Tod einer deutschen Familie löste Debatte aus

Kind starb in Türkei nach Pestizideinsatz in Nachbarwohnung

Freitag, 07. August 2026 | 12:15 Uhr

Von: importer

In der westtürkischen Stadt Canakkale sind der Leiter einer Insektenbekämpfungsfirma und ein Wohnungsinhaber verhaftet worden, nachdem in der benachbarten Wohnung ein neunjähriger Bub an einer mutmaßlichen Pestizidvergiftung gestorben war. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, hat der Vater das Kind und seine Mutter am Mittwoch bewusstlos in der Wohnung gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Die Mutter befinde sich weiterhin im Krankenhaus in Behandlung.

Anadolu gibt als mögliche Todesursache den Einsatz von Pestiziden in der angrenzenden Wohnung an. Ein weiterer Mitarbeiter der Schädlingsbekämpfungsfirma wurde nach vorübergehender Festnahme wieder freigelassen.

Tod einer deutschen Familie

Pestizide werden in der Türkei häufig eingesetzt, um Bettwanzen oder anderen Insektenbefall in Privatwohnungen zu bekämpfen, doch der Einsatz der Chemikalien ist offiziell streng geregelt. Der Fall einer vierköpfigen Familie aus Hamburg, die im vergangenen Jahr während eines Besuchs in Istanbul in ihrem Hotel vergiftet und kurz darauf gestorben war, löste eine Debatte über die Kontrollen in diesem Gewerbe aus.

Ende Juni verurteilte ein Istanbuler Gericht unter anderem den Hotelbetreiber und die Kammerjäger zu langjährigen Haftstrafen wegen “bewusster fahrlässiger Tötung”. Der Anwalt der Familie hatte während des Prozesses gefordert, dass ein hohes Strafmaß in diesem Fall auch die staatlichen Verantwortlichen dazu bringen solle, ernsthafte Schritte einzuleiten und stärkere Kontrollen bei solchen Firmen durchzuführen.

Für die Überprüfung der Firmen und Zertifikate ist das Gesundheitsamt zuständig. Eine Recherche des ZDF berichtete von mehr als 30 mutmaßlichen Vergiftungsfällen in den vergangenen vier Jahren, wovon die meisten bisher nicht juristisch aufgearbeitet seien.

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