Zusätzlicher Druck wegen Covid-19

Lebenshilfe: Schließung des Hotel Masatsch in Oberplanitzing

Montag, 11. Mai 2020 | 16:23 Uhr

Oberplanitzing – Die Lebenshilfe hat beschlossen, das Inklusionshotel Masatsch in Oberplanitzing zu schließen. Grund für die Schließung sind Budgetprobleme, die sich mit der aktuellen Covid-19-Krise in einem Maß zugespitzt haben, dass die Kosten für die Führung des Hotels trotz Unterstützung der Autonomen Provinz Bozen nicht mehr gestemmt werden können.

Die wirtschaftliche Führung einer im doppelten Sinn sozialen Einrichtung, die auf der einen Seite ein Ort der Arbeitsinklusion war und auf der anderen Seite barrierefreien Urlaub für Gäste aus dem In- und Ausland ermöglichte, stellte die Lebenshilfe von Beginn an vor große Herausforderungen, die seit 2008 Jahr für Jahr angegangen worden waren. Als Erfolg ist zu werten, dass zahlreiche Menschen mit Beeinträchtigung in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsservice eine reguläre Anstellung erhielten und ihre Fähigkeiten im Kontext des Gastgewerbes unter Beweis stellen konnten. Dem Hoteldirektor stand ein pädagogischer Mitarbeiter zur Seite, dessen Aufgabe es war, die sozialen Zielsetzungen der Einrichtung im Auge zu behalten. Auf diese Weise wurde das Hotel Masatsch zu einer landesweit einzigartigen Einrichtung. Zum Zweck der Kostendeckung wurden unter anderem das Restaurant erweitert und neue Zimmer dazugebaut, doch das Ziel der kostendeckenden Führung konnte trotz aller Bemühungen nie erreicht werden. Einer der Hauptfaktoren für diese Situation waren die hohen Abschreibungskosten auf die durch Eigenmittel getätigten Investitionen in ein nicht im Besitz der Lebenshilfe befindliches Gebäude. Ein weiterer Faktor war die Tatsache, dass das Hotel Masatsch als ganzjährig geführter Betrieb im Prinzip nur in der Sommersaison zwischen April und Oktober aktiv sein konnte, wie für die Gastbetriebe im gesamten Überetsch kennzeichnend.

Die extreme Zuspitzung der Gesamtsituation durch die aktuelle Covid-19-Krise würde die Lebenshilfe mit einer Weiterführung des Hotel Masatsch in unüberbrückbare Schwierigkeiten bringen, heißt es in einer Aussendung. Diese Belastung würde nicht zuletzt auf Kosten aller anderen Angebote gehen, was den Menschen mit Beeinträchtigung, die Dienstleistungen der Lebenshilfe in Anspruch nehmen, nicht zugemutet werden könne. Die Entscheidungsspielräume der gesamten Lebenshilfe würden in einer Weise eingeengt, die der vielseitigen Ausrichtung des Gesamtverbands mit seinen anderweitigen Arbeits- sowie seinen Wohn-, Freizeit- und therapeutischen Angeboten widersprechen würde.

Die Lebenshilfe bedauert die Schließung des Hotel Masatsch, musste aber deren Notwendigkeit zur Kenntnis nehmen. Trotz der budgetären Engpässe bei seiner Führung stellt sie jedoch fest, dass sich das Projekt gelohnt hat. Menschen mit Beeinträchtigung konnten wertvolle Arbeitserfahrungen machen, von denen sie mit Sicherheit profitieren werden. Die bisherigen Inklusionsmitarbeiter werden weiterhin von der Lebenshilfe unter Miteinbeziehung der Landespolitik, der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland sowie des Arbeitsservice begleitet, um individuelle Lösungen für die berufliche Zukunft zu finden.

Mit der Schließung des Hotel Masatsch hat die Lebenshilfe einen Schlussstrich unter eine unhaltbare Budgetsituation gezogen. Im Einvernehmen mit der Abteilung Soziales soll nun die weitere Nutzung des Gebäudes besprochen werden.

Von: mk

Bezirk: Überetsch/Unterland

Kommentare

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11 Kommentare auf "Lebenshilfe: Schließung des Hotel Masatsch in Oberplanitzing"


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Guenni
Guenni
Universalgelehrter
18 Tage 22 h

Es ist traurig, dass so ein wichtiges Projekt am Geld scheitert

Spiegel
Spiegel
Superredner
18 Tage 11 h

Glaubst du nicht das ein bisschen Misswirtschaft dazu beigetragen hat in dieser Situation zu kommen?
Es ist seit Jahren in defizid. Denke es sind nicht die Gehälter der beinträchtigen Menschen schuld an dem finanziellen Desaster. Ein Hotel mit ca 35 Betten hat ein Hoteldirektor und den ganzen Rattenschwanz……
Möchte gern die Bilanz sehen wieviel der Direktor kostet, Vize Kostet usw usw…
Da ist der Wurm drin. Mit Schlanker Führung könnte man das Hotel retten!

OrB
OrB
Universalgelehrter
15 Tage 21 h

Eine schlankere Führung würde ganz Südtirol gut tun!

Plodra
Plodra
Grünschnabel
18 Tage 23 h

Wie bei den Krankenhausbetten und dem mit der Stoppuhr gemessenen Betreuungsschlüssel in Pflegeheimen stellt sich die Frage, ob alles was für die Gemeinschaft nützlich ist,  wirtschaftlichen Rentabilitätskriterien unterworfen werden muss. Das Wohlstandsland Südtirol sollte sich Initiativen zur Förderung der sozialen Integration leisten können.

Mrs_Pocahontas
18 Tage 20 h
Ich finde es schade, dass das Hotel schließen soll und bin dafür, dass die Struktur erhalten bleibt und Menschen mit Beeinträchtigung einer Arbeit nachgehen können. Es ist aber zu einfach die ganze Schuld Corona zuzuschreiben. Wie ich aus dem Artikel lese war und ist der Betrieb überschuldet und das seit längerem. Ich bin davon überzeugt, dass diese Struktur in der Privatwirtschaft niemals so geführt werden könnte. Für ein Hotel mit ca. 35 Zimmern sind ein Direktor, ein Vizedirektor ( Pädagogen), eine Direktionsassistentin, sowie mehrere Rezeptionisten nicht tragbar. Es ist bekannt, dass das Manangment u.a in eine mehrtägige Flugreise der Führungsriege… Weiterlesen »
che
che
Neuling
18 Tage 8 h

Die interne Struktur entspricht ganz normalen betriebswirtschaftlichen Überlegungen, mit vielen Kollegen*innen in Teil – Vollzeit etc. Die angesprochene Teamreise der Teamleiter mit Partnern wurde von diesen zur Teambildung genutzt und teilweise privat bezahlt und teilweise von Lieferanten gesponsert. Leider gibt es bei soetwas immer Neider, aber dem Team Masatsch und seinem Erfolg sind solche Ausflüge direkt zu gute gekommen, denn es gab jedes Jahr zumindest kleinere Ausflüge.

Mrs_Pocahontas
17 Tage 3 h

Die “normalen” betriebswirtschaftlichen Überlegungen des Managements spiegeln sich sehr gut in der Bilanz des Hotels wieder. In Anbetracht der finanziellen Schieflage, müsste man solche Teambuilding-Aktionen überdenken. Besteht ein Team nur aus Führungspersonen? Welche Funktion der Ehepartner bei einer Teambuilding-Flugreise erfüllt, sei dahingestellt… Sie haben Recht, dass ein Lieferant ein soziales Projekt unterstützt indem er der Führungsriege mit Anhang ein Teambuilding auf einer Mittelmeerinsel (teil)sponsert ist wirklich beneidenswert.

OrB
OrB
Universalgelehrter
18 Tage 21 h

Hallo Landesregierung!!!
Zum Schämen, daß so eine Institution schließen muss!
Keine Lobby dahinter die euch 24h auf die E…. geht!
😡😡👎

pingoballino1955
pingoballino1955
Grünschnabel
18 Tage 11 h

Ein fertiger Skandal für Südtirol-da sieht man wiedereinmal dass für soziale Projekte kein Geld zur Verfügung steht,aber für exorbitante ,fürstliche Gehälter der Landesräte und Co -Geld ohne Ende: ZUM SCHÄMEN!!!

stevie
stevie
Neuling
18 Tage 20 h

Das ist einfach nur unglaublich schade… So viel Mühe und Einsatz, den das Team von Masatsch eingebracht hat… und jetzt doch kein Weiterführen des Projekts mehr möglich?!

jefferson
jefferson
Grünschnabel
18 Tage 17 h

Kaum zu glauben wenn man die ganze Geschichte vom Masatsch kennt ! Eine Struktur vom ehemaligen Besitzer überlassen um beeinträchtigten Menschen zu helfen . Eine überbesetzte Führung mit null wirtschaflicher Ahnung und Sternekoch im Restaurant ! Hätten die Verantwortlichen nur annähernd so vorbildlich wie das „beeinträchtigte“ Personal im Restaurant gearbeitet, wäre es eine rentable Einrichtung geblieben. Die „Behinderten“ sind in diesem Fall die gesamte Führung !

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