Von: mk
Bozen – Der Drogentod einer erst 14-jährigen Schülerin in Innsbruck hat auch jenseits des Brenners tiefe Betroffenheit ausgelöst. Besonders alarmiert zeigen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Dienstes „Exit“ der Vereinigung „La Strada – Der Weg“. Sie stehen in engem Kontakt mit ihren österreichischen Kollegen, die das Mädchen sowie vier weitere Jugendliche betreut hatten, die aufgrund einer Überdosis ums Leben gekommen waren. Auch in Bozen wächst die Alarmbereitschaft angesichts eines verbreiteten und tödlichen Konsums synthetischer Substanzen.
Ketamin und andere Anästhetika sowie synthetische Opioide werden auch bei uns in Europa unter immer häufiger konsumiert. Fachkreise sprechen aufgrund des vermehrten Auftauchens von synthetischen Opioiden auf dem illegalen Markt von einem neuen Kapitel oder einer dritten Welle in der Opioid-Krise, die in den 1990-er Jahren in den USA ihren Anfang nahm.
Eine erste Welle tödlicher Überdosierungen sind durch verschreibungspflichtige Opioid-haltige Medikamente vorangetrieben worden. Ab etwa 2010 bildeten Überdosierungen mit der illegalen Droge Heroin eine zweite Welle. Seit 2014 dringen synthetische Opioide auf dem Markt, die sich nicht nur in den USA, sondern global auszubreiten scheinen.
In den Medien hat in den letzten Jahren vor allem die Fentanyl-Krise in Philadelphia in den USA für Aufsehen gesorgt – mit bedrückenden und verstörenden Bildern: So konnte man Menschen sehen, die in Gruppen wie Zombies auf offener Straße verwahrlost und apathisch herumlungerten. Der körperliche Verfall schreitet in Zeitraffer voran, das ganze Leben dreht sich nur noch um den nächsten Schuss, den sich Süchtige rund alle zwei Stunden setzen müssen, um den Wirkstoffspiegel in ihrem Körper aufrecht zu erhalten.
Synthetische Stoffe könnten selbst einen sehr jungen Körper binnen kürzester Zeit in Mitleidenschaft ziehen, erklärt Cristina De Paoli, Psychologin, Psychotherapeutin und Leiterin des Bereichs Prävention und Beratung bei „La Strada – Der Weg“. Mit dem Dienst „Exit“ ist die Vereinigung La Strada nicht nur in der Prävention aktiv, sondern unterstützt auch Abhängige und deren Familien auf dem schwierigen Weg aus der Sucht.
Häufig bemerken Eltern zu spät, dass ihre Kinder Drogen konsumieren – auch, wenn es sich um synthetische Substanzen handelt. Die Expertin richtet einen dringenden Appell an die Öffentlichkeit: „Es wäre wichtig, in der Familie offen darüber zu sprechen, um die Haltung der Heranwachsenden zu verstehen und vor allem Warnsignale eines problematischen Konsums frühzeitig zu erkennen.“ Im Zweifelsfall können sich Eltern jederzeit an den Verein wenden.
Synthetischen Opioide sind extrem gefährlich, da sie sofort abhängig machen und schwere körperliche Schäden verursachen. „Je früher man interveniert, desto besser. Wir bieten Gruppen für Eltern und Angehörige an. Mein Rat an die Eltern: Melden Sie sich, bevor es zu spät ist.“
Die Arbeit von „La Strada“ ergänzt das dichte Netz an Einrichtungen in Südtirol wie das Forum Prävention, den Dienst für Abhängigkeitserkrankungen, die Caritas und den Verein Hands (Schwerpunkt Alkohol- und Mischkonsum). Die unterschiedlichen Organisationen bleiben dabei äußerst wachsam und beobachten, welche Substanzen im Land zirkulieren- und vor allem deren Streckmittel. Denn genau hier liege das große Problem bei Ketamin und ähnlichen Drogen, so De Paoli abschließend.




Aktuell sind 4 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen