Vorsicht vor Auslösern

Stress macht auch Pferde krank: Tragisches Schicksal von Wallach Cordino

Dienstag, 16. Juni 2026 | 07:01 Uhr

Von: mk

Wien/Reutte – Der Österreichische Tierschutzverein warnt: Stress bei Pferden wird oft unterschätzt und zu spät erkannt. Wer frühe Warnzeichen übersieht oder falsch deutet, riskiert ernsthafte gesundheitliche Folgen. Nicole Mayrhofer, Leiterin der Pferdeklappe, klärt auf.

Pferde wirken meist robust und gelassen. Tatsächlich reagieren die sensiblen Flucht- und Herdentiere jedoch empfindlich auf Veränderungen in ihrer Umgebung und im Sozialgefüge. Wie dramatisch die Folgen von chronischem Stress sein können, zeigt der Fall von Wallach „Fürst Cordino Royal“, der seit Monaten in der Pferdeklappe in Reutte betreut wird.

Trauriger Fall von Wallach Cordino 

„Der sensible Schimmel leidet unter einem chronischen Magengeschwür, das schmerzhafte Koliken auslöst“, weiß Pferdeexpertin Nicole Mayrhofer. Bei der Vorbesitzerin stand er alleine in einer Paddock-Box. Durch die Einzehaltung hat er das normale Herdenverhalten verlernt. Deshalb reagiert Cordino extrem gestresst auf jede Veränderung. Dazu kommen Probleme mit den Fesseln. Dank einer engmaschigen medizinischen Betreuung in der Pferdeklappe findet der 13-jährige Cordino langsam den Weg aus der Stressspirale.

Häufige Stressauslöser

„Stallwechsel, neue Herdenmitglieder, die Trennung von Artgenossen, soziale Isolation, unregelmäßige Fütterungs- und Stallabläufe, Schmerzen oder überfordernde Trainingsreize können erheblichen Stress auslösen“, erklärt Nicole Mayrhofer, Leiterin der Pferdeklappe in Reutte. Sie verfügt über umfassende Erfahrung im Umgang mit Pferden, die infolge schlechter Haltungsbedingungen oder Tierquälerei stark gestresst bei ihr aufgenommen wurden. „Auch die Stimmung des Menschen spielt oft eine Rolle: Pferde reagieren sehr sensibel auf die Nervosität und Anspannung ihrer Bezugspersonen.“

Erste Warnsignale von Stress

Pferde zeigen durch veränderte Körpersprache und Verhalten deutlich, wenn sie überfordert, angespannt oder verunsichert sind. Zu den frühen Anzeichen zählen erhöhte Wachsamkeit, Unruhe, reduzierte Futteraufnahme, vermehrtes Schwitzen, Muskelanspannung oder sozialer Rückzug.

Bei anhaltendem Stress zeigen Pferde häufig weniger Interesse an ihrer Umgebung und ziehen sich aus sozialen Interaktionen zurück. Diese Warnsignale werden jedoch in der Praxis oft übersehen oder fehlinterpretiert.

Risiko für Darmerkrankungen steigt

„Hält die Belastung über längere Zeit an, kann chronischer Stress entstehen, der den ganzen Körper belastet“, weiß Nicole Mayrhofer. Er schwächt das Immunsystem, beeinträchtigt die Lernfähigkeit und erhöht das Risiko für verschiedene Erkrankungen.“ Chronischer Stress spielt bei Magen-Darmerkrankungen des Pferdes eine zentrale Rolle.  Studien deuten darauf hin, dass er mit einem erhöhten Risiko für Veränderungen der Magenschleimhaut und Magengeschwüre verbunden ist.

Frühzeitig Stress nehmen

Stress ist eine Reaktion des Körpers auf große Belastungen. Deshalb müssen wir die Ursachen rechtzeitig erkennen und beseitigen“, betont Pferdeexpertin Mayrhofer. „Nur so können wir Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere nachhaltig schützen.“

Die Leiterin der Pferdeklappe des Österreichischen Tierschutzvereins in Reutte empfiehlt konstanten, direkten Sozialkontakt, ausreichend Bewegung, eine bedarfsgerechte Fütterung und einen verständnisvollen Umgang mit den individuellen Grenzen des Tieres. Werden diese Grundbedürfnisse nicht erfüllt, steigt das Stressrisiko deutlich an.

Stresssignale erkennen lernen

Ebenso wichtig ist es, Betreuungspersonen im Erkennen von Stresssignalen zu schulen und Training sowie Haltung an die Bedürfnisse des Pferdes anzupassen. „Wer Stress bei Pferden ernst nimmt, schützt nicht nur das Wohlbefinden seines Pferdes, sondern bewahrt es auch vor schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen“, ist die Pferdeexpertin überzeugt.

Über die Pferdeklappe in Reutte

Die Pferdeklappe des Österreichischen Tierschutzvereins in Reutte (Tirol) ist eine Auffangstelle für Pferde in Not. Hier finden Tiere wie Cordino Schutz, Fürsorge und die Chance auf einen Neuanfang. Unsere Schützlinge werden artgerecht gehalten, medizinisch versorgt und liebevoll betreut. Ziel ist es, ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen und für jedes Pferd ein passendes, dauerhaftes Zuhause zu finden. Bis heute konnten wir bereits mehr als 120 Pferde retten.

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