Von: Lukas Unterkofler
Sellajoch – Der bekannte Südtiroler Politologe und Meinungsforscher Hermann Atz ist bei einem schweren Kletterunfall am Sellajoch ums Leben gekommen. Der 73-jährige Bozner stürzte am Samstagnachmittag auf der Diletta-Route am dritten Sellaturm rund 20 Meter in die Tiefe.
Atz war gemeinsam mit einem Seilpartner aus England unterwegs und befand sich im Vorstieg, als er kurz vor 15.00 Uhr aus bislang ungeklärter Ursache abstürzte. Er prallte gegen die nahezu senkrechte Felswand und erlitt dabei tödliche Verletzungen.
Der Notarzthubschrauber Pelikan 1 und die Bergrettung Gröden wurden alarmiert und eilten zum Unfallort. Für den 73-Jährigen kam jedoch jede Hilfe zu spät. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen. Anschließend wurde der Leichnam per Winde geborgen.
Der britische Seilpartner blieb unverletzt, erlitt nach dem Absturz jedoch einen schweren Schock. Er wurde von der Bergrettung ins Tal gebracht und von der Notfallseelsorge betreut.
Die Erhebungen zum genauen Unfallhergang wurden von der Bergrettung der Finanzwache Sterzing übernommen. Die Ursache des Absturzes ist bislang nicht geklärt.
Südtirol verliert Politikbeobachter und Meinungsforscher
Hermann Atz war über Jahrzehnte eine prägende Stimme der Südtiroler Politikanalyse. Der Bozner Politologe und Meinungsforscher beschäftigte sich intensiv mit Wahlen, politischen Einstellungen und gesellschaftlichen Entwicklungen und wurde durch seine Analysen und Umfragen weit über die Fachwelt hinaus bekannt.
1993 gründete er gemeinsam mit Helmuth Pörnbacher das Bozner Institut für Sozialforschung und Demoskopie “apollis”, das sich seither mit empirischer Sozial-, Markt- und Meinungsforschung beschäftigt. Atz war damit nicht nur wissenschaftlich tätig, sondern wurde auch zu einem gefragten Gesprächspartner, wenn es darum ging, politische Stimmungen und gesellschaftliche Veränderungen in Südtirol einzuordnen. Seine Arbeit machte ihn über viele Jahre zu einem vertrauten Gesicht der öffentlichen Debatte im Land.
Grüne trauern
“Hermann Atz ist tot. Was für ein Verlust”, schreiben die Grünen in einer Pressemitteilung. “Wir sind alle unter Schock, seitdem wir die Nachricht vom Bergtod von Hermann Atz am Sella gehört haben. Die meisten von uns haben persönliche Erinnerungen an ihn, ein Aufeinandertreffen in institutioneller oder Medienumgebung, einen Austausch zu einem aktuellen Thema, einen kurzen Gruß.”
“Hermann Atz war eine fixe Größe im Politikalltag, und er war immer ein Bezugspunkt. Er analysierte, was geschah. Er kommentierte sachlich und zugleich indem man merkte, dass er als Bürger beteiligt war. Das ist eine sehr seltene Gabe, die Hermann hatte, eine reiche Gabe. Mit Hermann zu reden lohnte sich immer. Oft brachte er Unerwartetes, manchmal auch Unbequemes, was einem zum Nach- und oft auch Umdenken bewegte. Sein Blick auf die Welt suchte immer spezielle Perspektiven, jene, die noch nicht eingenommen waren”, so die Grünen.
Und weiter: “Ein feiner Mensch war Hermann. Wir erinnern ihn, wie er auf seinem Rad um die Ecke sauste ebenso wie im Fernsehstudio am Wahlabend, bei kulturellen Momenten ebenso wie bei einem politischen Anlass, wo er seinen Bürgersinn zeigte. Er wird der Welt sehr fehlen. Seiner Frau Brigitte und seinen Söhnen gilt unsere Anteilnahme, von Herzen.”




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