Von: luk
Bozen – In Bozen greift eine gefährliche Konsumform um sich: Immer häufiger wird Kokain nicht nur geschnupft oder geraucht, sondern auch gespritzt. Darauf weist der Dienst für Abhängigkeitserkrankungen hin. Unter der Loreto-Brücke wurden mehrfach gebrauchte Spritzen gefunden – laut Fachleuten ein Hinweis auf injiziertes Kokain.
Die Direktorin des Dienstes für Abhängigkeitserkrankungen, Bettina Meraner, warnt im Gespräch mit der Zeitung Alto Adige vor gravierenden gesundheitlichen Folgen. Die Wirkung trete beim Spritzen besonders schnell ein, lasse aber ebenso rasch nach – mit der Folge, dass der Kick erneut gesucht werde. Es sei zu sagen, dass die “Reichen” Kokain schnupfen, ärmere Konsumenten würden es eher rauchen oder eben injizieren, da dafür geringere Mengen ausreichen.
Auch weil das Kokain im Vergleich zum Heroin ätzender ist, werde das Risiko von Herz-Kreislauf-Problemen und Gefäßschäden erhöht. Zudem löse Kokain psychischen Krisen aus. Das zeige sich auch bei der erhöhten Zahl der Notaufnahmen wegen akuter Beschwerden und Erregungszustände nach dem Koks-Konsum.
Der Trend, das Kokain gespritzt wird, ist europaweit erkennbar: Während Schnupfen mit rund 70 Prozent weiterhin die häufigste Konsumform von Kokain bleibt, nehmen Injektionen – vor allem in städtischen Hotspots wie Belgien, Niederlanden und Spanien – bedrohlich zu und sind mit steigenden HIV- und Hepatitis-Fällen verknüpft. Bozen reiht sich damit in ein größeres Muster ein, bei dem der Konsum insgesamt wächst und hochriskante Methoden wie das Spritzen die Belastung von Notaufnahmen und Suchtdiensten erhöhen.
Der Dienst für Abhängigkeitserkrankungen verzeichnet derzeit im Schnitt rund ein Dutzend neue Zugänge pro Woche. Viele Betroffene seien sozial stark belastet oder obdachlos, andere stünden beruflich unter Leistungsdruck. Während es für Heroin Ersatztherapien gibt, fehlen vergleichbare medikamentöse Behandlungen bei Kokainabhängigkeit.
Um gezielter helfen zu können, trennt der Dienst für Abhängigkeitserkrankungen künftig junge Konsumenten unter 25 Jahren räumlich von chronisch Abhängigen.




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