Von: Martin Geier
Bozen – Wer glaubt, mit dem mittlerweile berühmten Drehkreuz auf der Seceda oder dem seit Jahren anhaltenden Rummel um den Pragser Wildsee alle Auswüchse des Dolomiten-Overtourismus gesehen zu haben, täuscht sich gewaltig, denn im Sommer 2026 tauchen in den weltbekannten Dolomitbergen Menschen mit ein paar „verrückten” Ideen auf, um es glimpflich auszudrücken. Offenbar glauben sie, die Berge in eine Art Disneyland verwandeln zu können.

Unter ihnen sind etwa zwei junge Männer, die ihre verstörende Idee in die Tat umsetzten, den Weg zum Sorapissee mit zwei kleinen RC-Cars zurückzulegen. Bilder davon machten im Netz rasch die Runde. Am selben See fand eine ähnlich veranlagte Person es offenbar nicht weiter bemerkenswert, trotz Verbots mit seinem SUP durchs Seewasser zu gleiten.

Für Kopfschütteln sorgen auch die „Bergtouristen“, die in einer langen Schlange darauf warten, einen der von unzähligen Influencern beworbenen Krapfen zu kaufen. Ob das Sinn und Zweck eines Sommerurlaubs in den Dolomiten sein soll, fragen sich nicht nur die Einheimischen.

Noch größeren Unmut erregen die „Einkaufszentrumstouristen“, die die Grundregeln des Wanderns wie Selbstversorgung, Ruheeinhaltung und Umweltschutz ignorieren und erwarten, in den Bergen denselben Komfort wie im Flachland vorzufinden – und das möglichst kostenfrei. Wenn der Hüttenwirt, der ihre üblen Hinterlassenschaften einsammeln muss, für die Nutzung der Toilette zumindest eine kleine Konsumation verlangt, erntet er im Netz einen Shitstorm.

Am schlimmsten und zudem gefährlichsten sind jedoch jene, die die Biwaks beschädigen, stehlen oder durch Vandalismus die Sicherheit in den Bergen gefährden.

Die Einheimischen im Dolomitengebiet sind vom Staunen längst zum tiefen Zorn gelangt. Die „Barbaren” haben die früheren Bergtouristen – Bergwanderer, Bergsteiger sowie erholungssuchende Familien und ältere Leute, die Ruhe und Stille suchen – längst vertrieben und überschwemmen zumindest in der Hochsaison jeden bekannten Winkel der bleichen Berge.
Aufrufe fruchten wenig und unüberwachte Verbote ergeben keinen Sinn. Um den letzten Rest von Anstand und Würde zu bewahren, setzen immer mehr Dolomitenorte auf scharfe Kontrollen und hohe Bußgelder.
Letztendlich müssen wir jedoch selbst entscheiden, welchen Tourismus wir wollen: den klassischen Bergtourismus oder die „Einkaufszentrumstouristen“, die einen Luna Park mit Bergkulisse für ihre Instagram-Fotos suchen.




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