Von: luk
Bozen – Der qualvolle Tod einer Kohlmeise sorgt in Bozen für neue Kritik an sogenannten Klebefallen. Das Tier verendete nach stundenlangem Todeskampf im Wildtier-Rehabilitationszentrum in Bozen (CRAB), nachdem es an einer Leimfalle hängen geblieben war.
Als die Kohlmeise eingeliefert wurde, war ihr Zustand laut den Tierärzten bereits hoffnungslos. Der Klebstoff hatte das Gefieder massiv beschädigt, jeder Befreiungsversuch verschlimmerte die Situation zusätzlich. “Diese arme Kreatur hat sich beim Versuch, sich zu befreien, sämtliche Federn ausgerissen”, berichtet Tierärztin Anna Sturaro.
Gefährliche Fallen mit grausamen Folgen
Klebefallen werden häufig zur Bekämpfung von Nagetieren eingesetzt, stellen jedoch auch für andere Tiere eine erhebliche Gefahr dar. Vor allem kleinere Vögel geraten in die Fallen, wenn sie versuchen, dort festgeklebte Insekten zu fressen. Einmal gefangen, beginnt ein oft aussichtsloser Kampf: Die Tiere verkleben immer stärker, können den Schnabel nicht mehr öffnen oder ersticken, wenn auch die Atemwege betroffen sind.
Selbst wenn es einigen gelingt, sich zu befreien, sind sie häufig nicht mehr flugfähig. Betroffen sind nicht nur Singvögel – auch Greifvögel können in die Fallen geraten, wenn sie nach gefangenen Mäusen greifen.
Rechtliche Grauzone und wachsender Druck
Rechtlich bewegen sich Klebefallen in Italien in einer Grauzone. Ein generelles Verbot gibt es nicht, allerdings kann ihr Einsatz gegen das Tierschutzgesetz (Gesetz 189/2004) verstoßen, wenn Tieren unnötige Qualen zugefügt werden. Da die Fallen nicht sofort töten, sondern oft langes Leiden verursachen, drohen im Einzelfall auch strafrechtliche Konsequenzen.
Der Druck auf Politik und Behörden wächst: Immer mehr Gemeinden schränken den Einsatz solcher Fallen ein oder verbieten sie in öffentlichen Bereichen. Auch auf europäischer Ebene geht der Trend hin zu tierfreundlicheren und selektiveren Methoden.
Das CRAB fordert daher konkrete Maßnahmen auch auf lokaler Ebene – etwa Verbote auf öffentlichem Grund, Einschränkungen in sensiblen Bereichen wie Parks oder Schulen sowie strengere Kontrollen.
Appell an die Bevölkerung
Die Tierschützer richten zudem einen klaren Appell an die Bevölkerung: Wer ein Tier in einer solchen Falle entdeckt, sollte nicht selbst eingreifen, sondern umgehend Fachleute verständigen. Unsachgemäße Befreiungsversuche könnten schwere Verletzungen verursachen.
Auch positive Nachrichten aus dem Tierzentrum
Neben dem tragischen Fall gibt es aus dem CRAB auch ermutigende Meldungen: Mehrere verletzte Tauben befinden sich auf dem Weg der Besserung. Ein in der Bozner Bari-Straße gefundenes Tier kann bereits wieder fliegen, andere Vögel erholen sich von Brüchen oder Verletzungen.





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