Leichnam von Luigi „Cianci“ Gatti geholt

Neun Jahre in der Kühlzelle

Mittwoch, 21. Juni 2017 | 12:00 Uhr
Update

Bozen – Der bekannte Mundharmonika-Spieler und Kabarettist Luigi „Cianci“ Gatti kann endlich die ewige Ruhe finden. Nach über neun Jahren in der Tiefkühlzelle der Pathologie am Bozner Spital durften die Angehörigen den Leichnam vergangene Woche abholen. Sein eisiges Schicksal, das das Tagblatt Dolomiten im August 2016 veröffentlichte, hat italienweit für Schlagzeilen gesorgt.

Dass der Leichnam des Mannes nicht bestattet werden durfte, hatte gerichtliche Hintergründe: Verwandtschaftsverhältnisse und Erbrechte mussten geklärt werden. Im Zuge eines zivilgerichtlichen Verfahrens wurde die Verwahrung des Toten angeordnet, damit Gewebeproben entnommen werden konnten und eine mögliche Feuerbestattung verhindert wurde. Denn dadurch wäre ein DNA-Nachweis unmöglich gewesen, berichtet das Tagblatt Dolomiten.

Gewebeproben wurden in all diesen Jahren von Gattis Leichnam mehrmals entnommen, um dessen DNA zu sichern. Sogar eine Ersatz-DNA-Probe bewahrte der Chefarzt der Bozner Pathologie, Dr. Guido Mazzoleni, auf. Schließlich wurde sogar das Kassationsgericht mit dem Fall betraut.

Nun endlich, nach neun Jahren in der Gefrierzelle, kommt für die Familie die Erleichterung – und nicht nur für sie. Mitte vergangener Woche wurde der Leichnam vom Bestattungsdienst der Gemeinde Bozen abgeholt. „Damit findet eine traurige Geschichte endlich ein Ende. Ich bin froh darüber“, betont Primar Mazzoleni gegenüber den „Dolomiten“ – aus menschlicher, aber auch aus organisatorischer Sicht. Dass eine von drei Gefrierzellen so lange besetzt war, stellte Mazzoleni oft vor Herausforderungen.

Der ärztliche Leiter des Bozner Krankenhauses, Dr. Flavio Girardi, hat allerdings die Freigabe zur Beerdigung des Leichnams noch nicht unterzeichnet. Eigentlich wurde um die Einäscherung angesucht, aber diesem Wunsch konnte er nicht nackommen, da noch ein offizielles Schreiben der Gerichtsbarkeit aus Rom ausständig ist. Rom sei aber bereits kontaktiert worden. „Ich weiß allerdings nicht, ob der Verstorbene bereits beerdigt wurde oder noch anderswo verwahrt wird“, erklärte er am Dienstag gegenüber den „Dolomiten“. Bislang sei er nur von einer Partei informiert worden, dass der Streit beigelegt sei. Erst wenn das entsprechende Dokument aus Rom eintrifft, könne das traurige Kapitel endgültig abgeschlossen werden.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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6 Kommentare auf "Neun Jahre in der Kühlzelle"


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PuggaNagga
PuggaNagga
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Die Kosten für die Aufbewahrung werden hoffentlich den Erben angerechnet.

Sirio
Sirio
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

Warum entnimmt man dem Toten nicht gleich nach seinem Ableben mehrere DNA- Proben und lässt ihn bestatten. Dieses Spektakel ist eines Verstorbenen nicht würdig!

kik
kik
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Kostenpunkt?

thats me
thats me
Neuling
1 Monat 1 Tag

Was kostet dieser “Luxusaufenthalt” den Steuerzahler?

Horizont
Horizont
Neuling
1 Monat 1 Tag

muss woll wos an Kosten zomkemmen . wer zahlt de Spesen. ?

wuestenblume
wuestenblume
Superredner
1 Monat 23 h

Wenn es ums Geld geht sind alle Mittel recht…koste es was es wolle

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