Von: luk
Bozen – Nach dem tödlichen Verkehrsunfall in Bozen-Gries mit einer Radfahrerin verzichtet die Stadt auf zusätzliche Fahrverbote für den Schwerverkehr. Stattdessen sollen verstärkte Kontrollen, mehr Kameras und Aufklärung für mehr Sicherheit sorgen.
Die 46-jährige Anila Kurcani war vergangene Woche in der Vittorio-Veneto-Straße von einem Lastwagen erfasst und tödlich verletzt worden. Der Unfall hatte eine Debatte über Einschränkungen für Lkw im Stadtgebiet ausgelöst – besonders zu Stoßzeiten. Nach einem Lokalaugenschein und Gesprächen mit Wirtschaftsvertretern und Frächtern entschieden Bürgermeister Claudio Corrarati und Mobilitätsstadträtin Johanna Ramoser jedoch dagegen.
Die Begründung: Zusätzliche zeitliche Fahrverbote würden den Schwerverkehr lediglich in andere Straßen verlagern, nicht aber reduzieren.
Stattdessen setzt die Stadt auf ein Maßnahmenpaket: Künftig sollen mehr Kameras an Ampeln installiert werden, um Rotlichtverstöße besser zu ahnden – rund 12.000 solcher Übertretungen werden jährlich registriert. Auch die Geschwindigkeitskontrollen werden verstärkt, unter anderem mit gezielten Einsätzen der Polizei und Laser-Messungen.
Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf dem Schwerverkehr aus dem Sarntal und Jenesien, der täglich durch die Stadt fährt. Parallel dazu ist eine Sensibilisierungskampagne geplant, die sich an alle Verkehrsteilnehmer richtet – neben Autofahrern und Lkw-Lenkern auch an Radfahrer, insbesondere Nutzer von E-Bikes.
Zusätzlich prüfen die Behörden die Einführung von “Toter-Winkel”-Warnhinweisen an Lastwagen, um Fußgänger und Radfahrer besser auf Gefahren aufmerksam zu machen.
Auch die Infrastruktur soll verbessert werden: Für rund 446.000 Euro werden über 1.300 alte Verkehrsschilder ersetzt und Fußgängerübergänge entlang wichtiger Verkehrsachsen sicherer gestaltet.
Die Stadt setzt damit nach der Tragödie auf mehr Kontrolle und Prävention und weniger auf Verbote.
Grüne: “Das ist zu wenig, Frau Stadträtin!”
Die Grünen im Bozner Gemeinderat kritisieren die Entscheidung von Mobilitätsstadträtin Johanna Ramoser, nach dem tödlichen Unfall in der Vittorio-Veneto-Straße keine Einschränkungen für den Schwerverkehr vorzusehen, als unzureichend.
Vize-Fraktionssprecher Rudi Benedikter wirft der Stadt vor, sich zu sehr auf Maßnahmen für Radfahrer und Fußgänger zu konzentrieren und die Hauptgefahr – den Lkw-Verkehr – nicht anzugehen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen wie mehr Kontrollen, Beschilderung und Sensibilisierung reichten nicht aus.
Die Grünen fordern stattdessen konkrete Eingriffe: ein Fahrverbot für Lkw auf der Achse Vittorio-Veneto-Straße – Grieser Platz – Freiheitsstraße zu den Stoßzeiten sowie ein generelles Tempolimit von 30 km/h. Rechtlich sei dies laut geltendem Verkehrsplan und Straßenverkehrsordnung möglich und liege in der Zuständigkeit der Gemeinde.




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