Aktuelle Daten vorgestellt

Pestizide im Wasser: Südtirol ist keine Insel der Seligen

Freitag, 11. Mai 2018 | 11:56 Uhr

Von: luk

 

Bozen – Am 10. Mai 2018 hat das Institut ISPRA (Istituto Superiore per la Protezione e la Ricerca Ambientale) den aktuellen Bericht „Rapporto nazionale pesticidi nelle acque 2018“ vorgestellt. Die Daten beziehen sich auf Wasseranalysen aus den beiden Jahre 2015 und 2016 und können laut der Verbraucherzentrale Südtirol wohl “ohne Übertreibung als alarmierend” bezeichnet werden.

“Längst sind Pestizide dort angekommen, wo sie eigentlich nicht sein sollten, nämlich (auch) im Wasser. Laut dem neuen ISPRA-Bericht wurden 2016 an 67 Prozent der – italienweit – 1.554 Überwachungsstellen für Oberflächenwasser und an 33,5 Prozent der insgesamt 3.129 Messpunkte für Grundwasser Pestizide nachgewiesen. Beim Oberflächenwasser wurden die geltenden Umweltgrenzwerte an rund 24 Prozent der Messpunkte überschritten, beim Grundwasser war dies an 8,3 Prozent der Messpunkte der Fall”, so die VZS.

“Am häufigsten wurden Herbizide nachgewiesen, doch auch Fungizide und Insektizide wurden vermehrt aufgefunden. Ähnlich wie bei Lebensmitteln, zeigen sich auch im Wasser zunehmend Pestizid-Mehrfachbelastungen mit mehr als einem Wirkstoff. Durchschnittlich sind die Wasserproben laut ISPRA-Bericht mit fünf Pestiziden belastet, den Rekord hält eine Wasserprobe, in der gleich 55 verschiedene Pestizide nachgewiesen wurden”, so die VZS.

Südtirol – keine Insel der Seligen

Die heile Wasserwelt gibt es in Südtirol nicht mehr: In unserem Land sind Pestizide an über 90 Prozent der Messpunkte nachweisbar, ähnlich wie in Friaul – Julisch Venetien, im Piemont und im Veneto. Diese Werte liegen deutlich über dem nationalen Durchschnitt.

Konkret wurden in Südtirol an 16 (94,1 Prozent) von 17 Messpunkten für Oberflächenwasser Pestizide nachgewiesen und in 106 (66 Prozent) von 160 Proben. An fünf Messpunkten wurden die Grenzwerte überschritten, nämlich an den Messpunkten in Plaus, Meran, Salurn, Margreid und Kaltern.

 

 

Insgesamt wurden in den Südtiroler Proben (Oberflächenwasser) 43 verschiedene Pestizide nachgewiesen, am häufigsten die Fungizide Boscalid, Fludioxonil, Penconazol und Dimetomorph sowie die Insektizide Chlorpyrifos und  Methoxyfenozid. Fünf dieser sechs Wirkstoffe, und zwar Boscalid, Fludioxonil, Penconazol, Chlorpyrifos und Methoxyfenozid, sind auf der Schwarzen Liste der Pestizide 2016 von Greenpeace gelistet. Die Liste stuft insgesamt 209 Pestizide als besonders schädlich für den Menschen und/oder die Umwelt ein.

Im Vergleich dazu ist das Grundwasser in Südtirol kaum mit Pestiziden belastet. Im Grundwasser wurden Pestizide nur an einem (7,1 Prozent) von 14 Messpunkten nachgewiesen, nur in einer (3,8 Prozent) von 26 Proben, und hier handelte es sich nur um eine Substanz (unterhalb des Grenzwertes), so die VZS.

Walther Andreaus, Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Südtirol, unterstreicht: „Pestizide sind keine harmlosen Pflanzen“schutz“mittel, wie den Konsumentinnen und Konsumenten gerne weisgemacht wird. Unter den derzeit zugelassenen Pestiziden befinden sich auch solche, die hormonell wirksam oder neurotoxisch sind oder Krebs auslösen können und die menschliche Gesundheit, Wasser-, Boden- und andere Lebewesen sowie die Umwelt gefährden. Unabhängigen Experten und Expertinnen zufolge sollten mehr als ein Drittel der in Europa zugelassenen Pestizide wegen ihrer Schädlichkeit für den Menschen und/oder die Umwelt verboten werden.“

 

Der „Rapporto nazionale pesticidi nelle acque 2018“ und die detaillierten Daten der einzelnen Regionen stehen auf der Webseite von ISPRA, http://www.isprambiente.gov.it/it/pubblicazioni/rapporti/rapporto-nazionale-pesticidi-nelle-acque-dati-2015-2016.-edizione-2018, zur Verfügung (in italienischer Sprache).

Die Schwarze Liste der Pestizide 2016 kann auf der Internetseite von Greenpeace Deutschland heruntergeladen werden (nur in englischer Sprache,

https://www.greenpeace.de/sites/www.greenpeace.de/files/publications/20160727_schwarze_liste_pestizide_greenpeace_final.pdf).

 

Am Sonntag, 13. Mai 2018 findet am Kalterer See die Wanderung „Stop Pestizide“ statt, die auch von der Verbraucherzentrale Südtirol unterstützt wird. Weitere Informationen:

http://www.consumer.bz.it/sites/default/files/2018-05/Wanderung%20Stop%20Pestizide.pdf

 

 

Grüne: Staatlicher ISPRA-Bericht 2018 gibt keine Entwarnung, auch nicht für Südtirol

“Der neue Report der staatlichen Umweltbehörde ISPRA über das Vorkommen von Pestiziden in Gewässern für das Jahr 2015/16 belegt, wie bereits seit Jahren, einen bedrückend hohen Pestizid-Rückstand im Wasserhaushalt der italienischen Regionen und Provinzen. Entsprechende Nachweise finden sich für 67 Prozent der 1554 Monitoring-Punkte der Oberflächengewässer und in 33,5 Prozent der 3129 Messpunkte unterirdischer Gewässer.

In den Oberflächengewässern sind vor allem Glyphosat und seine Zerfallsprodukte weit verbreitet, ebenso in unterirdischen Gewässern, wo sich auch das Herbizid Athrazin findet.

Regionale „Spitzenreiter“ der Belastung sind zwar die Po-Ebene und Friaul-Julisch Venetien, was nicht nur das Ergebnis der engmaschigeren Messungen ist. Auch in Südtirol erfassen die Messpunkte für das Oberflächenwasser in 90% der Messpunkte chemische Rückstände.

Obwohl die Präsenz giftiger und sehr giftiger Rückstände italienweit nachlässt, ist die Lage weiterhin alles andere als erfreulich – erst recht nicht in Südtirol. Die Anti-Pestizid-Wanderung rund um den Kalterer See am kommenden Sonntag ist auch Ausdruck der Besorgnis einer wachsenden Zahl von Bürgerinnen über eine angespannte, dringend zu bessernde Belastungs-Situation”, so die Grünen.

 

 

Bezirk: Bozen