Von: mk
Bozen – Die Finanzpolizei hat in Südtirol auf der Brennerautobahn über 27.000 Litern Kraftstoff, getarnt als industrielles Schmiermittel, beschlagnahmt. Die „Phantomladung“ wurde von einer Streife der Einheit aus Brixen abgefangen.
Die Ermittler stoppten in der Nähe der Autobahnausfahrt Bozen-Nord einen in Richtung Süden fahrenden Sattelzug mit polnischem Kennzeichen, um ihn einer Routinekontrolle zu unterziehen. Bei der Inspektion stießen die Finanzpolizisten sofort auf eine massive Fracht: 29 Plastikfässer mit einem Fassungsvermögen von je 1.000 Litern.
Laut den Frachtpapieren handelte es sich um „Schmieröl“ – genauer gesagt um ein Trennmittel für Asphalt und Beton –, das aus Deutschland stammte und offenbar für Süditalien bestimmt war. Eine genauere Überprüfung der Flüssigkeit lenkte den Verdacht der Ermittler jedoch schnell in eine ganz andere Richtung: Die Eigenschaften des Öls glichen vielmehr gewöhnlichem Dieselkraftstoff.
Das Kartenhaus brach endgültig zusammen, als die Finanzpolizisten das vermeintliche Empfängerunternehmen genauer unter die Lupe nahmen. Dabei stießen sie auf einen eklatanten Widerspruch: Die in den Papieren eingetragene Firma mit Sitz in Kampanien war in Wirklichkeit eine Schifffahrtsagentur, die im Transportsektor tätig ist. Für ein solches Unternehmensprofil ist der Bedarf oder die Lagerung von tonnenweise industriellen Bauprodukten völlig unplausibel.
Für die Ermittler stand fest: Der Name des Unternehmens war rein willkürlich eingesetzt worden, um dem Transport im Fall einer Straßenkontrolle den Anschein von Gesetzeskonformität zu verleihen.
Fehlende Dokumente
Die anschließenden technischen Prüfungen bestätigten den Verdacht. Doch damit nicht genug: Auch bei den Unterlagen haperte es. Der polnische Fahrer des Fahrzeugs konnte den sogenannten „Administrativen Bestätigungscode“ (C.A.R.) nicht vorweisen. Dabei handelt es sich um ein digitales Dokument, das durch das Einheitstextgesetz für Verbrauchssteuern zwingend vorgeschrieben ist, um den Verkehr von Schmierölen auf dem nationalen Staatsgebiet lückenlos zu überwachen.
Der gesamte Transport entpuppte sich somit als eindeutiger Schmuggelversuch. Ziel war es, die Zahlung von Verbrauchssteuern und anderen Abgaben auf Energieerzeugnisse betrügerisch zu umgehen. Der hinterzogene Betrag wird auf rund 17.000 Euro geschätzt.
Nach Abschluss der Kontrollen beschlagnahmten die Beamten den Sattelzug sowie die geladene Fracht – ebenso wie drei Mobiltelefone und die Transportdokumente. Der Fahrer wurde bei der Staatsanwaltschaft am Landesgericht in Bozen auf freiem Fuß wegen Hinterziehung der Verbrauchssteuer auf Energieerzeugnisse angezeigt.




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