Die Suche nach Opfern geht weiter

Kaum noch Hoffnung eine Woche nach Erdbeben in Venezuela

Mittwoch, 01. Juli 2026 | 12:03 Uhr

Von: APA/AFP/Reuters

In einem immer verzweifelteren Wettlauf gegen die Zeit haben Rettungsteams in Venezuela am Mittwoch ihre Suche nach Überlebenden des verheerenden Doppel-Erdbebens fortgesetzt. Die Hoffnung, eine Woche nach dem Unglück mit fast 2.000 Toten noch Verschüttete lebend zu finden, schwindet zusehends. Am Dienstag gab es aber noch einmal einen Lichtblick, als in der Hauptstadt Caracas ein dreijähriger Bub lebend aus den Trümmern geborgen wurde.

Am Mittwoch vergangener Woche hatten zwei starke Erdbeben Venezuela erschüttert, bis Dienstag wurden nach offiziellen Angaben mehr als 1.900 Todesopfer geborgen. Mehr als 10.500 Menschen wurden demnach verletzt.

Nach Angaben der UNO wurden mehr als 50.000 Menschen vermisst. Wie Parlamentspräsident Jorge Rodríguez sagte, hielten sich etwa 30.000 von ihnen im Hafengebiet der Küstenstadt La Guaira auf, die am stärksten zerstört wurde. Er sagte, dass fast 6.500 Menschen in La Guaira von Suchmannschaften aus den Trümmern gerettet worden seien. Er ging aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Überlebenden wahrscheinlich eher bei 20.000 liegt, weil sich zahlreiche Verschüttete aus eigener Kraft oder mit der Hilfe von Familienmitgliedern, Freunden und Nachbarn befreit hätten.

Dreijähriger in Caracas geborgen

Fachleuten zufolge sind die ersten 72 Stunden nach einer Naturkatastrophe entscheidend, um noch Überlebende zu finden. Ganze sechs Tage nach dem Beben hatten jordanische Rettungskräfte am Dienstag noch einen Dreijährigen lebend aus den Trümmern in Caracas geborgen. Der Bub habe vor Ort Erste Hilfe erhalten und sei in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte der jordanische Zivilschutz mit.

In Venezuela trafen viele Such- und Rettungsteams erst nach Ablauf des kritischen Zeitfensters im Erdbebengebiet ein. “Wir sind sehr spät dran, aber unser Ziel ist es, weiter Leben zu retten”, sagte der spanische Helfer Luis Arteaga Benatuil am Mittwoch nach seiner Ankunft in Venezuela.

Suche “mit bloßen Händen”

Viele Menschen suchen immer noch ohne professionelle Hilfe oder Ausrüstung nach Verschütteten. Der 37-jährige Darvin Silva versuchte tagelang vergeblich, seine Mutter zu retten, die schließlich in einem eingestürzten Gebäude starb. Er habe “mit bloßen Händen, mit Vorschlaghämmern, mit Spitzhacken” gegraben, berichtete er. Außenstehende könnten sich das “nicht einmal ansatzweise vorstellen”.

In der besonders schlimm betroffenen Küstenstadt La Guaira suchen auch viele Menschen in der Leichenhalle nach vermissten Angehörigen. “Man hat mir gesagt, dass meine Schwester und ihre Kinder hier sind und die Kinder meines Bruders”, sagt Wilker Molalla, der gekommen ist, um die Leichen zu identifizieren. “In meinem Haushalt lebten elf Menschen. Nur zwei von uns haben überlebt, weil wir bei der Arbeit waren.”

US-Militär mit großem Hilfseinsatz

Das US-Militär ist indes mit einem großen Aufgebot in und um Venezuela im Einsatz, um Hilfe zu leisten. Mehr als 900 Einsatzkräfte seien im Land und weitere rund 800 auf Stützpunkten in Puerto Rico und Curacao, sagte der Befehlshaber des US-Südkommandos, General Francis Donovan, am Dienstag. Die US-Streitkräfte hätten sich an Such- und Rettungsaktionen beteiligt, bei der Wiederinbetriebnahme des Flughafens geholfen und Luft- und Seetransporte für humanitäre Hilfe mobilisiert.

Der Einsatz markiert eine bemerkenswerte Wende in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Noch am 3. Jänner hatte das US-Militär eine Razzia durchgeführt, um den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro zu ergreifen und ihn für einen Prozess wegen Drogenhandels nach New York zu bringen. “Der 3. Jänner ist noch nicht so lange her. Und man muss sich nur ansehen, wie sich diese Beziehung gewandelt hat”, sagte Donovan. Zuletzt tötete das US-Militär in Abstimmung mit den venezolanischen Behörden den Anführer der Gefängnisbande “Tren de Aragua”. Donovan lehnte es ab, über die Dauer des Einsatzes zu spekulieren. Es gebe jedoch keine Pläne für einen dauerhaften Einsatz der entsandten Truppen.

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Kaum noch Hoffnung eine Woche nach Erdbeben in Venezuela

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In einem immer verzweifelteren Wettlauf gegen die Zeit haben Rettungsteams in Venezuela am Mittwoch ihre Suche nach Überlebenden des verheerenden Doppel-Erdbebens fortgesetzt. Die Hoffnung, eine Woche nach dem Unglück mit fast 2.000 Toten noch Verschüttete lebend zu finden, schwindet zusehends. Am Dienstag gab es aber noch einmal einen Lichtblick, als in der Hauptstadt Caracas ein dreijähriger Bub lebend aus den Trümmern geborgen wurde.

Am Mittwoch vergangener Woche hatten zwei starke Erdbeben Venezuela erschüttert, bis Dienstag wurden nach offiziellen Angaben mehr als 1.900 Todesopfer geborgen. Mehr als 10.500 Menschen wurden demnach verletzt.

Nach Angaben der UNO wurden mehr als 50.000 Menschen vermisst. Wie Parlamentspräsident Jorge Rodríguez sagte, hielten sich etwa 30.000 von ihnen im Hafengebiet der Küstenstadt La Guaira auf, die am stärksten zerstört wurde. Er sagte, dass fast 6.500 Menschen in La Guaira von Suchmannschaften aus den Trümmern gerettet worden seien. Er ging aber davon aus, dass die tatsächliche Zahl der Überlebenden wahrscheinlich eher bei 20.000 liegt, weil sich zahlreiche Verschüttete aus eigener Kraft oder mit der Hilfe von Familienmitgliedern, Freunden und Nachbarn befreit hätten.

Dreijähriger in Caracas geborgen

Fachleuten zufolge sind die ersten 72 Stunden nach einer Naturkatastrophe entscheidend, um noch Überlebende zu finden. Ganze sechs Tage nach dem Beben hatten jordanische Rettungskräfte am Dienstag noch einen Dreijährigen lebend aus den Trümmern in Caracas geborgen. Der Bub habe vor Ort Erste Hilfe erhalten und sei in ein Krankenhaus gebracht worden, teilte der jordanische Zivilschutz mit.

In Venezuela trafen viele Such- und Rettungsteams erst nach Ablauf des kritischen Zeitfensters im Erdbebengebiet ein. “Wir sind sehr spät dran, aber unser Ziel ist es, weiter Leben zu retten”, sagte der spanische Helfer Luis Arteaga Benatuil am Mittwoch nach seiner Ankunft in Venezuela.

Suche “mit bloßen Händen”

Viele Menschen suchen immer noch ohne professionelle Hilfe oder Ausrüstung nach Verschütteten. Der 37-jährige Darvin Silva versuchte tagelang vergeblich, seine Mutter zu retten, die schließlich in einem eingestürzten Gebäude starb. Er habe “mit bloßen Händen, mit Vorschlaghämmern, mit Spitzhacken” gegraben, berichtete er. Außenstehende könnten sich das “nicht einmal ansatzweise vorstellen”.

In der besonders schlimm betroffenen Küstenstadt La Guaira suchen auch viele Menschen in der Leichenhalle nach vermissten Angehörigen. “Man hat mir gesagt, dass meine Schwester und ihre Kinder hier sind und die Kinder meines Bruders”, sagt Wilker Molalla, der gekommen ist, um die Leichen zu identifizieren. “In meinem Haushalt lebten elf Menschen. Nur zwei von uns haben überlebt, weil wir bei der Arbeit waren.”

US-Militär mit großem Hilfseinsatz

Das US-Militär ist indes mit einem großen Aufgebot in und um Venezuela im Einsatz, um Hilfe zu leisten. Mehr als 900 Einsatzkräfte seien im Land und weitere rund 800 auf Stützpunkten in Puerto Rico und Curacao, sagte der Befehlshaber des US-Südkommandos, General Francis Donovan, am Dienstag. Die US-Streitkräfte hätten sich an Such- und Rettungsaktionen beteiligt, bei der Wiederinbetriebnahme des Flughafens geholfen und Luft- und Seetransporte für humanitäre Hilfe mobilisiert.

Der Einsatz markiert eine bemerkenswerte Wende in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Noch am 3. Jänner hatte das US-Militär eine Razzia durchgeführt, um den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro zu ergreifen und ihn für einen Prozess wegen Drogenhandels nach New York zu bringen. “Der 3. Jänner ist noch nicht so lange her. Und man muss sich nur ansehen, wie sich diese Beziehung gewandelt hat”, sagte Donovan. Zuletzt tötete das US-Militär in Abstimmung mit den venezolanischen Behörden den Anführer der Gefängnisbande “Tren de Aragua”. Donovan lehnte es ab, über die Dauer des Einsatzes zu spekulieren. Es gebe jedoch keine Pläne für einen dauerhaften Einsatz der entsandten Truppen.

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