Klassischer Bergtourismus oder Luna Park mit Bergkulisse? – ein Kommentar

Schützt die Berge vor den Verrückten!

Donnerstag, 20. August 2026 | 02:33 Uhr

Von: Martin Geier

Bozen – Wer glaubt, mit dem mittlerweile berühmten Drehkreuz auf der Seceda oder dem seit Jahren anhaltenden Rummel um den Pragser Wildsee alle Auswüchse des Dolomiten-Overtourismus gesehen zu haben, täuscht sich gewaltig, denn im Sommer 2026 tauchen in den weltbekannten Dolomitbergen Menschen mit ein paar „verrückten” Ideen auf, um es glimpflich auszudrücken. Offenbar glauben sie, die Berge in eine Art Disneyland verwandeln zu können.

Youtube – Screenshot

Unter ihnen sind etwa zwei junge Männer, die ihre verstörende Idee in die Tat umsetzten, den Weg zum Sorapissee mit zwei kleinen RC-Cars zurückzulegen. Bilder davon machten im Netz rasch die Runde. Am selben See fand eine ähnlich veranlagte Person es offenbar nicht weiter bemerkenswert, trotz Verbots mit seinem SUP durchs Seewasser zu gleiten.

giack_janac_ci

Für Kopfschütteln sorgen auch die „Bergtouristen“, die in einer langen Schlange darauf warten, einen der von unzähligen Influencern beworbenen Krapfen zu kaufen. Ob das Sinn und Zweck eines Sommerurlaubs in den Dolomiten sein soll, fragen sich nicht nur die Einheimischen.

Facebook/Rifugio Laresei

Noch größeren Unmut erregen die „Einkaufszentrumstouristen“, die die Grundregeln des Wanderns wie Selbstversorgung, Ruheeinhaltung und Umweltschutz ignorieren und erwarten, in den Bergen denselben Komfort wie im Flachland vorzufinden – und das möglichst kostenfrei. Wenn der Hüttenwirt, der ihre üblen Hinterlassenschaften einsammeln muss, für die Nutzung der Toilette zumindest eine kleine Konsumation verlangt, erntet er im Netz einen Shitstorm.

Facebook/BIVACCO LUCA VUERICH/Cristina Cumin

Am schlimmsten und zudem gefährlichsten sind jedoch jene, die die Biwaks beschädigen, stehlen oder durch Vandalismus die Sicherheit in den Bergen gefährden.

Facebook/Soccorso Alpino e Speleologico Piemonte – CNSAS

Die Einheimischen im Dolomitengebiet sind vom Staunen längst zum tiefen Zorn gelangt. Die „Barbaren” haben die früheren Bergtouristen – Bergwanderer, Bergsteiger sowie erholungssuchende Familien und ältere Leute, die Ruhe und Stille suchen – längst vertrieben und überschwemmen zumindest in der Hochsaison jeden bekannten Winkel der bleichen Berge.

Aufrufe fruchten wenig und unüberwachte Verbote ergeben keinen Sinn. Um den letzten Rest von Anstand und Würde zu bewahren, setzen immer mehr Dolomitenorte auf scharfe Kontrollen und hohe Bußgelder.

Letztendlich müssen wir jedoch selbst entscheiden, welchen Tourismus wir wollen: den klassischen Bergtourismus oder die „Einkaufszentrumstouristen“, die einen Luna Park mit Bergkulisse für ihre Instagram-Fotos suchen.

Kommentare

Aktuell sind 1 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen