei, dass eine derart weitreichende Maßnahme offenbar ohne ausreichende Abstimmung zwischen Tirol und Südtirol erfolge. „Es ist schade und nicht nachvollziehbar, dass es offenbar keine anderen Wege der Abstimmung zwischen den zwei Nachbarsländern gibt. Eine Aktion dieser Größenordnung darf nicht einseitig auf dem Rücken von Unternehmen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie Familien ausgetragen werden“, sagt Öhler. „Der Brenner ist keine Bühne für Symbolpolitik, sondern die zentrale Schlagader unseres Wirtschaftsraums.“
Die Transporteurinnen und Transporteure im lvh betonen ausdrücklich das Recht auf Demonstration, stellen aber klar: Protest darf nicht dazu führen, dass ganze Regionen wirtschaftlich in Geiselhaft genommen werden. Gefordert werden deshalb politische Verantwortung, grenzüberschreitende Koordination und Lösungen, die Protest ermöglichen, ohne den kompletten Wirtschaftsverkehr lahmzulegen. Eine Sperre dieser Tragweite sei kein Signal, sondern ein wirtschaftspolitischer Totalschaden.
Industriellenvereinigung: “Nein zu einseitigen Totalsperren und Verboten”
Auch die Industriellenvereinigung der Region Trentino Südtirol zeigt sich besorgt über die angekündigte Totalsperre der Brennerautobahn am 30. Mai aufgrund einer Protestkundgebung in Tirol. Eine totale Verkehrssperre entlang einer der zentralen europäischen Hauptverkehrsrouten habe schwerwiegende Auswirkungen auf die Mobilität der Personen, die Wirtschaft und die Logistik. Das Gleiche gelte für das Nachtfahrverbot, aufgrund dessen nicht die volle Kapazität der Autobahn genutzt werden könne und infolgedessen Stau und Verkehrsverzögerungen zunehmen würden.
Der freie Waren- und Personenverkehr zählen laut Vereinigung zu den Grundfreiheiten der EU. „Die Lieferketten und die Mobilität der Menschen müssen gesichert sein, denn unsere Gesellschaft und Wirtschaft basieren auf effizienten und zuverlässigen Verbindungen“, so der Präsident des Unternehmerverbandes Südtirol, Alexander Rieper.
Der Schutz von Umwelt und Gesundheit der Anrainer bleibe ein zentrales und gemeinsames Ziel. Zur Erreichung brauche es strukturierte und koordinierte Maßnahmen, keine Notlösungen. „Anstatt auf Verbote zu setzen, sollten Maßnahmen gefördert werden, die technologische Innovation, Modernisierung des Fuhrparks und modale Transportsysteme unterstützen“, ergänzt der Präsident der Confindustria Trient, Lorenzo Delladio. Ebenso wichtig sei es, das derzeit in Tirol gültige Nachtfahrverbot zu überwinden, da dies die Kapazität der Autobahn stark einschränke und so die Effizienz des Transportsystems vermindere.
Die Industriellenvereinigung der Region Trentino Südtirol betont die Wichtigkeit der Verlegung des Warenverkehrs von der Straße auf die Schiene. Dieses Ziel könne nur durch angemessene und voll operative Infrastrukturen erreicht werden, die die Schiene konkurrenzfähig zur Straße machen. Die Verwirklichung des Brennerbasistunnels und der dazugehörigen Zulaufstrecken sei dafür ein zentrales und unumgängliches Element.
Die Industriellenvereinigung der Region Trentino Südtirol lädt deshalb dazu ein, Protestmaßnahmen, die Verkehrsblockaden oder -sperren zur Folge haben, zu vermeiden, und anstatt dessen den Dialog und den institutionellen Austausch zu suchen, um gemeinsame und nachhaltige Lösungen auf europäischer Ebene zu finden.




Aktuell sind 36 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen