Totes Kind wurde in Silo gefunden

Regierung in Frankreich wegen getötetem Kind unter Druck

Freitag, 05. Juni 2026 | 12:47 Uhr

Von: APA/AFP

Nach dem Fund einer mutmaßlich ermordeten Elfjährigen in Frankreich prüft die Regierung mögliche Justizpannen. Premierminister Sébastien Lecornu berief die Innen- und Justizminister am Freitag zu einer Sitzung ein. Der Fall löste in Frankreich Entsetzen und Empörung aus: Der Verdächtige war in der Vergangenheit mehrfach wegen Vergewaltigung Minderjähriger angezeigt worden, ohne dass dies juristische Folgen hatte. Der Mann befindet sich in Untersuchungshaft und schweigt.

Am Donnerstag war in einem Getreidesilo in dem südfranzösischen Ort Puycasquier die Leiche eines Mädchens gefunden worden, bei dem es sich vermutlich um die elf Jahre alte Lyhanna handelt. Das Mädchen war am vergangenen Freitag zum letzten Mal gesehen worden, Bilder einer Überwachungskamera zeigten es im Auto des 41 Jahre alten Verdächtigen. Lyhanna war mit einer der Töchter des Mannes befreundet.

Obduktion angeordnet

Die Staatsanwaltschaft hat eine Obduktion angekündigt, um die Identität und die Todesursache zu klären. Zahlreiche Beamte und Freiwillige hatten in den vergangenen Tagen in der hügeligen Gegend rund um die Wohnorte der Familie und des Verdächtigen nach dem Kind gesucht.

Der mutmaßliche Täter war in den vergangenen Jahren mehrfach wegen sexueller Übergriffe sowie wegen Vergewaltigung von Minderjährigen angezeigt worden. Ein erstes Ermittlungsverfahren wurde mangels Beweisen eingestellt. Eine weitere Strafanzeige wurde im Sommer 2025 gestellt und hatte bisher nicht zu Vernehmungen des Verdächtigen oder der mutmaßlichen Zeugen geführt.

Behördeninterne Ermittlungen eingeleitet

Dies werfe die Frage auf, welches Gewicht Aussagen von Opfern haben und wie in solchen Fällen ermittelt werde, kritisierte Regierungssprecherin Maud Bregeon. Die Regierung leitete behördeninterne Ermittlungen ein.

Die “Warnsignale” hätten dazu führen müssen, die Fälle zusammenzulegen und ein Eilverfahren einzuleiten, sagte die auf Sexualdelikte spezialisierte Anwältin Carine Durrieu Diebolt. Sie kritisierte rückständige Justizmethoden wie etwa das Versenden von Akten auf dem Postweg.

Kommentare

Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen