Details wurden in St. Pölten bekanntgegeben

Internationaler Drogenschmuggel aufgedeckt

Dienstag, 21. April 2026 | 10:56 Uhr

Von: apa

Eine international agierende Tätergruppe soll über Jahre hinweg Drogen größtenteils von den Niederlanden nach Österreich geschmuggelt und dann via Paketsendungen weltweit versandt haben. Vier Beschuldigte im Alter von 26 bis 38 Jahren sind in Österreich festgenommen worden, hieß es am Dienstag bei einer Polizei-Pressekonferenz. Auch in weiteren Ländern klickten die Handschellen. Insgesamt wurden Suchtmittel mit sechs Millionen Euro Straßenverkaufswert sichergestellt.

Der Drogenring soll von 2. Dezember 2022 bis 22. September 2025 agiert haben. Nachgewiesen wurden 41 Paketsendungen mit großen Mengen an verschiedensten Suchtmitteln und Substanzen, die vorwiegend in Österreich aufgegeben und an Empfänger weltweit verschickt wurden. Erhebungen des Landeskriminalamts Niederösterreich, Ermittlungsbereich Suchtmittelkriminalität, und von Beamten des Bundeskriminalamts starteten im Jänner 2023. Die verschickten Substanzen waren zunächst in Kerzen eingearbeitet. Später dienten auch Tiernahrungsprodukte, Kosmetikartikel und Spielsachen sozusagen als Träger für die Stoffe.

“Kopf” der Gruppierung in den Niederlanden festgenommen

Ein 35-jähriger Niederländer dürfte den internationalen Suchtmittelschmuggel organisiert haben. Der Mann wurde in seiner Wohnung in Amsterdam festgenommen und mittlerweile nach Österreich ausgeliefert, berichtete Stefan Pfandler, Leiter des Landeskriminalamts Niederösterreich, bei der Pressekonferenz in St. Pölten. Vier weitere Festnahmen erfolgten direkt in Österreich. Ein 26-jähriger Landsmann des Hauptbeschuldigten soll große Suchtmittel-Mengen von den Niederlanden eingeschmuggelt und die Substanzen vorwiegend aus Wien verschickt haben, wo auch die Handschellen klickten. Zudem dürfte er mehrmals im großen Stil Kokain und MDMA an einen auf dem Flughafen Wien in Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha) bei seiner Einreise aus Bangkok in Gewahrsam genommenen 38-jährigen Österreicher übergeben haben. Als Aufgeber bzw. Auftraggeber für Sendungen fungierten auch ein 27-jähriger österreichischer Staatsbürger und ein 38-jähriger Niederländer, die beide ebenfalls festgenommen wurden.

Der 27-jährige Österreicher und der 38-jährige niederländische Staatsbürger haben ihre Haftstrafen bereits verbüßt, sagte Pfandler. Auf die drei weiteren 2025 festgenommenen Beschuldigten – unter ihnen auch der 35-jährige Niederländer als “Kopf” der Gruppierung – wartet Pfandler zufolge am Donnerstag der Prozess wegen Suchtgifthandels am Landesgericht Wien.

Zugriffe auch in weiteren Ländern

Generell gab es Zugriffe der Polizei in mehreren Staaten. Eine 27-jährige Britin und ein 24-jähriger niederländischer Staatsbürger wurden in ihren jeweiligen Heimatländern in Gewahrsam genommen. In den USA klickten zudem die Handschellen für einen 32-jährigen venezolanischen Staatsbürger, der zu neun Jahren Haft verurteilt wurde.

In Österreich wurden rund 65 Kilogramm Ketamin, sechs Kilo Kokain, fast 14 Kilo MDMA sowie 712 Gramm 2C-B sichergestellt. Weltweit waren es 95,3 Kilo Ketamin, 9,2 Kilo Kokain, 16,4 Kilogramm MDMA und 1,5 Kilogramm 2C-B. Die sichergestellten Suchtmittel belaufen sich auf einen durchschnittlichen Straßenverkaufswert in der Höhe von rund sechs Millionen Euro. Wegen des hohen Reinheitsgehaltes der Drogen sei jedoch davon auszugehen, dass diese vor dem Weiterverkauf gestreckt worden wären. Der Verkaufserlös hätte so noch um ein Vielfaches erhöht werden können, wurde seitens der Polizei festgehalten.

Auch anhängige Verfahren in anderen Ländern

Nachgewiesen wurden der Gruppierung auch zahlreiche weitere Paketsendungen aus Österreich, die nicht sichergestellt werden konnten. Auch hier dürfte es um mehrere hundert Kilo an Drogen gehen. Gegen einen Teil der Beschuldigten sind außerdem in der Schweiz, Belgien, Tschechien, Luxemburg und in Dänemark Verfahren wegen Suchtmittelschmuggels anhängig, hier soll der Modus Operandi ähnlich gelagert gewesen sein.

“Den Ermittlern des Bundeskriminalamtes und des Landeskriminalamts Niederösterreich ist einmal mehr ein wichtiger Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen”, reagierte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). “Das Ziel dabei ist klar: Der Schutz von jungen Menschen vor Suchtmitteln und deren verheerenden Folgen.”

Landespolizeidirektor Franz Popp sah angesichts der Klärungen einen “sehr erfreulichen Tag”. Effektive Ermittlungen und internationale Zusammenarbeit seien in solchen Fällen “von größter Bedeutung”. Felix Gasterstädt vom Bundeskriminalamt stieß in ein ähnliches Horn und verwies auf immer professioneller und arbeitsteiliger agierende internationale Tätergruppierungen.

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