Von: ka
Bozen – Nichts wühlt Südtirol so sehr auf wie die feurigen Buchstaben „Buntes Sudtirolo“, die anlässlich der traditionellen Herz-Jesu-Feuer auf einer Pusterer Alm entzündet wurden. Der von weitem sichtbare Schriftzug geht auf die Initiative zahlreicher linker Organisationen und zivilgesellschaftlicher Verbände zurück und lief unter dem Titel „Occupy Herz-Jesu-Feuer“. Er löste in der Südtiroler Öffentlichkeit einen Flächenbrand aus.

Die „Traditionalisten“, die die Bergfeuer alljährlich als Zeichen des Glaubens und des Heimatschutzes entzünden – darunter vor allem patriotische Kräfte wie die Schützen – sehen in der Aktion zahlreicher linker Gruppierungen eine anmaßende Instrumentalisierung und bewusste Provokation. Sie beschädige eine tiefe christlich-tirolische Tradition, wobei besonders das „Occupy“ als fast schon gewaltsame „Besetzung eines feierlichen Gelöbnisses und der Gefühlswelt des traditionellen Tirolertums“ gedeutet wird.

Schade nur, dass die Herz-Jesu-Feuer nie „nur“ an das feierliche Gelöbnis des Volkshelden Andreas Hofer erinnerten, das er angesichts eines drohenden – und später erfolgreich abgewehrten – Angriffs der französischen Truppen ablegte. Die Bergfeuer sind eng mit der „Feuernacht“ verbunden, in der Herz-Jesu-Nacht 1961 zahlreiche Strommasten gesprengt wurden.
Als Symbol der Freiheit haben sie seit jeher eine politische Dimension. Daher ist es keine Überraschung, dass konservative, patriotische und deutschnationale Akteure die Herz-Jesu-Feuer als Gelegenheit nutzten, um politische Botschaften wie „Freiheit“, „Ein Tirol“, „Los von Italien“ oder „Tirol zu Österreich“ auszusenden, die die Selbstbestimmung oder die Abspaltung Südtirols von Italien offen fordern.

Dürfen die einen etwa politische und gesellschaftliche Botschaften aussenden, die anderen aber nicht? Sind Gipfel, Grate und Bergflanken keine öffentlichen Orte, an denen alle ihre Meinung – wennschon, dennschon – verkünden dürfen, sei es durch feurige Buchstaben?

„Buntes Sudtirolo“ versteht sich als klares Zeichen gegen den aktuellen politischen Rechtsruck und für ein aufgeschlossenes Südtirol, für ein Miteinander der Sprachgruppen, Offenheit gegenüber Zugezogenen und Anerkennung vielfältiger Lebensentwürfe.

Die Herz-Jesu-Feuer werden wohl weiterhin vor allem ein Beisammensein am Feuer und ein Hochfest der „religiösen Tradition und des traditionellen Tirolertums“ samt seiner politischen Begleiterscheinungen bleiben. Aber das „Bunte Sudtirolo“ als Ausdruck eines anderen Blicks auf unser kleines Land ist absolut notwendig. Wenn sich die Gemüter beruhigt haben, könnte der heftige Schlagabtausch der letzten Tage dann nicht der Ausgangspunkt für eine Debatte darüber sein, wer wir sind und wohin wir wollen?




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