Cloudflare verzeichnete Millionen von Angriffsversuchen

“Millionen” Hacker-Versuche weltweit wegen PHP-Lücke

Donnerstag, 22. Oktober 2026 | 13:16 Uhr

Von: importer

Eine Sicherheitslücke im Internet hat am Donnerstag weiter für Aufregung gesorgt. Zahlreiche Seiten waren vorsorglich offline. Weltweit habe es “Millionen” Versuche von Hackern gegeben, die Schwachstelle auszunutzen, sagte der Chef des IT-Unternehmens Cloudflare, Matthew Prince, dem britischen Sender Sky. Ursache ist eine kritische Sicherheitslücke in der Programmiersprache PHP. In Österreich wurden den Behörden zufolge bisher keine diesbezüglichen Cyberattacken gemeldet.

“Konkrete Meldungen über erfolgreiche Angriffe aufgrund der Schwachstellen liegen derzeit noch nicht vor”, sagte Innenministeriumssprecher Patrick Maierhofer am späten Donnerstagvormittag auf APA-Anfrage. Es sei aber davon auszugehen, dass es noch Angriffsversuche geben wird.

WKÖ: Finanzieller Schaden nicht abschätzbar

In einer Mitteilung empfahl der Verband Österreichischer Software Innovationen (VÖSI) “allen betroffenen Organisationen, ihre eingesetzten PHP-Versionen unverzüglich zu überprüfen, verfügbare Sicherheitsupdates einzuspielen und gemeinsam mit ihren IT- und Hosting-Partnern mögliche Risiken zu bewerten”. Für den Obmann der WKÖ-Bundessparte Information und Consulting, Markus Roth, ist die PHP-Sicherheitslücke “eine massive Sache”. Es seien nicht nur Websites, sondern auch Webanwendungen betroffen, sagte Roth zur APA. Wenn Hacker die Sicherheitslücke bereits ausgenützt hätten, könnten auch nach dem PHP-Update noch Daten abgezogen werden und Lösegeldforderungen gestellt werden.

Ein möglicher finanzieller Schaden für die heimischen Unternehmen ist für den WKÖ-Vertreter und IT-Unternehmer derzeit nicht abschätzbar. Dies werde man wohl erst in einigen Wochen besser beziffern können. Aufgrund der PHP-Lücke veranlasste der Stahlkonzern voestalpine als Sicherheitsmaßnahme eine präventive Abschaltung zentraler IT-Services, hieß es am Donnerstagmittag auf der voestalpine-Website. Aktualisierte und geprüfte Systeme werden laut dem Unternehmen “sukzessive wieder online genommen”.

Wettlauf zwischen Betreibern und Kriminellen

Auf PHP basiert ein Großteil der Seiten im Internet. Die zwei neu entdeckten Schwachstellen in der populären Programmiersprache lösten einen Wettlauf zwischen Webseitenbetreibern und Cyberkriminellen aus. Die einen arbeiteten mit Hochdruck daran, eine aktualisierte Version der Software zu installieren, während die anderen die Sicherheitslücken auszunutzen versuchten.

Der Cybersicherheitsfirma Cloudflare zufolge rief das Bekanntwerden der PHP-Fehler eine Flut von Attacken hervor. In den Stunden zuvor habe es einige tausend Versuche gegeben, die Sicherheitslücken auszunutzen, schrieb Unternehmenschef Matthew Prince auf dem Kurznachrichtendienst X. “Diese Zahl stieg in den 45 Minuten nach der Bekanntgabe auf Zehntausende, innerhalb von zwei Stunden auf Hunderttausende und geht mittlerweile in die Millionen.”

PHP ohne Update “Tür für Kriminelle”

Weltweit nahmen Unternehmen, Behörden und andere Organisationen ihre Internetauftritte vorsorglich vom Netz, um ihre IT-Systeme zu schützen. “Systeme, für die aktuell noch kein Sicherheitsupdate eingespielt werden konnte, dürfen unter keinen Umständen weiter am Netz bleiben”, sagte der deutsche IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer. Er forderte ein drastisches Durchgreifen der Betreiber. “Jede ungeschützte PHP-Anwendung ist in diesem Moment eine offene Tür für Kriminelle.”

Für normale Internetnutzer bestand beim alltäglichen Surfen auf dem Smartphone oder PC zunächst kein direkter Handlungsbedarf, da sich die Sicherheitslücke nicht auf Endgeräten befindet, sondern auf den Servern im Hintergrund. Dennoch können Verbraucher indirekt betroffen sein – etwa durch Ausfälle wichtiger Onlinedienste oder potenzielle Datenabflüsse auf nicht rechtzeitig geschützten Webseiten.

Auch WordPress betroffen

PHP dient als Basis für zahlreiche Webanwendungen wie Onlineshops oder Portale der öffentlichen Verwaltung. In dieser Sprache ist zudem das Softwarepaket WordPress programmiert, mit dem auch Privatpersonen Webseiten erstellen und veröffentlichen können. Die Entwickler von PHP hatten am Mittwochnachmittag (MESZ) eine aktualisierte Version (PHP 8.5.12) veröffentlicht und eindringlich dazu geraten, diese umgehend zu installieren.

Die Zahl der durch die Schwachstellen potenziell gefährdeten Server und Anwendungen bezifferte die Cybersicherheitsfirma Palo Alto Networks auf mehr als 22 Millionen weltweit. Schätzungen zufolge basieren etwa zwei Drittel bis drei Viertel aller Webseiten auf PHP. Die Sicherheitslücke habe IT-Verantwortlichen eine schlaflose Nacht beschert, sagte Microsoft-Chef Satya Nadella auf einer Veranstaltung in Köln. Es sei ein Weckruf und erinnere die Verantwortlichen daran, dass man bei IT-Systemen nicht nur einzelne Anwendungen betrachten dürfe, sondern auch die Abhängigkeiten im Blick behalten müsse.

Jedes Jahr mehr Sicherheitslücken

Die Schwachstellen wurden bereits vor längerer Zeit durch Künstliche Intelligenz (KI) aufgedeckt, teilten zwei Cybersicherheitsfirmen unabhängig voneinander mit. Sie seien mehr als ein Jahrzehnt lang unentdeckt geblieben. Früher war das Aufspüren von Sicherheitslücken eine große Herausforderung. Die neuesten KI-Modelle machen dies sowohl für Angreifer als auch für Verteidiger wesentlich einfacher. Nach Angaben der National Vulnerability Database der US-Regierung wurden heuer bereits 87.740 unterschiedlichste IT-Sicherheitslücken aufgedeckt. Im gesamten Vorjahr waren es 49.920 und vor zehn Jahren noch 6.515.

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