Südtiroler Fallstudie in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlicht

Massenscreening wirksam bei der Eindämmung von Covid-19-Infektionen

Montag, 07. November 2022 | 11:33 Uhr

Bozen – Eine kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Studie zeigt, wie nützlich Screening-Kampagnen mit Antigen-Schnelltests für die Erkennung asymptomatischer positiver Fälle in der Bevölkerung sind. Die von den unibz Professoren Davide Ferrari, Steven Stillman und Mirco Tonin (zudem Direktor am FBK) herausgegebene Studie, die auf der Grundlage der Daten des im November 2020 in Südtirol durchgeführten Screenings erstellt wurde, zeigt einen deutlichen Rückgang der Infektionen (-45 Prozent bei der Infektionswachstumsrate) in den Folgewochen.

Rückblick auf den November 2020: Damals wurde die Bevölkerung der Autonomen Provinz Bozen am Wochenende vom 20. bis 22. November aufgerufen, an einem freiwilligen Massenscreening teilzunehmen. Die von der Südtiroler Sanität und dem Zivilschutz in Zusammenarbeit mit den Gemeinden, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Weißen Kreuz und dem Roten Kreuz organisierte Initiative hatte eine ganze Provinz mobilisiert: In rund 300 Einrichtungen in ganz Südtirol konnten sich 362.050 Personen im Alter über fünf Jahren dem Test unterziehen.

Letztendlich wurden 3.615 Personen positiv getestet und folglich isoliert. In den darauffolgenden Monaten stürzte Südtirol unter die dunkelroten Regionen Europas (Regionen mit der höchsten Infektionsrate pro 100.000 Einwohner) ab, was dazu beitrug, dass Zweifel am Nutzen der Screenings aufkamen.

Nun hat eine der weltweit meistzitierten Zeitschriften, Scientific Reports der Springer Nature Gruppe, die Forschungsergebnisse der unibz-Professoren Davide Ferrari, Statistiker, Steven Stillman, Ökonom, und Mirco Tonin, unibz-Professor und Direktor des Instituts für Evaluationsforschung der Bruno Kessler Stiftung, im Open Access Modus – also frei zugänglich für alle – veröffentlicht.

In dem Artikel Assessing the Impact of COVID-19 Mass Testing in South Tyrol using a Semi-parametric Growth Model (Bewertung der Auswirkungen der COVID-19-Massentests in Südtirol mit Hilfe eines semiparametrischen Wachstumsmodells) zeigen die drei Professoren auf der Grundlage eines statistischen Ansatzes, der Vergleiche mit italienischen Gebieten ermöglicht, die hinsichtlich der Dynamik der Virusübertragung und der durchgeführten Eindämmungsmaßnahmen (mit Ausnahme des Screenings) ähnlich sind, dass das Wochenende mit den in Südtirol durchgeführten Massentests positive Ergebnisse erbracht hat.

„Der Ansatz, den wir in unserer Studie gewählt haben, basiert auf Modellen, die Veränderungen im Laufe der Zeit an einem Ort, an dem eine bestimmte Intervention durchgeführt wird, mit denen vergleichen, die im gleichen Zeitraum an ähnlichen Orten auftreten, an denen aber keine Intervention stattgefunden hat”, erläutert Prof. Davide Ferrari. „Auf diese Weise konnten wir die Auswirkungen der Massentestkampagne in Südtirol von der nationalen Politik in Bezug auf die Freizügigkeit, die Schließung von Betrieben und Schulen sowie die Hygiene- und Sanitärmaßnahmen isolieren, da im gleichen Zeitraum in der Provinz Bozen keine anderen Maßnahmen ergriffen wurden, die sich vom Rest des Landes unterschieden und die einen Rückgang der Ansteckungstendenz rechtfertigen könnten.“

Nach den Schätzungen der drei Professoren führte die Massenscreening-Kampagne in Südtirol insgesamt zu einem Rückgang der Wachstumsrate der Covid-19-Infektionen um 45Prozent: „Wir haben festgestellt, dass wir ohne das Screening 7, 10, 20 und 40 Tage nach der Durchführung einen weiteren Anstieg der Infektionsfälle um 17, 22, 26 bzw. 51 Prozent gehabt hätten”, so Prof. Steven Stillman. „Die Wirksamkeit dieser Art von Intervention hängt von der Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ab. Da in Südtirol eine große Wirkung erzielt worden ist – obwohl der Test freiwillig war – zeigt auf, dass die Bevölkerung seine Bedeutung verstanden hatte”, betont Prof. Mirco Tonin.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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12 Kommentare auf "Massenscreening wirksam bei der Eindämmung von Covid-19-Infektionen"


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Universalgelehrter
26 Tage 10 h

Bemerkenswert, wie wir doch immer wieder imstande sind, ein Scheitern als Erfolg zu verkaufen (evtl. mit Hilfe von außen!) und damit sogar noch prahlen, anstatt einfach nur im stillen Kämmerlein den (fragwürdigen?) Triumph zu genießen…. 🙄 P.S.: Ich auf jeden Fall war damals NICHT mit von der Partie, weil ich diesem (für mich sinnlosen!) Vorhaben auf Anhieb nicht getraut habe

Spartacus
Spartacus
Superredner
26 Tage 8 h

Und Du prahlst mit deiner Fehlentscheidung !

sarkasmus
sarkasmus
Tratscher
26 Tage 7 h

Sinnlos, aber der fernseh sagt alles ist sinnvoll was dir regierung macht

Universalgelehrter
26 Tage 5 h

@Spartacus 🤔 Erkläre mir Deppen bitte mal wieso Fehlentscheidung??? 1. War dieses Massenscreening eh nur eine MOMENTaufnahme und fast alle haben sich damals dennoch in die Irre führen lassen und 2. war Südtirol danach sowieso unrühmlicherweise eine der tiefrotesten Regionen in ganz Europa! Also, bin gespannt?!

Suedtirolfan
Suedtirolfan
Superredner
26 Tage 3 h

@sarkasmus
Du weißt das natürliche besser als die Regierung !
Du bist auch “Gescheiter” als 3 Dumme…🛡

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
26 Tage 3 h

@General Lee…. es gibt leider in der Geschichte immerwieder Leute, die der Esotherik mehr Glauben schenken, als der Wissenschaft. Schon bemerkenswert, dass man auch noch damit angibt, nicht gegen diese Pandemie den eigenen durchaus einfachen Beitrag geleister zu haben und damit vielleicht durch unverantwortliches eigenes Verhalten für deren Verbreitung gesorgt zu haben! Aber ist dann beim Kritisieren sehr fleissig, ohne von Medizin und Vorbeugung etwas zu verstehen….

Universalgelehrter
25 Tage 13 h
@Oracle Äh, NEIN! Wenn du regelmäßig auf SN unterwegs bist, wüsstest du, dass wir beide doch auf der gleichen Seite stehen! Bin (bisher) 3-fach geimpft und hatte wissentlich nicht 1x Corona in dieser ganzen Zeit. Ich bin und war ein Verfechter der sinnvollen Corona-Maßnahmen und habe demzufolge also nichts falsch gemacht!! Wenn man aber damals dem Versprechen, mit diesem (MOMENTaufnahme!)Massenscreening wäre danach alles ausgestanden, wirklich Glauben geschenkt hat, vertraut man entweder blindlings einer über lange Strecken inkompetenten Regierung (zumindest hinsichtlich Coronapolitik) oder weiß nichts mit dem eigenen Hausverstand anzufangen…. Aber lassen wir’s gut sein, diese lächerliche Anekdote liegt bereits 2… Weiterlesen »
NaSellSchunSell
NaSellSchunSell
Superredner
26 Tage 5 h

viel interessanter ist wohl die Frage: wen juckt das nach 2 Jahren noch?

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
26 Tage 2 h

@NaSellSchunSell…. es juckt jene, die diese Fachzeitschriften lesen und die Fachwelt der Medizin bzw. der Epidemiologie….Solche Studien werden sehr wahrscheinlich auf Tiktok oder Instagram nicht zu finden sein…Anhand des Kommentars kann man den Wissensstand erahnen und die Feststellung ziemlich relativieren….

qqqq
qqqq
Grünschnabel
26 Tage 7 h

ich staune immer wieder, dass man es immer noch versucht den völlig unnützen Massentest als Erfolg dar zu stellen.
Der einzige Erfolg dabei war, dass Südtirol gezeigt hat enormes zu leisten, d.h.so einen umfangreichen Test zu organisieren. Diese Leistung hat aber WK, FF usw erbracht, und nicht Politik und Sabes.
Wir erinnern uns: die freiwilligen Helfer waren am Abend nicht mehr im Stande die Resultate einzutragen , weil das Computersystem der Sabes total zusammen gebrochen war während die Zuständigen sich schon ein schönes WE machten .

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
26 Tage 3 h

@qqqq… naja, würde bei so einem Kommentar “unnütz” sagen, wenn man vom Fach nichts versteht, sollte man nicht urteilen…oder aber, man belege wissenschaftlich, es sei unnütz! Wo ist die Studie dazu? Oder reine Wirtshausfeststellung?

Orch-idee
Orch-idee
Universalgelehrter
25 Tage 23 h

Dieser Massenscreening hat viel Geld verschlungen und wenig genutzt…
Wir waren trotzdem nach wenig Zeit dunkelrote Zone 🤷‍♀️

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